NORDENHAM Draußen ist es bitterkalt, drinnen lässt die soziale Kälte auf der Bühne die Zuschauer frieren. Zur Inszenierung des Oldenburgischen Staatstheaters sind am Freitagabend nicht viele Besucher in die Friedeburg gekommen – verständlich bei dem Wetter. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Geschichte des Stücks „Glaube, Liebe und Hoffnung“ von Ödön von Horváth gerade heute zu vertraut klingt.

In einer leeren Fachwerkkulisse, die sowohl zur Stadt als auch zu Innenräumen werden kann, begegnen sich die Figuren des Regisseurs Sascha Bunge, die in Details den Dreißigerjahren des vergangenen Jahrhunderts entnommen sind, die aber auch einfach zum Mobiltelefon greifen und – schwupps – im Jetzt angekommen sind. Sie tragen eher historische Kleidung und sprechen eine etwas antiquierte Sprache. Ihre Ansichten sind in vielerlei Beziehung gestrig und doch sind sie nicht so antik, dass man nicht Parallelen zu heute ziehen könnte.

Fünf Bilder

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In fünf Bildern wird die tragische Geschichte von Elizabeth (Eva Maria Pichler) erzählt, die zu Beginn des Dramas noch glaubt, ihren Untergang abwenden zu können. Anders als Maria (Juliana Djulgerova), die bereit ist, ihren Körper zu verkaufen, will sie aus eigener Kraft ihre Arbeits- und Bedeutungslosigkeit überwinden. Mit ein wenig Hilfe, glaubt sie, wird ihr das gelingen.

Der Präparator am anatomischen Institut (Gilbert Mieroph) leiht ihr Geld für einen Wandergewerbe-Schein, mit dem sie eine Strafe bezahlt – für Arbeiten ohne diese Genehmigung. Die besitzt sie mittlerweile als angestellte Vertreterin von Irene Prantl (Caroline Nagel), der sie mit dem Erlös von Korsett- und Unterwäsche-Verkäufen einen Kredit zurückzahlen muss.

Als Vertreterin scheitert sie, der Präparator zeigt sie wegen Betrugs an. Der Amtsgerichtsrat (Gerhard Palder) verurteilt sie zu zwei Wochen Gefängnis. Scheinbar hat sie dann aber Glück: Sie lernt den Polizisten Alfons Klostermeyer (Jens Ochlast) kennen, der für sie sorgt – und ihre Abhängigkeit schätzt. Er schwadroniert ihr gegenüber von „Glaube, Liebe und Hoffnung“ als Grundprinzipien des (Weiter-)Lebens. Aus Angst um die eigene Karriere verlässt er sie aber, als er von ihrer Vorstrafe erfährt.

Elizabeth stirbt

Elizabeth geht ins Wasser, wird aber noch einmal gerettet – von einem Mann, der dafür von seiner Mutter mit einem Motorrad belohnt werden will. Unfähig, sich wirklich um einen Mitmenschen zu kümmern, stehen drei Polizisten und ein Lebensretter parlierend um die verhinderte Selbstmörderin herum, bis sie dann doch stirbt.

Das kurzweilige und mit 90 Minuten auch kurze Stück kommt beim Publikum gut an. Bis zum tragischen Schluss herrscht gespannte Aufmerksamkeit. Gern nutzen die Zuschauer tragi-komische Szenen, um ein wenig Spannung wegzulachen. Die hölzernen Figuren erlauben ein wenig Distanz, machen das Ganze erträglicher.

Allein Elisabeth erscheint als vollständiger Mensch, alle anderen, die an ihr scheitern, sind nur reduziert. Der Baron (Thomas Birklein) strebt nur nach Lustbefriedigung, der Richter will seine Ruhe, seine Frau ihren Status, Frau Prantl ihr Geld, der Polizist seine Karriere . . . Glaube, Liebe und Hoffnung haben keinen Platz, wenn jeder nur noch ums eigene Überleben kämpft. Diejenige, die zu Beginn noch über alle drei Tugenden verfügt und so zäh daran festhalten will, kann nicht überleben.

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