Schmierereien An Moschee
Islamische Gemeinde in Nordenham steht unter Schock

Fassungslosigkeit in Nordenham: Die Täter hatten auch Reste von Fleischprodukten vor die Moschee an der Walther-Rathenau-Straße geworfen. Unter den Mitgliedern der Gemeinde macht sich Angst breit.

Bild: Jens Milde
Nihat Cobam, Idris Aksüt und Tanser Oral (von links) von der Selimiye-Moschee an der Walther-Rathenau-Straße in Nordenham hoffen, dass die Urheber der Schmierereien schnell gefasst werden.Bild: Jens Milde
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An der frisch renovierten Fassade haben die Täter ihre Botschaft hinterlassen.Bild:
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Nordenham Die türkisch-islamische Gemeinde Nordenham steht unter Schock. Unbekannte Täter haben in der Nacht zu Montag die Selimiye-Moschee an der Walther-Rathenau-Straße beschmiert. „Moschee Nein Danke“ steht mit schwarzen Buchstaben auf der Fassade geschrieben. Die Außenwand des Gebetshauses und die Fenster sind mit einer roten Substanz beschmiert worden. Außerdem hatten die Unbekannten Reste von Fleischprodukten vor die Moschee geworfen.

Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Sie hofft auf Zeugenhinweise, um die Tat aufzuklären. Bei den Ermittlungen geht es in erster Linie um Sachbeschädigung. Weil ein politischer oder religiöser Hintergrund nicht ausgeschlossen werden kann, ist auch die Abteilung Staatsschutz der Polizeiinspektion in Delmenhorst an den Ermittlungen beteiligt. Zeugenhinweise nimmt die Polizei unter Telefon   04731/99810 entgegen.

Gerade erst renoviert

Es war der Sohn eines Gemeindemitglieds, der am Montagmorgen auf dem Weg zur Schule die Schweinerei entdeckte, berichtet Tanser Oral vom Vorstand der türkisch-islamischen Gemeinde. Und wie alle anderen Gemeindemitglieder ist auch er fassungslos. Die Fassade der Moschee sei gerade erst für einen fünfstelligen Betrag renoviert worden, sagt er. Ob die Versicherung den nun entstandenen Schaden abdeckt, müsse noch geklärt werden.

Tanser Oral ist am Montagmorgen extra von seiner jetzigen Arbeitsstelle in Hamburg zurück nach Nordenham gefahren, um sich den Schaden anzusehen und die Polizei bei ihren Ermittlungen zu unterstützen. Er geht davon aus, dass die Tat einen ausländerfeindlichen Hintergrund hat. Schon vor knapp drei Wochen war die Fassade der Moschee an der Walther-Rathenau-Straße ebenfalls von unbekannten Tätern mit ausländerfeindlichen Aufklebern verunstaltet worden. Damals waren diese Aufkleber im ganzen Stadtgebiet zu sehen. Sie klebten unter anderem an Laternenpfählen, Verkehrsschildern und Buswartehäuschen.

Kein Kinderstreich

Schlimmer noch als der materielle Schaden wiegt die Angst, die sich unter den Gemeindemitgliedern breit macht, sagt Tanser Oral. „Wir wissen schließlich nicht, wo das alles noch hinführt.“ Natürlich hofft er, dass die Polizei die Täter schnell erwischt. „Die Schmierereien sind definitiv kein Kinderstreich.“

Für Tanser Oral ist es naheliegend, dass die hitzige Debatte über die Flüchtlingspolitik und Ereignisse wie in Chemnitz eine Stimmung geschaffen haben, in der sich einige Menschen zu ausländerfeindlichen Straftaten ermutigt fühlen. Er ist davon überzeugt, dass es auch in Nordenham eine rechtsradikale Szene gibt, „obwohl das für viele ein Tabuthema ist.“

Solidarität für Nordenhamer Muslime in den sozialen Medien

Inwieweit das Engagement der Gemeinde für Flüchtlinge eine Rolle bei der Tat spielt, darüber könne er nur spekulieren. Tander Oral weist darauf hin, dass viele Flüchtlinge in die Moschee kommen. Außerdem unterstützen einzelne Gemeindemitglieder Flüchtlinge bei der Integration. Darüber hinaus habe sich die Gemeinde immer für Offenheit und ein friedliches Miteinander von Christen und Muslimen eingesetzt. In den vergangenen Jahren habe die Moschee immer wieder Besuch von Nordenhamer Schulen bekommen. Darüber hinaus lade die Moschee unter anderem einmal im Jahr zum Tag der offenen Tür ein, sagt das Vorstandsmitglied.

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