ESENSHAMM Der Pastor, der Arzt, der Bürgermeister, der Lehrer – einst die vier Honoratioren eines jeden Dorfes. Den letzten Arzt, so erinnert sich Vize-Bürgermeisterin Angelika Zöllner an Erzählungen, gab es in Esenshamm weit vor dem Zweiten Weltkrieg. Einen Bürgermeister hat das Dorf seit der Gemeindegebietsreform 1974 nicht mehr. Und jetzt sagt auch „der“ Lehrer adieu.

Immer improvisiert

Mit einem Gottesdienst und einem geselligen Beisammensein nahm am Sonnabendnachmittag die Schule Abschied vom Dorf. Zwar kullerten keine Tränen, aber es floss viel Herzblut: „Unsere Schule hat immer von Improvisationen gelebt. Dies zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte“, nahm Schulleiterin Evelyn Dannheim-Sausner im vollen Gotteshaus Abschied. „Diese Gemeinsamkeit machte uns stark, und wir haben immer nach vorne geblickt.“

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Nicht anders sei zu erklären, weshalb das Zusammenwachsen der Grundschulen Esenshamm und Abbehausen und die Schließung des Schulstandortes Esenshamm jetzt auch ohne jeden Zwist und Ärger geschehe.

Gemeinsam mit den Schülern packte dann eine treue Seele der Gemeinde, Pastor Volkmar Janke, symbolisch den Koffer für die Abreise. Erfahrungen und Gelerntes kamen hinein, Andenken und Anekdoten, die Lehrerin, viele Freunde und natürlich auch Spielzeug. Als ein Dreikäsehoch nun aber auch noch die Kirche hineinlegen wollte, widersprach Pastorin Bettina Roth spontan: „Die Kirche bleibt im Dorf!“

Der Koffer – ein Zeichen für den Abschied von einer Schule, die auf eine lange Geschichte zurückblicken kann und immer ein Stück des Dorfes selbst war: Die Angaben in der Chronik seien widersprüchlich, gestand Schulleiterin Dannheim-Sausner. Die einen sprächen von einer Gründung im Jahr 1563 – dann hätte die GS Esenshamm im nächsten Jahr 450. Geburtstag feiern können. Die anderen gingen von 1593 aus – immerhin auch schon 419 Jahre her. Ihre stärkste Zeit hatte die Schule Anfang der Fünfziger: 206 Schüler wurden damals hier in nur drei Räumen unterrichtet, 69 Kinder also pro Klasse. Zu dieser Zeit entstand auch das jetzige Schulgebäude, das demnächst zu einem Dialysezentrum umgebaut werden soll.

„Tolle Kinder, hilfsbereit und fröhlich, um euch brauche ich mir keine Sorgen zu machen. Ihr schafft das schon!“ lobte Evelyn Dannheim-Sausner. Seit 15 Jahren übrigens leitet sie die Grundschule Esenshamm, und sie ist damit wohl auch die Schulleiterin, die in der langen Schulgeschichte hier am längsten die Verantwortung trug. Lob aber gab es auch für die Eltern, Lehrer und Helfer: „Ohne Sie wäre unsere Schule nicht so geworden, wie sie ist.“

Kein Trauerzug

Nach dem Gottesdienst zogen Schüler, Eltern und Freunde in einem Umzug lautstark mit Martinshorn der Feuerwehr durch die Straßen des Dorfes und sagten „tschüss!“ Es war kein Trauerzug – aber trotzdem tat es allen gehörig weh.

Eine Dialyse-Praxis zieht in die Esenshammer Schule ein. Vermutlich zum Jahresende wollen die drei Betreiber Dr. Sabine Biernat, Manfred Küster und Dr. Stephan Hüls den Betrieb eröffnen.

Zwei Praxen mit insgesamt rund 40 Mitarbeiterin betreiben die drei Ärzte schon: im St.-Johannes-Hospital in Varel und in Sande.

Viele Patienten aus der nördlichen Wesermarsch besuchen für die Blutwäsche bislang die Praxis in Varel. Sie haben bald einen kürzeren Weg.

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