Norderschwei Mancher Rentner steht vor dem Nichts, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Gerhard Roos dagegen ist wieder voller Tatendrang. Im März ist seine Frau gestorben, und seine Kinder waren schon vorher ausgezogen – alle 25.

Gerhard Roos und seine Frau Christel haben ein einzigartiges Leben geführt. 51 Jahre lang waren sie verheiratet; in dieser langen Zeit haben sie 3 leibliche und 22 angenommene Kinder großgezogen. Darunter waren 3 Adoptivkinder, 7 Kurzzeitpflegekinder und 12 Langzeitpflegekinder, von denen wiederum 7 schwerbehindert waren.

Weihnachten ist der gebürtige Hesse Gerhard Roos weder einsam noch allein. Heiligabend bekommt er Besuch von einem Pflegesohn, an den übrigen Tagen fährt er zu anderen Pflegekindern.

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Der härteste Bruch

„Der härteste Bruch war, als meine Frau starb“, schildert der frühere Pfarrer. Er benachrichtigte seine Kinder, und binnen kürzester Zeit waren fast alle da, um sich von der Mutter zu verabschieden und dem Vater beizustehen. Die Trauerfeier in der Schweier St.-Secundus-Kirche als großes Familienereignis zu beschreiben, wäre glatt untertrieben. Längst nicht alle Mitglieder der weit verzweigten Familie kannten einander, aber das schmälerte das Gefühl der Gemeinsamkeit und der besonderen Verbundenheit kein bisschen.

Gerhard Roos räumte die Kleidung seiner Frau aus dem Schrank und schenkte sie der Bethelschen Sammlung, anschließend verkaufte er das Wohnmobil, mit dem beide so gern unterwegs gewesen waren. Dabei achtete er nicht auf den Preis, sondern darauf, das Fahrzeug so schnell wie möglich loszuwerden. Dafür kaufte er einen 15 Jahre alten Wohnwagen, mit dem er jetzt unabhängig unterwegs sein kann.

Im Mai war Gerhard Roos soweit, dass er wieder aktiv werden wollte. Er hatte von dem Faltblatt gehört, mit dem die Gemeinde neue Ärzte für Stadland interessieren wollte, und er bot sich an, möglichst viele Exemplare in Kliniken zu verteilen. Erfolgreich war er aber nur in Varel und Sanderbusch, wo ihn die Ärzte wegen der Krankheit seiner Frau kannten.

Doch das verdross den 75-Jährigen nicht: Jetzt fahndet er täglich im Internet nach wechselwilligen Medizinern.

Eine andere Arbeit am Computer hat er auch wieder aufgenommen: Er schreibt seine unglaubliche Lebensgeschichte auf. Sie ist noch nicht fertig, hat aber schon einen Titel: „Liebe verbraucht sich nicht“.

Zur Veröffentlichung ist das nicht bestimmt. Wohl aber das zweite große Manuskript, an dem er schreibt: ein Roman. Er spielt zum Teil in der Wetterau, wo Gerhard Roos seine Kindheit verbracht hat. Hier ist er in einem oberhessischen Pfarrhaus aufgewachsen, in dem zunächst Großvater und dann sein Vater Pfarrer waren. Aus dem Fenster seines Kinderzimmers hatte er einen Blick auf die rauchenden Schornsteine des Kraftwerks Wölfersheim, das von 1931 bis 1991 Braunkohle aus dem Wetterauer Revier verfeuerte, die mit einer kleinen Bahn angeliefert wurde. Sein Vater war ein Freund des Kraftwerksleiters.

Die beiden anderen Erzählstränge behandeln die Geschichte der weiblichen Nachkommen einer mährischen Roma-Familie und drei Männer, die am Ende des Weltkriegs Opfer eines Panzerangriffs im Bayerischen Wald werden. Aus all dem will er eine dichte Geschichte weben.

Umzug in die Ortsmitte

Doch für einen Mann und seinen Computer ist das Haus mit den zehn Zimmern, das einst eine riesige Familie beherbergte, zu groß geworden. Deshalb will Gerhard Roos es verkaufen, aber in Schwei bleiben. Er freut sich darauf, in das große Mehrgenerationenhaus umziehen zu können, das in der Schweier Ortsmitte entstehen soll. Dort hat er wieder Mitbewohner, und der Weg zur Schweier Kirche ist nicht weit. Hier unterstützt Gerhard Roos im Kirchbauverein die Restaurierung der Münstermann-Schätze, indem er Konzerte organisiert, und er unterstützt seinen Kollegen Bernd Eichert im St.-Secundus-Gesprächskreis.

Gerhard Roos ist mit 75 ein Neuanfang gelungen.

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Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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