Rodenkirchen Zu Anfang trugen sie Overalls mit der Aufschrift Raiffeisen-Warengenossenschaft. Dabei waren die Jungs gar bei der Genossenschaft, sondern bei der Jugendfeuerwehr. Aber es dauerte eben einige Zeit, bis die Uniformen endlich eingetroffen waren.

Doch die Begeisterung der jungen Leute für die Feuerwehr kühlte deshalb nicht ab, im Gegenteil: Geschichten wie die mit den Overalls werden heute noch gern erzählt, sie sind Stoff für Rodenkircher Legenden. 50 Jahre liegen diese Ereignisse jetzt zurück, und die 15 Jugendlichen von damals sind später alle in die aktive Wehr übergetreten.

28 Jahre im Amt

Genau darauf hatte Gerhard Rohde auch gesetzt, als er am 16. Juni 1967 die Jugendfeuerwehr Rodenkirchen gründete. Der heute 82-Jährige war damals einer der jüngsten Ortsbrandmeister in der Wesermarsch, insgesamt 28 Jahre übte er das Amt aus.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den Corona-Update-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Er selbst war nicht durch die Jugendwehr in die aktive Feuerwehr gekommen, sondern weil er in der Not anpackte, als Mitte der 50er Jahre an der heutigen Jahnstraße die Feueranzünderfabrik abbrannte. Gerhard Rohde ließ sich für den Dienst an der Spritze begeistern und trat am 1. April 1956 in die Wehr ein.

Anderen fiel dieser Schritt nicht so leicht, und deshalb gründete der Ortsbrandmeister zusammen mit seinem Stellvertreter Erwin Meyer gute zehn Jahre später die Jugendfeuerwehr. „Die Alterskameraden waren dagegen, aber die Gemeinde unterstützte das Vorhaben“, erzählt Gerhard Rohde.

Raum selbst eingerichtet

Weil das damalige Feuerwehrhaus zu klein war, zog die Jugendwehr zunächst in das Gebäude des Zivilschutzes, der gerade aus Rodenkirchen abgezogen worden war. Es musste komplett neu eingerichtet werden, von Tischen und Stühlen bis zu Aschenbechern. Um den Zusammenhalt zu fördern, lud Gerhard Rohde die jungen Leute auch gelegentlich in sein neues Haus an der Huntestraße ein, wo seine Frau Anneliese ihnen Braten auftischte.

Die erste große Aufgabe der jungen Leute war es, ein Osterfeuer zu organisieren. Zunächst brannte es in Absersiel, dann in Alserwurp, schließlich in Mittenfelde. Bis Mitte der 80er Jahre organisierten die Jugendlichen die Veranstaltung – mit einem Trecker und einem Anhänger waren sie vier Wochen lang unterwegs, um die Sträucher zu transportieren.

Als ihn sein Arbeitgeber, das Wasser- und Schifffahrtsamt, nach Bremen versetzte, konnte sich Gerhard Rohde nicht mehr um die Jugendlichen kümmern. Diese Aufgabe übernahm Hergen Scharks. 1975 trat Rohdes Sohn Jürgen als Elfjähriger in die Jugendwehr ein, gerade rechtzeitig, um am großen Kreiszeltlager auf der Strohauser Plate teilzunehmen. „Das war noch nicht so durchorganisiert wie heute“, erinnert sich Jürgen Rohde schmunzelnd. Auch seine Brüder Harald und Detlef traten ein.

Mit großer Hochachtung spricht Jürgen Rohde vom früheren Kreisbrandmeister Werner Zirk. Der Elsflether war vor etwa 50 Jahren Kreisjugendfeuerwehrwart und stieß viele Gründungen von Jugendfeuerwehren an. Rodenkirchen war die neunte in der Wesermarsch, insgesamt gibt es im Kreis heute 21.

Später übernahm Jürgen Rohde zusammen mit Siegmar Wollgam und Ulrich Hahn die Leitung der Jugendfeuerwehr. Höhepunkte waren die Landesjugendzeltlager im Harz, die alle drei Jahre stattfinden, und die Auslandsfahrten nach Österreich, England und Dänemark. Wie alle anderen Jugendwehren auch nahm die Rodenkircher an Wettbewerben teil. 1983 waren sie beim Wettbewerb auf Bezirksebene Zweiter nach Jade – der größte Erfolg.

Die erste Feuerwehrfrau

1989 trat Gesche Hartmann als erste Frau in die Jugendwehr ein, später war sie die erste Frau in der aktiven Wehr und die erste Jugendwartin. Jetzt ist Fenja Rohde Jugendwartin; sie ist die Enkelin von Gerhard Rohde. „Frauen sind heute voll akzeptiert, es gibt keine dummen Sprüche“, sagt die 22-jährige Bankkauffrau. „In der aktiven Wehr haben wir aufgehört, die Frauen zu zählen“, sagt ihr Vater, der selbst auch Ortsbrandmeister war. „Sie machen die gleiche Arbeit wie die Männer.“

Fenja Rohde gefällt an der Jugendwehr vor allem, dass hier Kinder und Jugendliche von 10 bis 18 Jahren gemeinsam etwas miteinander unternehmen: „Das gibt es sonst nirgendwo.“ Und selbstverständlich gefällt ihr, dass praktisch ihre ganze Familie in der Feuerwehr ist: der Großvater, dessen drei Söhne sowie sechs Enkelinnen und Enkel.

Der Blaulichtblog für den Nordwesten

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.