BERNE Braucht Berne eine Gesamtschule? Nicht nur das. Die gesamte Wesermarsch müsse achtgeben, schulpolitisch nicht den Anschluss zu verlieren. Das sagte Jürgen Janssen, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen im Kreistag, während einer Diskussionsveranstaltung in der Berner Kulturmühle. „In den Landkreisen um uns herum wuselt es, da gibt es Elterninitiativen. Nur hier ruht still der See.“ Dabei seien die Schulstandorte durch den demografischen Wandel in Gefahr.

Für Diedrich Smidt, Rektor der IGS Helene-Lange-Schule in Oldenburg, ist nicht nur der demografische Wandel Grund für die Schulform. „Auf einer IGS werden Kinder besonders gefördert“, erklärte er. „Alle Abschlüsse bleiben möglich. Die Schüler wechseln bei einer Leistungsverschlechterung nicht die Schule, sondern bleiben von der fünften bis zur zehnten Klasse zusammen.“ Kaum ein Jugendlicher verlasse die Schule ohne Abschluss. Gelernt werde in Tischgruppen, die mit schulisch leistungsstarken und schwächeren Kindern gemischt werden. „Das ist natürlich auch eine hohe Anforderung an die Lehrkräfte“ sagte er. Ein Problem sei, dass Haupt- und Realschüler der IGS oft schlechtere Noten hätten als an Regelschulen. „Dafür sind sie durch den Praxisunterricht besser auf den Job vorbereitet. Das ist auch bei den Arbeitgebern angekommen“, so Smidt.

Bürokratische Hürden

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Ina Korter, schulpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, kritisierte die hohen Anforderungen, die vom Land für die Neugründung einer IGS gestellt würden. So muss die Schule eine Fünfzügigkeit auf viele Jahre im voraus garantieren können. „Die bürokratischen Hürden sind hoch. Doch ich erwarte im Landtag schon in den nächsten Monaten die Entscheidung, sie zu senken“, sagte Korter. „Die Schulformen hier im ländlichen Gebiet sind bedroht. Eltern wollen für ihre Kinder aber immer die beste Schulform. Deshalb ist die IGS eine gute Lösung“, erklärte sie. Man lege die Kinder nicht zu früh fest, es werde gemeinsam gelernt. „Das ist besonders für Jungen, die ja manchmal Spätzünder sind, wichtig“, so Korter.

Vorteil für Kommunen

Dieter Knutz, Bezirksvorsteher der GEW Weser-Ems, sieht mit der Neugründung einer IGS auch Chancen für die Kommunen. „Es macht einen Wohnort für junge Familien attraktiv, wenn man viele Schulformen anbieten kann“ sagte er. In den Schulen in der Wesermarsch wachse bereits die Unruhe. „Die Kollegen fragen sich, was aus ihren Schulen wird.“ Möglich sei die Gründung einer IGS auch landkreisübergreifend, zum Beispiel gemeinsam mit Hude und einer Außenstelle in Berne, schlug Korter vor.

Bei den Zuhörern im eher kleinen Publikum kamen diese Ideen gut an. „Aber wie überredet man Eltern, deren Kinder eine Gymnasialempfehlung haben, diese auf eine IGS zu schicken“, lautete eine Frage. Für Diedrich Smidt einfach zu beantworten. „Es ist die Frage, wie die Kinder aus der Schule wieder herauskommen.

Elterninitiative gefordert

Durch die Notenvergabe von Anfang an wird früh Druck aufgebaut. Das ist bei uns anders. Wichtig ist auch die soziale Kompetenz der Schüler, die bei uns durch die Gruppenarbeit und die Integration von körperlich gehandicapten Kindern gefördert wird.“ Und die Lehrer? „Die finden meiner Erfahrung nach die Arbeit in einer IGS angenehmer, wie ich auch“, so Smidt. Um eine IGS in der Wesermarsch zu bekomme, brauche es nun Elterninitiative. „Und die Schulträger müssen es wollen“, resümierte Janssen nach der Diskussion.

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