Nordenham Eins steht schon einmal fest: „Das war bestimmt nicht der letzte Starkregen in diesem Sommer“, sagt Uwe Glänzer mit Blick auf die gewaltigen Niederschläge, die am vergangenen Freitag die halbe Stadt unter Wasser gesetzt haben. Der Betriebsleiter der Nordenhamer Kläranlage kann statistisch belegen, dass derartige Naturereignisse immer häufiger auftreten. Diesmal hielten sich die Schäden auch dank des schnellen Einsatzes der Feuerwehr zwar in Grenzen. Aber Uwe Glänzer empfiehlt jedem Hauseigentümer, sich für weitere Extrem-Regenereignisse zu wappnen. Sonst könne es schnell dazukommen, dass der Keller meterhoch geflutet ist.

Vorsorgemassnahmen bei Starkregen

Eine Tauchpumpe ist eine sinnvolle Anschaffung, um im Fall der Fälle das Wasser aus dem Keller zu bekommen.

Gräben sollten von Wildwuchs und Schlamm befreit werden, damit das Wasser leichter abfließen kann.

Der Übergabeschacht, in dem die Hausleitung mit dem städtischen Kanalnetz zusammengeführt wird, muss jederzeit zugänglich bleiben und darf nicht zugestellt werden.

Rückstauklappen am Haus erfüllen ihren Zweck nur, wenn sie leichtgängig sind. Daher ist eine regelmäßige Wartung erforderlich. Falls die Klappe hakt, besteht die Gefahr, dass angestautes Wasser über den Abwasserkanal in das Gebäude eindringt.

Regenrinnen am Dach müssen von Laub freigehalten werden. Sonst laufen sie bei starken Regenfällen über.

Die Mitarbeiter des Klärwerks haben am Freitag eine Niederschlagsmenge von 70 Millimetern auf einem Quadratmeter gemessen. „Das ist schon enorm gewesen“, sagt Uwe Glänzer. Zum Vergleich verweist er darauf, dass es bei dem Starkregen am 11. September 2001, der zu deutlich größeren Problemen in Nordenham geführt hatte, „nur“ 55 Millimeter waren.

230 Kilometer Rohre

Das Unwetter von 2001 hat auch Stadtbrandmeister Ralf Hoyer nicht vergessen. An dem Tag waren seine Leute im Dauereinsatz und hatten größte Mühe, die Überflutungen unter Kontrolle zu bekommen. Aus diesen Vorkommnissen hat die Stadt ihre Lehren gezogen. Seitdem werden die Abwasserrohre in kürzeren Intervallen durchgespült, damit die Wassermassen besser abfließen können. Die Kanalsäuberung ist jetzt so getaktet, dass im Laufe eines Jahres jeder Abschnitt des insgesamt 230 Kilometer umfassenden Leitungsnetzes einmal gesäubert wird.

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Zudem haben nach Angaben des stellvertretenden Verwaltungschefs Bert Freese technische Verbesserungen und Kanalsanierungen dazu beigetragen, dass das Abwassersystem in Nordenham deutlich leistungsfähiger als vor 16 Jahren ist. Aber bei Ausnahme-Wetterlagen – wie am vergangenen Freitag – stößt es zwangsläufig an Grenzen.

Die Feuerwehr musste im Laufe des Tages 13 Einsätze fahren, um das Wasser von überfluteten Straßen und aus abgesoffenen Kellern zu pumpen. Vorsorglich bereiteten Mitarbeiter des Bauhofs 1000 Sandsäcke für den Fall vor, dass am Abend weitere Ex­tremniederschläge auf die Stadt herunterprasseln. Dazu kam es dann aber nicht.

„Unter dem Strich ist es glimpflich abgelaufen“, zieht Bert Freese eine positive Bilanz. Er lobt die gute Zusammenarbeit zwischen Klärwerk, Feuerwehr und Bauhof.

Als „neuralgische Punkte“ haben sich die Stadtteile Einswarden und Blexen sowie das Umfeld der Walther-Rathenau-Straße herauskristallisiert. „Da liegen die ältesten Kanäle Nordenhams“, weiß Mario Peschke, Leiter des Amtes für Baumanagement. Daher stehen Einswarden und Blexen im Kanalsanierungsprogramm der Stadt Nordenham auch als nächste auf der Liste. 2018 sollen dort die Arbeiten beginnen. Bereits abgeschlossen ist die Runderneuerung der Abwasserleitungen in Esenshamm, Phiesewarden und Schweewarden sowie fast in Abbehausen und Ellwürden.

Ein Risiko bleibt

Wenn die städtischen Abwasserrohre auf Vordermann gebracht sind, heißt das aber noch lange nicht, dass die Grundstückseigentümer vor Überflutungen sicher sind. Denn die alten und beschädigten Rohre haben den – aus Umweltgründen zweifelhaften – Vorteil, dass durch die undichten Stellen stets Wasser ins Erdreich abfließt und sie daher nicht so schnell volllaufen wie die gut abgedichteten neuen Leitungen. Diese Erfahrung haben jetzt zum Beispiel die Anwohner der Müllerstraße machen müssen, die sich wunderten, dass in ihren Kellern Wasser stand.

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Norbert Hartfil Redaktionsleitung Nordenham / Redaktion Nordenham
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