Sehestedt Am Strand in Sehestedt stand am Wochenende die erste Wattwanderung auf dem Zettel – leider aber mit nur geringem Zulauf. Dabei gab der Biologe Rüdiger von Lemm, Leiter der Erlebnisstation und geprüfter Wattführer, sein Fachwissen weiter.

Interessiert zeigte sich die Praktikantin der Station, Sophie Wiggenhauser: Für die Schwarzwälderin ist das Watterlebnis etwas Neues. Von der Touristik Gemeinschaft Wesermarsch war auch die Projektmanagerin Inola Hofrichter dabei. Die gebürtige Schleswig-Holsteinerin kennt die Nordsee, auch von ihrer jährlichen Tour über dem Meeresboden von Amrum nach Föhr. Jedes Watt weise seine Eigenart vor, wie die junge Frau feststellte.

Vor der Tour erklärte Rüdiger von Lemm, dass alle Wattführer für Gefahren gewappnet sind und ein GPS-Gerät dabei haben. Fehlen dürfe nicht der Kompass und ein 30 Meter langes Seil: „So kann bei Gefahr keiner verloren gehen,“ so Rüdiger von Lemm., der außerdem Mobiltelefon, Fernglas Notsignalmittel, Rettungsdecke, Verbandstasche, Taschenmesser, Schere und Trillerpfeife im Rucksack dabei hat. Unverzichtbar ist die wasserfeste Armbanduhr, die jeweilige Uhrzeit zu den Gezeiten müssen die Wattführer immer im Kopf haben.

Die Sicherheit beim Wattwandern ist immer oberstes Gebot. Rüdiger von Lemm meidet tiefe Priele mit dem vorhandenen Schlick. Für den eigenen Schutz vor scharfen Muschelkanten und Gestein, sollten die Wanderer festes Schuhwerk anziehen. Gummistiefel, die sich festsaugen im Schlick, nützen nichts.

Im Watt fallen gleich die undefinierbaren Spuren auf. Rüdiger von Lemm: „ Sie lassen die große Artenvielfalt und hohe Produktivität des Watts erahnen.“ Kleine Löcher mit sternförmigen Ausläufern deuten auf Seeringelwürmer hin. Charakteristisch sind auch die Spaghetti-Häufchen des 20 bis 40 Zentimeter langen Pierwurms, die er hinterlässt, wenn er die Nährstoffe aus dem Watt verdaut hat und kunstvoll ausscheidet.

Mit der Grabgabel legt der Wattführer die im Watt verborgenen Muscheln frei. In zehn Zentimetern Tiefe eingegraben lebt die Pfeffermuschel. Ihre Versorgungsröhren reichen bis über die Wattoberfläche und so kann sie sich mit Nahrung und Sauerstoff aus dem Wasser versorgen ohne von den Vögeln sofort gefunden zu werden. Der Biologe: „Die kleinere Herzmuschel ist die häufigste Art im Schlickwatt von Sehestedt.“ Sie lebt wenige Zentimeter unter der Wattoberfläche. An ihre leeren Schalen heftet sich häufig die vielen Besuchern bekannte Miesmuschel, die ihre Fäden mit einem sehr effektiven Unterwasserklebstoff an festen Oberflächen befestigt. Zu den größten in Sehestedt zu entdeckenden Muscheln gehören die eingewanderte Pazifische Auster und die Sandklaffmuschel. Man muss schon genau hinschauen, um die nur wenige Millimeter große Wattschnecke auf der Wattoberfläche zu entdecken. Bis zu 50000 Exemplare dieser Art können auf einem Quadratmeter Watt gefunden werden. Sie gilt als schnellste Schnecke der Welt, weil sie sich an die Wasseroberfläche anheften kann und so, wenn die Flut kommt, große Strecken „surfend“ zurücklegen kann. Immer wieder lassen sich in den Wattpfützen auch kleine Exemplare von Strandkrabben finden, die durch ihre Seitwärtsbewegung auf sich aufmerksam machen. Auf Plattdeutsch heißen sie deshalb auch „Dwarslöper“.

Die nächsten Wattwanderungen in Sehestedt finden am 3. Juli (16 Uhr), 10. Juli (10 Uhr), am 17. Juli (15 Uhr), am 25. Juli (11 Uhr) und am 31. Juli (15 Uhr) statt. Treffpunkt ist jeweils die Nationalpark-Station in Sehestedt. Infos gibt es unter Telefon  04455/1458 oder im Internet


     www.ruhigundgemuetlich.de 
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