Wesermarsch Cannabis ist in der Wesermarsch die am häufigsten konsumierte Droge,  berichtet Sozialwissenschaftlerin und Suchttherapeutin Ute Claussen. 126 Menschen mit Beratungsbedarf zu Cannabis suchten im vergangenen Jahr den Rat der Mitarbeiterinnen Ute Claussen und Psychologin Edith Witt der Fachstelle Sucht Rose 12. Im Jahr 2016 nutzten 125 Menschen die Beratung wegen ihres Cannabiskonsums.

Die am zweithäufigsten konsumierten illegalen Drogen in der Wesermarsch sind Opiate (36 Klienten), gefolgt von Kokain (17) und Amphetaminen/Ecstasy (15), berichtet Edith Witt.

Nicht erfasst werde der sogenannte Mischkonsum. Denn häufig nehmen die Klienten mehrere verschiedene Drogen. Erfasst wird die sogenannte Hauptdroge, die konsumiert wird. Es sei jedoch vor allem der Mischkonsum, durch den Psychosen auftreten, berichtet Ute Claussen. Sucht sei eine chronische, schwere Erkrankung, betont sie.

Geringe Veränderung

2017 nutzten insgesamt 249 hilfesuchende Menschen das Beratungsangebot der Fachstelle. 2016 waren es 251. Auch die Altersstruktur der Klienten sei in etwa gleich geblieben, berichtet Edith Witt. Rund 53 Prozent der Klienten seien im Alter von 15 bis 29 Jahre. Drei Klienten unter 15 Jahre nutzten 2017 das Angebot.

Zu den Klienten der Fachstelle zählen häufig auch Eltern der Konsumenten, weiß Ute Claussen. Es gebe viele Jugendliche, die so häufig Cannabis konsumieren, dass man von Abhängigkeit spreche. Doch es sei schwer, den Jugendlichen zu vermitteln, dass sie sich auf einem gefährlichen Weg befinden, ohne den Zeigefinger zu erheben, denn das sei oft kontraproduktiv, wissen die Experten.

Pilotprojekt startet

Prävention ist deshalb auch hier ein wichtiges Thema. Ein Pilotprojekt für drei 6. Klassen der Schule am Luisenhof startet an diesem Freitag. Darin werden sich die Schüler mit legalen (aber nicht minder schwerwiegenden) Süchten wie zum Beispiel der Mediensucht beschäftigen. Einen Vormittag sind die beiden Mitarbeiterinnen der Rose 12 in den Klassen. Los geht es mit einem Theorieteil. Dafür müssen die Schüler eine Woche lang Tagebuch über ihre Mediennutzung führen. Im zweiten Teil werden zwei Betroffene von ihren Süchten und Erfahrungen berichten. „Wir haben versucht, das Projekt altersgerecht zu entwickeln. Über das Medientagebuch sollen die Schüler sensibilisiert werden. Wir wollen auf Gefahren hinweisen und gucken, wo es problematisch wird“, sagt Ute Claussen. Es sei auch für sie eine neue Erfahrung, mit so jungen Schülern zu arbeiten, berichtet Ute Claussen, natürlich in Zusammenarbeit mit den Schulsozialarbeitern. Der Schwerpunkt liege bei Verhaltenssüchten. Das Thema Drogen sei hier bewusst herausgelassen worden, sagt Einrichtungsleiter und Gebietsleiter Ambulant Nord, Winfried Wigbers. Die Schule war über den Präventionsrat an die Fachstelle herangetreten.

Präventionstag

Seit Jahren erfolgreich läuft der Präventionstag in Zusammenarbeit mit der Stadt Nordenham. Hier besuchen die Mitarbeiterinnen alle 9. Klassen. Neben Theorie sind auch bei diesem Projekt ehemalige Klienten der Fachstelle zu Gast, die von ihren eigenen Erfahrungen berichten. Dies bringe die Gespräche auf eine emotionale Ebene. „Gerade das emotionale Lernen hat oft große Bedeutung“, weiß Winfried Wigbers. Im dritten Teil des Präventionstages arbeiten Theaterpädagogen mit den Schülern die eigenen Erfahrungen und das an diesem Tag Gehörte auf.

Hilfe zu Hause

2018 haben die Mitarbeiterinnen der Rose 12 noch einiges vor. Das sogenannte Ambulant Betreute Wohnen (Assistenz beim Wohnen) wird in der Wesermarsch ausgeweitet. Die Möglichkeit, dass Mitarbeiter die Klienten zu Hause besuchen und ihnen helfen, den Alltag zu bewältigen, gibt es seit 2017. Gemeinsam sollen Probleme angegangen werden, und die Mitarbeiter unterstützen bei alltäglichen Anforderungen, Behördengängen und Ähnlichem. Dieses Angebot ist auf eine Begleitung über einen längeren Zeitraum angelegt, was im Alltag der Beratungsstelle oft nicht möglich ist.

Das Konzept ist ein wichtiger Bestandteil der Arbeit der Step (Gesellschaft für Sozialtherapie und Pädagogik), einer Tochtergesellschaft des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Niedersachsen. 2017 sind die Einrichtungen der gemeinnützigen Parlos GmbH, dem früheren Träger der Suchtberatung, in die Step integriert worden. Alle Einrichtungen der Parlos konnten auch in Trägerschaft der Step erhalten bleiben.

Merle Ullrich Nordenham / Redaktion Nordenham
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.