Seefeld Marc und Tina Basshusen haben sich an der Von-Aldenburg-Straße in Seefeld ein Energiesparhaus aus Holz gebaut. „Aber die Energie, die wir damit sparen, verfahren wir zurzeit mit unseren Autos“, schimpft Marc Basshusen. Denn einer von ihnen muss jeden Tag ihren Sohn Karl von der Grundschule Seefeld zum Hort in Schwei fahren. Dabei verkehrt gleichzeitig auf der Strecke ein Schulbus.

Aber in dem Schulbus darf Karl nicht mitfahren. Aus versicherungsrechtlichen Gründen, wie die Kreisverwaltung den Eltern mit einem Schreiben vom 20. September mitteilte. Zu diesem Zeitpunkt hatte Karl schon seit Schuljahresbeginn Anfang August eine Monatskarte für den Schulbus und fuhr von montags bis freitags mit den Erst- und Zweitklässlern aus Seefeld nach Schwei.

Viermal nach Bremen

Seitdem müssen die Eltern, die beide in Vollzeit arbeiten – sie an der Helios-Klinik in Nordenham, er in Bremen – ihren Sohn in der Mittagspause nach Schwei fahren. Tina Basshusen fährt durchschnittlich zweimal die Woche, Marc Basshusen dreimal, was bedeutet, dass er an diesen Tagen viermal die Strecke Seefeld/Bremen zurücklegen muss. „Ich bin müde, kaputt und verheize zu viel Sprit“, sagt Marc Basshusen.

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Dabei ist Tina Basshusen schon seit Monaten mit den zuständigen Behörden in Kontakt, „die Behörden aber offensichtlich untereinander nicht“, wie sie sagt. „Keiner fühlt sich für uns zuständig.“

Karl ist seelisch behindert oder, wie es offiziell heißt, in seiner emotionalen und sozialen Entwicklung (ESE) beeinträchtigt. Deshalb hatte sich Tina Basshusen schon zu Beginn des vergangenen Schuljahres um eine Förderschule für ihn bemüht. Damals besuchte Karl den Kindergarten in Schwei, weil der, anders als der Kindergarten in Seefeld, eine integrative Gruppe anbietet. Dort fühlte sich Karl nach Auskunft seiner Eltern sehr wohl.

Als passende Förderschule machte Tina Basshusen, die wie ihr Mann 37 Jahre alt ist, die Von-Aldenburg-Schule in Varel aus – nicht wegen der Namensgleichheit mit ihrer Straße, sondern weil sie sich auf ESE-Kinder spezialisiert hat. Dort gibt es auch eine Tagesgruppe, so dass die Betreuung nach dem Unterricht sichergestellt gewesen wäre.

Ein Fachgutachten vom Februar dieses Jahres bestätigte den sonderpädagogischen Förderbedarf des Jungen. Daraufhin beantragte Tina Basshusen bei der wirtschaftlichen Jugendhilfe der Kreisverwaltung den Schulbesuch in Varel samt Transport. Dabei unterlief ihr ein Formfehler, der ihrer Darstellung zufolge aber mit dem zuständigen Sachbearbeiter abgesprochen gewesen war. Das akzeptierte die Sozialarbeiterin im Jugendamt des Kreises aber nicht: Es seien falsche Anträge gestellt worden, sagte sie Tina Basshusen.

Deshalb musste Tina Basshusen wenige Tage vor Schuljahresbeginn eine ganz neue Marschroute einschlagen: Sie meldete ihren Sohn bei der Grundschule Seefeld an, wo ihm eine Schulbegleiterin zur Seite gestellt wurde. Marc Basshusen erinnerte sich seines guten Kontaktes zur früheren Schweier Kindergarten-Leiterin Heike Woltmann-Mehrens und suchte sie an ihrem ersten Arbeitstag als Qualitätsbeauftragte für die Stadlander Kindergärten im Rodenkircher Rathaus auf. Sie empfahl den Schweier Hort, einen Tag später war die Anmeldung perfekt.

Umso größer war das Entsetzen nach dem Brief vom 20. September mit der sofortigen Kündigung. Am Sonntag darauf schrieb Tina Basshusen eine verärgerte E-Mail an die Kreisverwaltung: „Sind dabei nicht gewisse Fristen einzuhalten? Wie soll es mir so kurzfristig möglich sein, eine Lösung zu finden, wenn schon am Freitag (wie so oft) beim Landkreis keine zuständige Person ausfindig zu machen ist, weil diese entweder krank, im Urlaub, nicht zuständig oder eben einfach nicht da ist?“

Taxi zu teuer

An dieser Situation hat sich nichts geändert, seit viereinhalb Wochen nicht. Tina Basshusen strapaziert das Wohlwollen ihres Arbeitgebers, verlängert die Mittagspause und telefoniert viel an ihrem Arbeitsplatz. Und auch der Ex-Soldat Marc Basshusen, der in Bremen an einer Fortbildung zur Fachkraft Schutz und Sicherheit teilnimmt, muss vor- und nacharbeiten.

„Die Kosten sind nicht das Problem“, sagt Tina Basshusen, beide verdienen gut. Kurz erwogen sie, einem Taxiunternehmen einen Dauerauftrag zu geben. „Aber 15 Euro für eine Taxifahrt pro Tag sind auch uns zu viel.“

Bürgermeister Klaus Rübesamen sagte seine Unterstützung zu und verwies darauf, dass ab Dezember ein VBW-Linienbus als Schulbus eingesetzt wird. Den könnte Karl mit einer Monatskarte nutzen. Aber unter den jetzigen Bedingungen ist für Familie Basshusen jede Woche endlos lang und stressig.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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