Fedderwardersiel Orangefarbene Rauchschwaden eines Seenotsignals ziehen über das Wasser im Kutterhafenbecken. Einige Meter entfernt treibt ein Mann, der in einem roten Thermoanzug steckt. Das Team der Seenotretter demonstriert den zahlreichen Zuschauern, wie ein Schiffbrüchiger aus dem Wasser gezogen und in Sicherheit gebracht wird. Zügig und routiniert bergen sie den Mann, der zu Übungszwecken ins kühle Hafenwasser gesprungen war.

Diese Einsatzübung war am Sonnabend nur ein Höhepunkt am zweiten Tag der Kutterregatta. Die Hauptattraktion war selbstverständlich die Regatta selbst.

Sechs Kutter sind am Start, auch diesmal ist die „Apollo“ aus Wremen wieder dabei. Und tatsächlich endet die Wettfahrt mit dem Triumph des Seriensiegers Söhnke Thaden: In 12 Minuten und 10 Sekunden erobert seine „Christine“ das blaue Band zurück, das ihm Dirk Ostendorf im vergangenen Jahr mit seiner „Seestern“ abgejagt hatte. Nach gezogener Zeit gewinnt die „Harmonie“. Der Kutter von Martin Sievers kommt mit 14 Minuten und 21 Sekunden den gezogenen 16 Minuten und 49 Sekunden am nächsten.

Doch auch an Land wird es nicht langweilig: Kinder drehen in den beiden aufgestellten Karussells Runde um Runde, Familien schlängeln sich zwischen Crêpe-Stand, Backfischbude und Co und betrachten die Auslagen der Händler und Flohmarktstände. Der zum Museum umgebaute Rettungsschuppen, in dem das ehemalige Motorrettungsboot „Wilhelmine Wiese“ ausgestellt ist, hat geöffnet und lockt ununterbrochen Interessierte an. Etwas Ruhe und vor allem Schatten gewährt das große Zelt bei einer Tasse Kaffee.

Das Wetter ist nämlich der heimliche Star an diesem Sonnabend. Egal, mit wem man spricht: Alle loben den Sonnenschein und den strahlend blauen Himmel, der sich mit einzelnen dekorativen Wölkchen geschmückt hat. „Wir genießen die entspannte Stimmung und das leckere Essen“, erzählt Jutta Hagemann (58), die an einem der Holztische sitzt und sich ihren Backfisch schmecken lässt. Die 56-jährige Karin Wenke, die neben ihr sitzt, ergänzt: „Das passt hier alles wunderbar zusammen: Sonne, Wind, Schiffe und schöne Musik. Allerdings könnte es für mich etwas weniger Kirmes und dafür noch etwas mehr maritimes Flair sein.“

Die beiden Freundinnen, die in Geldern am Niederrhein leben, verbringen ein spontanes Wochenende in Butjadingen. Nachdem sie aufgegessen haben, schlendern sie zur „Hermann Rudolf Meyer“ hinüber, dem Seenotrettungskreuzer, der am Kai festgemacht hat. Der lässt heute nämlich Besucher an Board und informiert über die Arbeit der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS).

„Eigentlich wollten wir schon viel früher hier sein“, berichtet Torsten Möllenberg, der Vormann des Rettungsschiffes. Doch dann kam ein Einsatz dazwischen: „Ein holländisches Motorboot hatte sich festgefahren. Da mussten wir los. Angefasst haben wir das Schiff nicht, da eh auflaufendes Wasser herrschte, aber Mutmachen war hier in erster Linie gefragt.“ In der Einsatz-Statistik wird dieser Fall nicht auftauchen, da lediglich „echte“ Einsätze gezählt werden.

Der Vormann, der das halbe Jahr auf dem engen Schiff verbringt, lobt seine Crew, die aus hauptamtlichen und freiwilligen Mitarbeitern besteht. An Nachwuchs mangelt es nicht. „Allerdings sind Maschinisten rar“, berichtete der Seebär mit den langen Haaren und stahlblauen Augen weiter.

Nach ihrem Rundgang durch die „Hermann Rudolf Meyer“ beschließen Jutta Hagemann und Karin Wenke auf „Große Fahrt“ zu gehen. Die Krabbenkutter bieten heute nämlich Ausfahrten an und das wollen sich die Freundinnen nicht entgehen lassen. Auf dem Weg ums Hafenbecken herum bleiben sie jedoch erst einmal stehen, um sich einen der vier Shanty-Chöre anzuhören, die sich auf der Deichtribüne aufgestellt haben und den Fedderwardersieler Kutterhafen mit ihren Seemannsliedern unterhalten. Um die 90 Sänger sind insgesamt angereist. Während des Auftritts genießen sie den Blick auf den Sielhafen.

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