Tossens Stolz können die Zehntklässler des Gymnasiums der Tossenser Zinzendorfschule und ihre viele Helfern über die Leistung sein, die sie bei der Aufführung ihrer Musical-Produktion „Der Berg ruft“ auf die Bühne brachten.

Daran wurde seit Beginn des jetzt endenden Schuljahres gearbeitet. Theaterpädagogin Conny Howell entwickelt und bearbeitete den Text. Gemeinsam mit Ehemann Richard entstand das imposante Bühnenbild, in dem sich zentral im Hintergrund das Watzmann-Massiv auftürmt, treffend gemalt.. Tochter Lheila schuf die bajuwarischen Masken, Sohn Finn assistierte in Fragen, die das Bühnenspiel betreffen.

Musiklehrer Wilhelm Magnus stellte aus den beiden Klassen eine Band mit Selina Hillers (Akkordeon), Thomas Kasper (Akustikgitarre), Daniel Heiß (E-Gitarre), Jouke-Hedzer Bergsma, Tammo Ölrichs (beide Bass), Saskia Schudoma (Piano/Trompete) und Björn Neckritz (Schlagzeug) zusammen. Die Sänger lernten ihre Soli, Duette und Chöre. Auch gab es choreographische Anforderungen, da zu einigen Liedern getanzt wurde.

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Der Berg fordert Opfer

Die Handlung nimmt recht derb und satirisch alpine Klischees aufs Korn. Jahr für Jahr fordert der Berg, der Touristen anzieht, seine Opfer. Wen „der Berg ruft”, gibt er nicht zurück, wissen die Einheimischen. Als der Vater erfährt, dass sein Sohn den Ruf vernimmt, will er ihn vom Aufstieg abhalten. Der Sohn ist hin- und hergerissen, bis die Geiltalerin, eine berüchtigte Femme Fatale, sich ihm verspricht – nach dem Abstieg!

Da nützen weder die Schläge des Vaters, noch die Bitten und Gebete der Mutter und Schwestern etwas. Der „Bua” entschwindet ins Watzmann-Massiv. Ein Jahr später folgt ihm auch der Vater, den der Berg mit Sohnesstimme ruft.

Schrille Touristen, die einen Jodelkurs auf der „Hütten” absolvieren, arbeitsscheue Knechte, die von „dicken Wadeln” und viel Bier träumen, „fesche Maderln”, denen die Knechte zu schlicht, die Bauern „grad recht” und die Geiltalerin ein Greuel sind, tummeln sich auf der Bühne, reden (ohne viele Worte) und tanzen, dazu „eine Musik” wie im Alpenländle.

„Mannsbilder” räsonieren bei „einer Maß” über die Weibsbilder oder jagen mit ihren Büchsen die Gemsen. Die Geiltalerin („Mein erster war der Berg”) macht alle rasend und verkörpert die Versuchung, die für die Bergbauernfamilie zur Heimsuchung wird.

Übertrieben glaubwürdig

Das Ganze bieten die Akteure überzeugend und mit großer äußerer Ruhe dar. Wenn die Knechte scheinbar minutenlang ihr „Jo, jo” als Gedanken austauschen, wenn der tumbe Bua von der Geiltalerin systematisch verführt wird, wenn die Bergbauernfamilie betend und sich bekreuzigend der Knute des Vaters untersteht, lassen die Darsteller das Ganze im richtigen Maße übertrieben glaubwürdig erscheinen.

Die Kostüme sind toll (woher bekommt man in Butjadingen so viele knielange Lederhosen?), Haltung und Gestik stimmen. Alle wissen, wo und wie sich bewegen müssen, vor allem auch die Bandmitglieder, die zwischendurch schauspielern. Ganze Arbeit leistete auch das Technikteam mit Lukas Mendelsohn, Philipp Emmert. Tarkan Sommer, Philipp Kähler, Jannik Reinelt und Jonte Schirdewan.

Zu recht befremdlich klingt ihre Sprache. Mit einer Mischung aus bayerischen, badischen, thüringisch-hessischen und plattdeutschen Akzenten und Lauten entsteht ein unterschiedliches gefärbtes, schön schräges Kunst-Bayerisch. Das ist an sich schon komisch, unabhängig davon, welchen Blödsinn die Figur gerade ausspricht.

Die teilweise Hit-verdächtigen Songs mit der tollen Band im Hintergrund laden sofort zum Mitsingen ein. Das Publikum geht mit, jodelt gar als Echo den Touristen entgegen. Bei den erwachsenen Zuschauern zündet das Stück noch mehr als bei den Schülern. Wohl, weil ihnen die Diskrepanz zwischen Bayern-Stereotyp und norddeutschen Jugendlichen klarer ist und sie über einen ausgeprägteren Sinn für Ironie verfügen.

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