Nordenham Ist Weihnachten oder Ostern das schönste Fest des Jahres? Oder vielleicht doch der Geburtstag? Die Kinder sich nicht so ganz einig, als Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) ihnen diese Fragen stellt. Sie haben wohl auch nicht damit gerechnet, dass sich der berühmte Politiker aus Hannover für solche wirklich wichtigen Dinge des Lebens interessiert. Bei seinem Besuch in der Kindertagesstätte an der Havant­straße zeigt sich der Ministerpräsident als aufmerksamer und geduldiger Gesprächspartner. Das gilt für die Knirpse aus der – passenderweise – roten Gruppe ebenso wie für die Pädagoginnen, mit denen er anschließend über Sprachförderung und Fachkräftemangel diskutiert. Auch für die Vertreter einer ganzen Reihe sozialer Einrichtungen, mit denen er bei seiner nächsten Besuchsstation im Bürgerhaus Nordenham zusammentrifft, nimmt er sich viel Zeit.

Der Ministerpräsident ist am Mittwoch auf Einladung der Berner SPD-Landtagsabgeordneten Karin Logemann nach Nordenham gekommen. Er kennt die Unterweserstadt schon von Besichtigungsterminen in Industriebetrieben, aber in einem Nordenhamer Kindergarten ist er noch nicht gewesen. Auch das von Fred Memenga gegründete Bürgerhaus an der Viktoriastraße, in dem unter anderem die Nordenhamer Tafel und das Arbeitslosenzentrum ihr Domizil haben, ist für ihn Neuland.

Der SPD-Politiker hört interessiert zu, fragt nach und spart nicht mit Lob. Als Karin Logemann auf die Uhr schaut und zur Eile drängt, weil der eng gestrickte Zeitplan das erfordert, bleibt er gelassen und erkundigt sich noch einmal genauer bei Kindergartenleiterin Martina Geberzahn, wie sich in deren über 40 Berufsjahren die Anforderungen an die Erzieherinnen verändert haben. Und er will wissen, ob sie noch Spaß an ihrem Job hat. „Auf jeden Fall“, antwortet Martina Geberzahn, „meine Berufswahl habe ich nie bereut.“

Baustelle Sprachbildung

Sie arbeitet bereits seit 1975 in dem städtischen Kindergarten in Friedrich-August-Hütte und hat in der langen Zeit viele Umstellungen und neue Entwicklungen begleitet. Jetzt ist vor allem die Sprachbildung eine große Baustelle. „Die Kinder sprechen und lesen heute viel weniger als früher“, sagt sie. Außerdem hat der Anteil der Mädchen und Jungen mit Migrationshintergrund deutlich zugenommen. In der Kita an der Havantstraße, in der 76 Kinder betreut werden, beträgt er 40 Prozent.

An der Gesprächsrunde mit dem Ministerpräsidenten nehmen auch Regina Hartmann und Margret Schnars teil. Die pensionierten Lehrerinnen sind als Honorarkräfte für die Koordinierungsstelle Sprachbildung und -förderung tätig. Aufgabe dieser Einrichtung ist es, in der Wesermarsch die Sprachvermittlung in den Kindertagesstätten und Grundschulen zu verbessern.

Regina Hartmann und Margret Schnars schildern dem Ministerpräsidenten, wo sie das Kernproblem sehen: „Kindergarten und Schule liegen bei der Sprachbildung noch weit ausein­ander“, sagt Regina Hartmann und bittet den Regierungschef, dass er sich für eine Vereinheitlichung der Richtlinien zur Sprachvermittlung stark macht. Außerdem sei es notwendig, mit der Sprachförderung so früh wie möglich zu beginnen. Und zwar schon in der Krippe. Die Botschaft kommt bei Stefan Weil an. Er nickt zustimmend. Allerdings weist er darauf hin, dass sich in den vergangenen Jahren schon vieles zum Positiven entwickelt habe.

Die beiden Frauen von der Koordinierungsstelle sprechen auch das Thema „Ressourcen“ an. Damit meinen sie die Ausstattung der pädagogischen Einrichtungen mit mehr Personal und Geld. Darüber hinaus sei es erforderlich, die Ausbildung der Betreuungskräfte den neuen Anforderungen anzupassen und dabei ein größeres Gewicht auf die Sprachvermittlung zu legen.

Nach einer Stunde verabschiedet sich der Ministerpräsident aus dem Kindergarten. Weiter geht es zum Bürgerhaus. Fred Memenga führt den hohen Besuch aus Hannover durch die Werkstatträume, die Ausgabestelle der Tafel und weiter in das Nordenham-Zimmer im Obergeschoss. Dort warten Landrat Thomas Brückmann, der Nordenhamer Bürgermeister Carsten Seyfarth und seine Amtskollegen Ina Korter (Butjadingen), Michael Kurz (Brake) und Klaus Rübesamen (Stadland) sowie Abgesandte von Unternehmen, Gewerkschaften und sozialen Organisationen am gedeckten Tisch auf den Regierungschef. Sie bekommen die Gelegenheit, ihre Hilfseinrichtungen vorzustellen. Fred Memenga freut sich riesig, dass der Ministerpräsident sich die Ehre gibt und empfindet seine Anwesenheit im Bürgerhaus als ein „Geschenk“.

Dichtes soziales Netz

Stephan Weil ist beeindruckt von dem ehrenamtlichen Engagement in Nordenham. In dieser Einschätzung sieht er sich bestätigt, als Bürgermeister Carsten Seyfarth von dem „dichten sozialen Netz“ schwärmt, das sich zuletzt in der Flüchtlingskrise wunderbar bewährt habe. Carsten Seyfarth bezeichnet den Besuch des Ministerpräsidenten als eine „besondere Wertschätzung“ für alle Nordenhamer, die sich gemeinnützig engagieren.

Norbert Hartfil Redaktionsleitung Nordenham / Redaktion Nordenham
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