Nordenham Vorbei sind die Zeiten, als sich das Selbstverständnis einer öffentlichen Bibliothek darauf beschränkte, gut gefüllte Bücherregale anzubieten und auf Kundschaft zu warten. Das Leseverhalten und die Interessen der Nutzer haben sich erheblich gewandelt – vor allem in Folge der medialen Digitalisierung. „Wir müssen uns mehr öffnen und auf die Leute zu gehen“, sagt Marina Schnathmann. Die neue Leiterin der Stadtbücherei Nordenham und ihr Stellvertreter Hendrik Schröder möchten die Bibliothek verstärkt zu einem generationsübergreifenden Treffpunkt und Veranstaltungsort entwickeln. Darüber hinaus sehen sie die Medienpädagogik als einen besonderen Schwerpunkt ihrer Arbeit an.


 Marina Schnathmann
liebt Fantasy- und Jugendbücher. Deshalb empfiehlt sie die Romane von Derek Landy aus der Reihe „Demon Road“. Die Geschichte handelt vom Erwachsenwerden und ist zugleich eine Hommage an das amerikanische Horrorgenre. Zum Inhalt: Die 16-jährige Amber Lamont stellt eines Tages fest, dass ihre eigenen Eltern sie gerne verspeisen möchten. Nur so können sie ihre Kräfte wieder aufladen. Ambers Eltern sind waschechte Dämonen. Seitdem ist das Mädchen auf der Flucht auf einem magischen Straßennetz – der Demon Road. „Hölle und Highway“ ist der erste Band der Reihe, die im Loewe-Verlag erschienen ist.


 Hendrik Schröder
ist ein Fußballfan. Außerdem mag er Bücher mit einer spannenden Handlung vor einem historischen Hintergrund. Daher hat er gleich zwei Lesetipps für den Sommer: „Als der Ball noch rund war“ von Rainer Moritz und „Tyll“ von Daniel Kehlmann. Das bei Hoffmann und Campe erschienene Fußballbuch ist etwas für Leute, die noch wissen, wer Heiner Stuhlfauth, Otto Siffling, Fritz Walter, Bert Trautmann, Petar Radenkovic, Bernd Hölzenbein und „Bulle“ Roth waren. Autor Rainer Moritz lässt die schönsten und schrecklichsten Augenblicke des deutschen Fußballs Revue passieren.

„Tyll“aus dem Rowohlt-Verlag ist ein großer Roman über die Macht der Kunst und die Verwüstungen des Krieges sowie über eine aus den Fugen geratene Welt. Daniel Kehlmann verwebt die Geschichte der legendären Schelmenfigur Tyll Ulenspiegel mit einem tiefgründigen Panorama des Dreißigjährigen Krieges.

Marina Schnathmann und Hendrik Schröder üben ihre Posten zunächst in kommissarischer Funktion aus. Das hängt damit zusammen, dass Marina Schnathmann im November in den Mutterschutz geht. Nach ihrer Rückkehr aus der Elternzeit – voraussichtlich Ende 2019 – soll die offizielle Ernennung erfolgen.

Auslöser des Personalwechsels ist der Rentenbeginn des bisherigen Chefs Jochen Dudeck gewesen. Er trat nach über 27-jähriger Tätigkeit als Büchereileiter zum 1. Juli den Ruhestand an. Als seine designierte Nachfolgerin hatte die Stadt Nordenham bereits im Januar 2014 Marina Schnathmann eingestellt.

Aus Ostwestfalen

Die 30-jährige Bibliothekarin stammt aus Rheda-Wiedenbrück in Ostwestfalen. Sie hat an der Fachhochschule Köln Bibliothekswesen studiert. Nordenham empfindet sie längst als ihr Zuhause. „Hier will ich nicht mehr weg“, sagt Marina Schnathmann.

Ihr Stellvertreter Hendrik Schröder ist 28 Jahre alt. Er hat in der städtischen Einrichtung eine Ausbildung zum Fachangestellten für Medien und Informationsdienste absolviert. Nach der Lehrzeit wurde er übernommen, zunächst befristet für ein Jahr und nun fest.

Die beiden haben sich einiges vorgenommen, um die Stadtbücherei in der neuen Medienwelt auf Erfolgskurs zu halten. Kurzfristig planen sie zwar keine einschneidenden Veränderungen, aber an Ideen für die Zukunft mangelt es nicht. Vor allem die Leseförderung und die Schulung der Medienkompetenz bei Kindern und Jugendlichen liegen ihnen am Herzen. Bei diesen pädagogischen Aufgaben streben sie eine Kooperation mit möglichst vielen anderen Einrichtungen an. Dazu gehören natürlich in erster Linie die Kindertagesstätten und Schulen. Beispielhafte Vorhaben in diesem Bereich sind die Lese-Arbeitsgemeinschaft an der Luisenhofschule und ein neues Projekt unter der Überschrift „Total digital“, das Ende August im Kinder- und Jugendhaus in Einswarden startet. Dabei sollen Mädchen und Jungen im Alter von acht bis zwölf Jahren ihre Stadt erkunden und sich mit der Frage beschäftigen, was für sie zu Hause bedeutet.

40 481 Medien im Bestand

Die Stadtbücherei befindet sich im hinteren Gebäudeteil des Gymnasiums Nordenham. Die Adresse lautet An der Gate 11. Telefonisch ist sie unter der Nummer 04731/ 923210 zu erreichen. Die E-Mail-Adresse lautet mail@stadtbuecherei-nor- denham.de

Online ist die öffentliche Bibliothek unter www.stadtbuecherei-nor- denham.de zu finden.

Öffnungszeiten sind montags, dienstags und donnerstags von 10 bis 18 sowie freitags und sonnabends von 10 bis 13 Uhr. Mittwochs hat die Stadtbücherei geschlossen.

In ihrem Bestand hat die Stadtbücherei 40 481 Leihmedien. Dazu gehören Bücher, Compact-Discs, Filme auf DVD, Konsolenspiele, Kassetten, Zeitschriften, Gesellschaftsspiele und Tonies für Hörspielboxen. Um das Angebot aktuell zu gestalten, werden jedes Jahr rund 2000 neue Bücher angeschafft und nicht mehr gefragte Werke aussortiert.

2281 aktive Nutzer sind zurzeit registriert. Hinzu kommen viele passive Mitglieder.

Sämtliche Leihmedien gibt es in der Bibliothek kostenlos. Nur für Reservierungen wird eine Gebühr erhoben.

Sieben Mitarbeiter sind in der von der Stadt Nordenham betriebenen Einrichtung beschäftigt.

Marina Schnathmann würde es begrüßen, wenn die Kooperationen mit den Kindertagesstätten und Schulen künftig fest in den Unterricht einbezogen und vertraglich geregelt werden könnten.

Den Ansatz, die Stadtbücherei „nach außen zu öffnen“ verfolgen Marina Schnathmann und Hendrik Schröder auch mit ihrem Vorhaben, in der Helios-Klinik Wesermarsch eine Bücherausleihe anzubieten. Erste Gespräche mit der Krankenhausleitung hat es in dieser Angelegenheit bereits gegeben.

Mehr Veranstaltungen

Zudem beabsichtigen sie, noch mehr Veranstaltungen in der Bücherei abzuhalten. Das sollen nicht nur welche unter eigener Regie sein. „Vereine und andere Einrichtungen sind herzlich willkommen, bei uns Veranstaltungen auszurichten“, sagt Marina Schnathmann.

Den Treffpunkt-Charakter der Stadtbücherei wollen Marina Schnathmann und Hendrik Schröder ausbauen und die Bibliothek als „dritten Ort“ neben Arbeit und Zuhause etablieren. Dazu passt die Absicht, die Kinderecke zu erweitern und neues Mobiliar für gemütliche Lesezonen anzuschaffen. „Unser Ziel ist eine verbesserte Aufenthaltsqualität“, betont Marina Schnathmann.

Norbert Hartfil Redaktionsleitung Nordenham / Redaktion Nordenham
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