NORDENHAM /HAMBURG Sophia Falkenburger ist verärgert. Sie hadert mit einigen Redakteuren und Praktikanten von Tageszeitungen und Magazinen, die sie nach Interviews falsch zitiert haben. Ihr seien sogar Worte in den Mund gelegt worden, die sie nie gesagt habe, erzählt die 18-Jährige, die die Redaktion der Schülerzeitung „Meuterei“ des Gymnasiums Nordenham leitet.

Das Interesse an der Abiturientin kommt nicht von ungefähr: Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hat die „Meuterei“ in diesem Jahr zur besten deutschen Schülerzeitung gekürt. Eine 16-köpfige Jury erklärte die Schülerzeitung zum Gesamtsieger. In der Kategorie Heftinhalt belegte „Meuterei“ den ersten Platz, bezüglich Layout und Online-Auftritt kamen die Nachwuchsjournalisten jeweils auf Rang vier.

Über die Arbeit von Kollegen zu richten, gehört für Redakteure sicherlich zu den heikelsten Aufgaben. Wenn es sich dann auch noch um die Arbeit von Nachwuchsjournalisten handelt, die es zu beurteilen gilt, fällt der Jury eine ganz besondere Verantwortung zu: Die Mischung aus anspruchsvollen Texten, guten Fotos und einem sinnvollen Layout müssen ein ansprechendes Blatt ergeben und entsprechend bewertet werden. Im Fall der „Meuterei“ ist das in hervorragender Weise gelungen.

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Das „Meuterei“-Team punktete bei der Jury, weil die dritte Ausgabe der Schülerzeitung vor allem inhaltlich überzeugte. Die Redaktion hatte sich diesmal unter der Regie von Sophia Falkenburger dem Schwerpunktthema „Hinter welchen Facetten verbirgt sich der Wettbewerb?“ angenommen und aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet. Ein Aspekt behandelte den Leistungsdruck in der Schule, ein weiterer Artikel befasste sich der Nordenhamer Tafel. Reportagen über das Nordenhamer Gefängnis und Arbeitslose rundeten den Themenbereich ab. Insgesamt umfasst das Heft die vier Rubriken Hier (gemeint ist das Gymnasium; es wurde unter anderem ein neuer Referendar vorgestellt), Dort (Nordenham), Woanders (Blick in die Welt; Bilderstrecke aus Mali) und Beiboot (Artikel aus der Außenstelle).

Das vorzügliche Layout der „Meuterei“ stammt von Marcel Wichmann (19). Das Umbrechen der Texte, das Platzieren der Fotos und Bilderstecken geschieht mit einer derartigen Perfektion, dass sich das Ergebnis der kreativen Arbeit, die Marcel Wichmann nach eigenen Worten eher zufliegt, mit viel beachteten Magazinen messen kann. Der 19-Jährige ist ein Experte auf diesem Gebiet: Er hat sich bereits zum zweiten Mal in die „Spiegel“-Bestenliste eingetragen. Denn schon 2007 belegte „Meuterei“ den vierten Platz in dieser Kategorie.

Die Alt-Redakteure stehen einer Riege an Talenten vor, die sich den unterschiedlichsten Themen widmen. Die Autoren sind unabhängig. Es gibt keinen Lehrer, der sie beaufsichtigt. Zum Team gehören neben den beiden Hauptakteuren noch Anna Kalitzki, Christine Dede und Bettina Martin sowie von der Außenstelle, dem Beiboot, Rabea Ahlers, Felix Reimers, Kay Philipp Fuhrmann, Luca Bittner und Kjent Raschke.

Der prägnante Name der Schülerzeitung fand sich laut Marcel Wichmann zufällig. „Wir haben mehrere Vorschläge gesammelt und den Titel dann ausgelost.” Ob die Schülerzeitung ihr Gesicht nach dem bestandenen Abitur der beiden Alt-Redakteure beibehalten wird, bleibt abzuwarten. Denn beratend können sowohl Sophia Falkenburger als auch Marcel Wichmann nicht mehr zur Seite stehen. Sophia Falkenburger bricht Ende August zu einem Freiwilligen Ökologischen Jahr nach Costa Rica auf. Marcel Wichmann beginnt am 1. August eine Ausbildung in einer Hamburger Werbeagentur.

Preisgeld über 1000 Euro für die Schülerzeitung

Die Redaktion verzichte bei der Herstellung auf Farbfotos. Die Ausgabe erschien komplett in Schwarz-Weiß (120 Exemplare) ist mittlerweile ausverkauft.

Die „Meuterei“ verwies das Berthold-Gymnasium aus Freiburg („Background”) und die Vorjahressieger des Adalbert-Stifter-Gymnasiums in Passau („Rückenwind”) auf die folgenden Plätze. Die 16-köpfige Jury hatte insgesamt 1429 Beiträge von 742 Schülerzeitungen in acht Kategorien zu beurteilen. Bei der Preisverleihung in Hamburg ehrte „Der Spiegel” 19 Schülerzeitungen. Das Nordenhamer Team freute sich über das Preisgeld in Höhe von 1000 Euro für die Schülerzeitung und eine weitere Auszeichnung: Fünf Redakteure fliegen nach Istanbul und werden dort eine Woche vom „Spiegel”-Korrespondenten Daniel Steinvorth betreut.

Ulrich Schlüter Elsfleth / Redaktion Brake
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