Brake Menschen, denen eine Augenoperation bevorstand die Angst vor dieser zu nehmen – das war 2003 für sechs Frauen Anlass, die ökumenische Krankenhaushilfe „Grünen Damen“ ins Leben zu rufen. Auf ehrenamtlicher Basis und koordiniert von Schwester Albertilde begleiteten sie die Patienten. Allein die Gespräche auf dem Weg zum OP und während der Wartezeit halfen. Den Anstoß hatte seinerzeit die Orts-Caritas in Person von Franz-Josef Berger gegeben. Drei von ihnen sind – neben Schwester Albertilde – seit Anfang an dabei: Renate Kleemeyer, Käthe Otte und Elsbeth Heim.

Vor 50 Jahren nahmen die ersten „Grünen Damen“ in Deutschland ihre Arbeit auf. Den Ursprung hatte die Idee in den USA, wo „Pink Ladys“ hilfreich in den Hospitälern unterwegs sind. Am 27. Oktober dieses Jahres blicken die Braker Ehrenamtlichen auf 15 Jahre zurück.

Vielfältige Aufgaben

Bis heute ist nicht nur die Zahl der Ehrenamtlichen gestiegen auf derzeit 14. Auch das Aufgabengebiet ist umfassender geworden. Längst wird allen Patienten schon bei der Aufnahme angeboten, sich von einer der Frauen begleiten zu lassen. Denn geblieben ist eins: Die „Grünen Damen“ sind nur Damen – auch wenn Herren durchaus mitmachen dürfen.

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„Heilung hat neben der medizinischen Versorgung sehr viel mit der Seele zu tun“, weiß Schwester Albertilde. „Wie gut ist es, wenn dann jemand dem Kranken und seinen Angehörigen zur Seite steht.“ Der menschliche Aspekt stehe dabei für alle Ehrenamtlichen im Vordergrund: Nicht nur zuschauen, sondern Verantwortung übernehmen und helfen.“

Das wollte auch Ingrid Ausbüttel: „Ich suchte nach einer ehrenamtlichen Tätigkeit und stieß auf die Grünen Damen.“ Als junges Mädchen hatte sie miterlebt, wie ihre Großmutter schon vor 70 Jahren im Osnabrücker Krankenhaus tätig war. Daran erinnerte sie sich. „Man hat eine Aufgabe, wird gebraucht und man bekommt von den Patienten so viel zurück.“

Zuhören ist das wichtigste. Aber auch ganz praktische Hilfe bieten die Grünen Damen an, und das schon früh morgens: Um 7.30 Uhr helfen sie bei der Verteilung des Frühstücks und sind Patienten behilflich, die alleine nicht klar kommen. Einmal in der Woche – am Tag von Augen-OP sind sie sogar schon vor 7 Uhr im Hause. Auch lesen sie demenzkranken Patienten vor oder denen auf der Isolierstation. „Ein paar Stunden sind so wertvoll für die Patienten.“

„Die Menschen merken, dass wir Zeit haben“, sagt Elsbeth Heim. „Oft erzählen sie Dinge, die sich lange in sich hineingefressen haben.“

Ute Galli hat viele Jahre als Krankenschwester gearbeitet. Sie ist aufgrund ihrer 44-jährigen Berufserfahrung auch auf der Intensivstation tätig. „Ich kann den Patienten in Gesprächen oft viel erklären – und so beruhigend auf sie einwirken.“

„Es geht gar nicht darum, stundenlang mit den Patienten zusammenzusitzen“, so Schwester Albertilde, „sondern ihnen zu zeigen, dass jemand da ist, der sich über die ärztliche und pflegerische Betreuung hinaus um sie kümmert und ein offenes Ohr für sie hat. Das ist entscheidend.“

Interessante Gespräche

Aber die „Grünen Damen“ sind nicht allein für Patientenbegleitung und Gespräche zuständig. Sie kümmern sich auch um die Bücherei des Krankenhauses. Weit mehr als 1000 Bücher und zahlreiche Hörbücher umfasst der Bestand, um den sich drei der Damen kümmern. Sie sind auch mit dem Bücherwagen auf den Stationen unterwegs, um bettlägerige Patienten mit Lesestoff zu versorgen. Eine von ihnen ist Renate Cornelius. „Die Zeit ist schnelllebiger geworden.“ Das gilt aufgrund möglichst kurzer Liegezeiten auch für die Krankenhauspatienten. Für Bücher nehmen sich viele oft keine Zeit mehr. Doch über die Bücher komme es oft zu interessanten Gesprächen. Und wenn es kein Buch sein soll, hat die „Grüne Dame“ noch ein anderes Ass im Ärmel: „Ich habe schon vielen Patienten Sudoku beigebracht“, verrät sie mit einem Schmunzeln.

Ein weiteres Thema ist die Sterbebegleitung. Zwei der „Grünen Damen“ haben bei der Diakonie eine Ausbildung zur ambulanten Hospizhelferin absolviert. Sie stehen Patienten und Angehörigen auf Wunsch in den letzten Stunden zur Seite. Und selbst über ein solch erstes Thema können die „Grünen Damen“ im Nachhinein mitunter lächeln: „Ich habe mal eine Frau begleitet, die im Sterben lag und nicht zur Ruhe kam“, erzählt Schwester Albertilde. „Sie hat immer nur ein Wort gesagt: Gardine.“ Erst später hat die Trauerbegleiterin den Grund dafür erfahren: Die Frau hatte ihre ganzen Ersparnisse in eine Gardine eingenäht.

Von Mensch zu Mensch

Einmal im Monat treffen sich die „Grünen Damen“. Dann wird über alles gesprochen. Auch das ist ein Stück der Verarbeitung der nicht immer leichten Aufgabe. Dennoch überwiegen für alle die schönen Momente.

Einen Leitsatz der „Grünen Damen“ ist Schwester Albertilde besonders wichtig: „Das kostbarste Geschenk, das ein Mensch in unserer hoch technisierten und leistungsorientierten Welt machen kann, ist seine Zeit – Zeit für die ganz persönlichen Hinwendungen von Mensch zu Mensch.“

Wer auch ein wenig seiner Zeit schenken will, kann sich bei Schwester Albertilde im Krankenhaus melden unter Telefon 04401/ 105253. Mitgebracht werden müssen neben der Zeit nur gute Laune, Ruhe und ein bisschen Menschenkenntnis.

Markus Minten Leitung / Lokalredaktion
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