Brake /Sandstedt Kapitän Peter Schultze ist die Ruhe selbst. Er steht in seinem Steuerhaus und wartet geduldig, bis sein Mitarbeiter auch das letzte Fahrzeug auf der „Kleinensiel“ eingewiesen hat. Und dann legt die Fähre am Anleger Sandstedt ab für eine weitere Fahrt über die Weser nach Golzwarden. Und das wird so weitergehen. Heute. Morgen. Noch wochenlang.

„In Leer gibt es neben dem Emstunnel eine Brücke zum Ausweichen, der Elbtunnel hat eine weitere Röhre bekommen – aber hier ist es scheinbar nicht möglich, den Verkehr im Schritttempo durch den Wesertunnel zu führen.“ Die Straßensanierungsarbeiten auf der östlichen Weserseite, verbunden mit der Sperrung der Nordröhre des Tunnels und im Juli mit der Südröhre des Tunnels, sorgt seit Wochenbeginn für chaotische Verhältnisse auf den Straßen in Bremerhaven und auf der Zufahrtsstraße zum Anleger in Sandstedt.

„Ich musste zweieinhalb Stunden warten“, erzählt Anna-Marie von Aschwege (42) während der Überfahrt. Sie will nach Jaderberg. „Ich pendele viermal in der Woche. Gestern bin ich über Vegesack gefahren, da musste ich nur 30 Minuten warten.“

„Anstrengend, aber nun mal nicht zu ändern“, reagiert auch Silke Rensen (48) aus Sögel im Emsland verständnisvoll auf den Stau am Anleger. Und Uwe Voß (58), der berufsbedingt mehrmals die Woche von Wilhelmshaven nach Bremerhaven muss, kann dem Verkehrschaos sogar noch etwas Positives abgewinnen: „Man lernt dadurch neue Leute kennen“. Er habe sich auf die Wartezeit einstellen können, keine Termine deswegen verpasst.

Ebenfalls vorbereitet zeigt sich Helmut von Nethen (53) aus Esenshamm. „Ich muss nach Nordholz. Deshalb lasse ich mein Auto in Sandstedt stehen. In Golzwarden holt mich meine Frau mit dem anderen Auto ab.“

„Die meisten Autofahrer reagieren verständnisvoll“, kann Kapitän Schultze bestätigen. Trotzdem hätte man das Chaos wenn auch nicht verhindern, so doch verringern können, sagt er – wenn er rechtzeitig von der Sperrung gewusst hätte. „Dann hätte ich ein zweites Fährschiff gechartet. Aber so kurzfristig geht das nicht.“

Nun pendelt die „Kleinensiel“ also pausenlos von morgens bis spät abends, um alle Fahrzeuge über die Weser zu bekommen. Zusätzlich zu seiner achtköpfigen Stammmannschaft sind vier weitere Aushilfskräfte in drei Schichten im Einsatz. „Mehr geht nicht“, sagt Schultze. Und bleibt gelassen: „In ein paar Wochen redet keiner mehr über das Chaos.“

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Torsten Wewer Elsfleth / Redaktion Brake
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