NORDENHAM NORDENHAM - Die Prognosen ließen für die US-amerikanische Golfküste Schlimmes befürchten. Der Wirbelsturm „Katrina“ raste mit Böen von bis zu 280 Stundenkilometern auf das Festland zu. Gebannt verfolgten Georg Laverenz und Hannelore Huber in Abbehauser Wehl die Nachrichten. Als das Zentrum des Hurrikans am 29. August 2005 zwischen den Städten Gulfport und Biloxi auf die Küste traf, machten sich die beiden große Sorgen.

Fünf Geschwister von Georg Laverenz leben im Katastrophengebiet. „Wir waren sehr bestürzt“, erinnert sich der 69-Jährige. Er habe damals sofort versucht, mit den Verwandten Kontakt aufzunehmen. Doch die Telefonleitungen waren allesamt defekt. Auch seine Schwester in Georgia wartete lange Zeit vergeblich auf Lebenszeichen. „Erst 14 Tage nach dem verheerenden tropischen Wirbelsturm hatten wir die Gewissheit, dass alle wohlauf sind“, sagt Georg Laverenz.

In einem Bildband, den ihm jetzt sein Bruder Robert Smith geschickt hat, sind Fotos zu sehen, die die Stadt Biloxi vor und nach der Katastrophe zeigen. Georg Laverenz blättert in der Hochglanzbroschüre und entdeckt vertraute Plätze. Dass sich im Strandviertel früher das Seafood-Restaurant befand, in dem auch Georg Laverenz und Hannelore Huber speisten, bezeugt nur noch das Betonfundament. Ein anderes Foto zeigt das „Marine Life“, eine Attraktion mit Delphin- und Seehundschau. Die Überreste der Kuppelkonstruktionen sind ineinander verkeilt: Holz, Stahl und Steine hat eine unfassbare Gewalt zerbrochen, verbogen und zusammengeschoben. „Die Delphine und Seelöwen schwammen nach der Katastrophe im Wasser. Sie wurden Tage später alle wieder eingefangen“, weiß der Abbehauser.

Den Küstenbereich hat „Katrina“ verwüstet, den meisten Menschen die Existenzgrundlage genommen. Doch nicht die Sturmflut, sondern der starke Regen hat das Haus von Robert Smith ruiniert. Das Wasser konnte nicht ablaufen. „Es stand mehrere Meter hoch im Gebäude“, berichtet Georg Laverenz. Er habe den Verwandten sofort seine Hilfe angeboten, die diese jedoch ablehnten. So unterstützte er sie finanziell.

Es gehe nun wieder aufwärts in Biloxi, erzählt Georg Laverenz. Die Menschen seien wie seine Geschwister wieder damit beschäftigt, ihre Häuser und Geschäfte aufzubauen. Als Autohändler sei sein Bruder Robert zurzeit sehr erfolgreich. Die Gebrauchtwagen, die er teilweise in 700 Kilometer entfernten Städten kauft, sind nämlich in Biloxi schnell an den Mann gebracht.

Georg Laverenz ist 1937 in Seefelderaußendeich geboren worden. Als seine Mutter Wilma 1947 einen amerikanischen Soldaten kennen lernte, diesen 1948 heiratete und mit ihm 1949 in die USAauswanderte, blieb der Junge bei seinen Großeltern. „Ich wollte nicht mit“, sagt er. 1973 reiste er das erste Mal in die USA. Die enge Verbindung zu seiner amerikanischen Verwandtschaft riss auch nach dem Tod seiner Mutter nicht ab.

Im Juli und August bekommen Hannelore Huber und Georg Laverenz Besuch aus den USA. Im Herbst 2007 wollen sie dann nach Biloxi reisen. Und vielleicht können sie dann schon wieder im Seafood-Restaurant einkehren.

viele Wirbelstürme wüten im golf von mexiko

Der Hurrikan „Katrina“ war nach 1947 und 1969 der dritte Wirbelsturm, der die Stadt Biloxi verwüstete. Er war zunächst als Hurrikan der höchst möglichen Kategorie 5 geführt, später abgestuft worden. In der neueren Geschichte der USA gibt es nur drei Stürme der Kategorie 5, die an Land gingen: Der „Labor Day Hurricane“ 1935, „Camille“ 1969 und „Andrew“ 1992. „Camille“ hatte das Haus von Wilma Laverenz-Smith vernichtet.

Ulrich Schlüter Elsfleth / Redaktion Brake
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