Nordenham Die Treppen zu ihrer Wohnung kann Birgit Gerdes nicht mehr hoch gehen. Sie kann den Anblick nicht ertragen, die Asche, die Trümmer, die verkohlten Möbel. Von dem, was bis zum vergangenen Sonntag noch ihr Zuhause war, ist so gut wie nichts übrig geblieben. Ein Feuer hatte am Abend ihre Wohnung zerstört. Die alleinerziehende Mutter ist verzweifelt. Und doch keimt auch neue Hoffnung auf. Ihre Freundinen haben eine Hilfsaktion ins Leben gerufen. Und die Resonanz ist bisher überwältigend.

In dem Haus an der Schillerstraße ist Birgit Gerdes aufgewachsen. Hier hat sie ihre Kindheit verbracht. Das Haus hat sie von ihrer Mutter geerbt. Im Obergeschoss wohnte Birgit Gerdes mit ihren beiden Kindern. Vier Zimmer, Küche, Bad. Fynn ist sechs Jahre alt und Lea 15. Birgit Gerdes erzählt von den dramatischen Ereignissen am Sonntagabend: „Fynn kam zu mir in die Stube. Mit verschlafenen Augen. ,Mama, mein Bett brennt’, sagte er.“ Birgit Gerdes versuchte, das Feuer zu löschen. Vergeblich. Sie wollte die Feuerwehr anrufen, aber hatte zunächst kein Netz. Irgendwann klappte es doch. Zwischenzeitlich hatten auch schon Nachbarn die Feuerwehr alarmiert.

Katze gerettet

Als die Brandretter eintrafen, war noch eine von zwei Katzen in der Wohnung. „Zum Glück konnte die Feuerwehr Maily retten“, sagt Birgit Gerdes. Eine Nacht verbrachte sie mit ihren Kindern in der Helios-Klinik. Wegen Rauchgasvergiftung. „Ich bin dankbar, wie liebevoll wir dort behandelt worden sind“, sagt die Mutter.

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Wie das Feuer entstanden ist, kann sich Birgit Gerdes nicht erklären. Sie schließt aus, dass ihr Sohn gezündelt hat und ärgert sich, dass es solche Gerüchte gibt. Sie habe kurz vor dem Brand noch ins Zimmer geschaut, sagt die Mutter. „Da hat Fynn tief und fest geschlafen.“

Dankbar ist Birgit Gerdes für die Hilfsbereitschaft, die ihr Hoffnung bei einem Neuanfang gibt. Die 41-Jährige, die als Reinigungskraft arbeitet, konnte mit ihren Kindern vorübergehend bei Nachbarn einziehen. Eine andere Nachbarin wäscht für sie die Wäsche. Ein weiterer Nachbar, hat sich um eine neue Bleibe für die Familie gekümmert. An diesem Samstag soll die neue Wohnung, die sich ebenfalls in der Schillerstraße befindet, eingerichtet werden.

Dass alles so schnell klappt, hat Birgit Gerdes vor allem ihren Freundinnen zu verdanken. Stephanie Köpke, Sarah Meyer und Nadine Moschik – sie ist die Patentante von Lea – haben ganz spontan eine Hilfsaktion ins Leben gerufen. Bei Facebook haben sie eine Gruppe gegründet. „Wir helfen Nordenhamer Brandopfern“ heißt sie. Inzwischen gibt es über 300 Mitglieder. Stephanie Köpke schätzt, dass rund 70 von ihnen Sachspenden zugesagt haben. Und vieles davon wollen sie heute anliefern: Schrankwände, eine komplette Küche mit Elektroherd, Couch und Couchtisch, Möbel fürs Bad, Lampen, Teppiche, Handtücher und vieles mehr.

Von einem anonymen Spender hat die Familie einen Einkaufsgutschein für Schuhe bekommen. Der Verein Kitten in Not hat sich um die Neu-Ausstattung für die beiden Katzen gekümmert. Noch immer kommen die Handys von Stephanie Köpke und Nadine Moschik nicht zur Ruhe. Ständig gehen neue Nachrichten von Menschen ein, die helfen wollen. Die beiden Frauen sind total überrascht davon.

Die Hilfe wird vor allem an diesem Sonnabend ab 10 Uhr an der Ecke Schillerstraße/Peterstraße benötigt Gebraucht werden fleißige Hände, Leute, die Möbel schleppen, Schränke zusammenbauen oder einen Elektro-Herd anschließen können.

Spielsachen und Kleider

Außerdem benötigt der sechsjährige Fynn noch Kleidung, Größe 122. Auch über neues Spielzeug würde er sich freuen. Das Feuer hat alle Spielsachen von Fynn zerstört. Wer etwas anzubieten hat, kann sich bei Stephanie Köpke (Telefon   0157/78 32 89 35) melden.

Immerhin sind wichtige Papiere und die Fotoalben von Birgit Gerdes erhalten geblieben. Ihre Freundinnen haben sie aus der Wohnung geholt. Am Freitag geht Nadine Moschik noch einmal hinein, weil Patenkind Lea ihren Tony vermisst. Tony ist ein Kuscheltier mit integrierter Wärmflasche. Nadine Moschik findet ihn tatsächlich noch in der Brandruine. Ein bisschen schmutzig, aber ansonsten unversehrt. „Den wasche ich dreimal richtig durch, dann ist er wieder wie neu“, sagt sie.

Jens Milde Nordenham / Redaktion Nordenham
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