Nordenham Wenn Ahmed gefragt wird, ob Deutsch eine schwere Sprache ist, dann lächelt er und nickt. „Auf jeden Fall schwerer als Englisch,“ sagt der 17-Jährige, und die anderen Schüler, zumindest diejenigen, die Englisch können, stimmen ihm zu. Ahmed, der 2015 mit seiner Familie aus der syrischen Hauptstadt Damaskus nach Deutschland gekommen ist, spricht schon ganz gut deutsch. Aber mit diesem verflixten „ch“ hat er so seine Probleme.

Ahmed ist einer von zwölf Schülern der Sprachlernklasse des Nordenhamer Gymnasiums. So wie alle anderen hat auch er am Mittwoch sein Zeugnis bekommen – keines mit Noten, sondern eines mit Beurteilungen über die sprachliche Kompetenz.

Mit Beginn der Sommerferien ist auch das Projekt Sprachlernklasse des Nordenhamer Gymnasiums beendet. Im nächsten Schuljahr erfüllt das Gymnasium nicht mehr die Voraussetzungen dafür. Mindestens zehn Schüler, die über keine oder sehr geringe Deutschkenntnisse verfügen, müssen die Schule besuchen, um eine Sprachlernklasse einrichten zu können. Das ist nach den Ferien nicht mehr der Fall – dank der Sprachlernklasse, die vielen Schülern inzwischen den Übergang in den Regelunterricht ermöglicht hat. Und weil der Zuzug von Flüchtlingen inzwischen abgeebbt ist.

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Im Februar 2016 wurde die Sprachlernklasse eingerichtet – eine Folge der Flüchtlingswelle, die auch Nordenham erreicht hatte. 22 Schüler haben sie bisher durchlaufen. Sechs Lehrer mit entsprechender Qualifikation haben die Schüler unterrichtet: Sandra Kaufhold-Scharrer, Katharina Meyer, Doris Gerlach, Franziska Weiss, Birgit Schmidt und Sabrina Pargmann.

Die Schüler kommen überwiegend aus Syrien. Aber es sind nicht nur Flüchtlingskinder in der Sprachlernklasse. Paulina Urbanek zum Beispiel kommt aus Polen. Ihr Vater hat in Nordenham einen Job bekommen. Maria de Guadelupe Rodriguez Colonia kommt aus Peru. Sie ist erst seit vier Monaten in Deutschland. Ihr Stiefvater ist Deutscher.

Die Schüler sind zwischen 10 und 19 Jahre alt. Wer gut mitkommt, darf in einigen Fächern am Unterricht in den Regelklassen teilnehmen. Unterschiedliche Herkunftsländer, unterschiedliche Alter, unterschiedliche Sprachen: In dieser Klasse allen gerecht zu werden, ist eine riesige Herausforderung für die Lehrer. Hinzu kommt, dass gerade die Schüler aus Syrien zum Teil schreckliche Dinge erlebt haben. Zwölf Schüler – das sind auch zwölf unterschiedliche Geschichten: Ein Mädchen zum Beispiel musste miterleben, wie ihr Cousin erschossen wurde. Andere Kinder, die bei ihrer Flucht längere Zeit in der Türkei waren, sind arbeiteten gegangen, um zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen.

Für Sandra Kaufhold-Scharrer und ihre Kolleginnen ging die Arbeit weit über den Unterricht hinaus. Elterngespräche gehörten dazu, Hilfe bei Anträgen, bei der Suche nach Praktikums- und Ausbildungsplätzen. Und natürlich lassen keinen Lehrer die zum Teil traumatischen Erfahrungen kalt, die einige Kinder gemacht haben. Auch emotional ist das eine Herausforderung. „Die Zeit war sehr anstrengend“, zieht Sandra Kaufhold-Scharrer Bilanz. „Aber sie war auch sehr erfüllend.“

Erfüllend war die Zeit auch deshalb, weil die Flüchtlingskinder nun Perspektiven haben. Der 19-jährige Yamen zum Beispiel, der aus dem syrischen Daraa gekommen ist, will etwas in Richtung Informatik machen, Seine Schwester Ranie (17) wechselt nach den Ferien zur Berufsschule nach Brake. Ihr großer Wunsch ist es, Arzthelferin zu werden. Der ebenfalls 17-jährige Lawend freut sich auf den Unterricht in der zehnten Klasse des Gymnasiums. Dort geht es für ihn nach den Ferien weiter. Sprachförderunterricht gibt es dann auch weiterhin, allerdings nicht mehr in Form einer Sprachlernklasse.

Jens Milde Nordenham / Redaktion Nordenham
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