Nordenham Alles, was in der amerikanischen Musikszene Rang und Namen hatte, versammelte sich 1985, um einen Song aufzunehmen. „We Are The World“ hieß er. Es ging darum, Geld für die Opfer einer Hungersnot in Äthiopien zu sammeln. Die Schülervertretung des Nordenhamer Gymnasiums verfolgt mit dem Song ein anderes Ziel. Sie will ein Zeichen gegen Diskriminierung, vor allem gegen Rassismus, setzen. Deshalb hat sie ein Video gedreht, in dem Schüler und Lehrer das Lied singen. Am Donnerstag wurde es in der großen Pause zum ersten Mal gezeigt. Eine gelungene Premiere, für die es viel Applaus gab.

Projekte wie dieses könnte es in den kommenden Jahren häufiger geben. Das Gymnasium darf sich jetzt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ nennen. Diesen Titel verleiht der Verein Aktion Courage an Schulen, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Eine Bedingung ist, dass mindestens 70 Prozent der Schüler und des Personals mit ihrer Unterschrift dafür einstehen, dass sie sich gegen Rassismus wenden. Diese Quote hat das Gymnasium erreicht. Dass es keine 100 Prozent geworden sind, hatte nach den Worten des Schülersprechers Daniel Eppler eher organisatorische Gründe.

Anschläge und Terror

Daniel Eppler war es auch, der die Idee zu dem Projekt hatte und sie gemeinsam mit Finn Lankenau, der ebenfalls der Schülervertretung angehört, auf den Weg brachte. Unterstützung bekam die SV von den Lehrern Elmar Stamm und Annette Grunwald. Daniel Eppler geht es darum, ein Zeichen zu setzen. Anlass dafür seien Anschläge auf Flüchtlingsheime, islamistisch-motivierter Terror, aber auch der Aufschwung der Alternative für Deutschland gewesen. „Es hat mich erschreckt, dass die AfD mit einem Slogan wie ’schwarz-rot-gold ist bunt genug’ Werbung macht.“

Lehrerin Vera Eckermann weiß, dass es in Schülerkreisen in Einzelfällen zu verbalen Entgleisungen kommt, die zumindest unterschwellig rassistisch sind. Aber sie ist überzeugt, dass am Gymnasium insgesamt ein sehr tolerantes und aufgeschlossenes Schulklima herrscht. Dieser Meinung ist auch Schulleiter Klaus-Dieter Laske. Zehn Prozent der insgesamt 887 Schüler seien Muslime. „Wir gehen sehr offen und liberal miteinander um“, sagte der Schulleiter am Donnerstag bei der Video-Premiere. Er verwies auf die guten Kontakte mit Partnerschulen im Ausland, auf die Gastschüler, die aus aller Welt ans Nordenhamer Gymnasium kommen, und auf die Auslandsaufenhalte der Nordenhamer Gymnasiasten.

Für das Video-Projekt hatte sich die Schülervertretung professionelle Unterstützung geholt. Für den perfekten Ton war Sven Lüdke zuständig. Beim Playback-Gesang mischten 28 Schüler und acht Lehrer als Solisten und Chormitglieder mit. Die Aufnahmen dauerten einen ganzen Vormittag und fanden in der Jahnhalle statt.

Geld für Refugium

Im vergangenen Jahr hatten die Schüler die Hälfte ihres Erlöses aus dem Weihnachtsmarkt an das Refugium Wesermarsch gespendet. Dieser Verein hilft Flüchtlingen bei der Integration. Die Schülervertretung will das am Gymnasium ebenfalls versuchen. Sie will allen Flüchtlingskindern Paten zur Seite stellen, um ihnen den Start am Gymnasium erleichtern. Um den Status „Schule ohne Rassismus“ zu behalten, müssen am Gymnasium jedes Jahr entsprechende Projekte stattfinden. Dadurch bekommt die Aktion eine Nachhaltigkeit, die sich die Schülervertretung auch wünscht.

Das Video soll mehr sein als ein Lippenbekenntnis. Die Schülervertretung will es in den nächsten Tagen auf der Internet-Seite des Gymnasiums veröffentlichen.


     www.gymnasium-nordenham.de 
Jens Milde Nordenham / Redaktion Nordenham
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