Brake Die Polizei war einfach schneller. Zwei Berufswünsche hatte der junge Knut Matthiesen nach seinem Abitur in Brake: Seemann oder Polizist. Weil die Ordnungshüter Mitte der 1970er-Jahre erheblichen Personalbedarf hatte, waren nicht einmal die langen Haare ein Einstellungshindernis. Und so schlug ein junger Braker sofort zu, als ihm die Möglichkeit geboten wurde, bei der Kriminalpolizei anzufangen. Das war seinerzeit noch direkt möglich. Anfang Mai 1977 begann er seine Laufbahn an der Landespolizeischule Niedersachsen in Hann. Münden. Was ihn antrieb? „Mein Gerechtigkeitsempfinden“, sagt er mehr als 40 Jahre später. „Ein kleines Helfersyndrom haben wohl alle Polizeibeamten.“

Von der Polizeischule in Hann. Münden ging es für Knut Matthiesen über die Stationen Oldenburg und Delmenhorst als junger Kommissar 1981 nach Lüchow. Als einzig Unverheirateter war ein Wegzug aus seiner Heimatstadt für ihn kein Problem. Und fast wäre der gebürtige Braker auch in Ostniedersachsen hängen geblieben. Doch dann wurde in der Wesermarsch eine ganz neue Dienststelle geschaffen. Mit einem 35-jährigen Leiter, einem 40-jährigen Kollegen und sonst nur 30-Jährigen hatte die Truppe polizeiintern schnell einen Namen weg: „Kinderpolizei“. Zwei Polizeireformen und mehrere Wechsel von Zugehörigkeiten und Dienststellen später wurde Knut Matthiesen schließlich das, was er bis zu seiner Pensionierung am gestrigen Donnerstag bleiben sollte: Leiter des Kriminal- und Ermittlungsdienstes beim Polizeikommissariat Brake.

Spätestens damit war aber auch die aktive Tatortarbeit vorbei. Von nun an standen Dienst und Fachaufsicht im Vordergrund der Arbeit des Kriminalhauptkommissars. Zwischenzeitlich war der heute 62-Jährige – längst verheiratet, Vater und Großvater – auch als Bachelor-Prüfer und Lehrbeauftragter tätig.

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Jede Menge Wandel hat der Kriminalpolizist dabei erlebt – nicht nur den von der Schreibmaschine zum Computer. Dabei habe die alte Papierablage durchaus ihre Vorteile gehabt, meint er über Zeiten, in denen der Datenschutz noch nicht über allem schwebte.

Auch die Art des Ermittelns habe sich geändert: „Heute sitzt man mehr im Büro.“ Dabei habe er die Tatortarbeit und das Klinkenputzen immer besonders gern gemacht. Heute seien gewaltige Datenmengen zu bewältigen – auch weil die Art der Kriminalität eine andere geworden sei und viele Taten in die Anonymität des Internets gewandert seien. Und weil es nun einmal Tatortstatistiken gebe, tauchten solche Fälle oft nicht einmal in den Zahlen auf.

Die „absoluten Hammerfälle“ waren es seltener, die Matthiesen beschäftigten, eher die Massenkriminalität. Und doch dürfte er „200, 300 Leichen gesehen“ haben. Längst nicht alles Opfer von Straftaten, bei unklarer Sachlage ist aber die Polizei gefragt.

Ein Fall aus dem Jahr 1995 fällt dann aber doch aus dem Rahmen: Auf einem Schiff unter deutscher Flagge hatte es einen Doppelmord gegeben. Schnell waren zwei Verdächtige ausgemacht, doch Bundeskriminalamt und Landeskriminalamt setzten auch zwei Tatortgruppen nach Afrika in Marsch – mit dabei: Knut Matthiesen. Der Polizeivizepräsident der Polizeidirektion Oldenburg, Bernd Deutschmann, erinnerte bei der Feier in Wiechmanns Weserhotel an diesen Kriminalfall im Dezember 1995. Drei Tage lang ermittelte Knut Matthiesen an der Elfenbeinküste. Das wäre sicherlich ein Highlight seiner Dienstzeit gewesen, merkte Bernd Deutschmann an. „Mit dem letzten Flugzeug waren wir rechtzeitig zum Weihnachtsfest zurück“, so Knut Matthiesen.

Auch wenn durch die derzeitige Pensionierungswelle der Polizei viel Erfahrung verloren gehe, ist dem „alten Hasen“ für die Zukunft alles andere als angst und bange: „Das Jungvolk ist hoch motiviert.“ Und noch etwas trägt diese Zuversicht: der ständig steigende Anteil an Frauen im Polizeidienst.

Knut Matthiesen sieht aber auch noch Luft nach oben: „Die Verfahren dauern viel zu lange, gerade auch im Jugendbereich.“ Polizei, vor allem aber der Staatsanwaltschaft fehle einfach das nötige Personal. Hier müsse nachgebessert werden.

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Markus Minten Leitung / Lokalredaktion
Ulrich Schlüter Elsfleth / Redaktion Brake
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