Frage: Die Elsflether Werft steht derzeit im Zentrum eines Korruptionsskandals um die „Gorch Fock“. Für die Mitarbeiter bedeutet das eine ungewisse Zukunft. Was bedeutet es für die Stadt Elsfleth?
Fuchs: Mir liegt keine offizielle Stellungnahme der Werft vor. Ich hoffe, dass der Verdacht der Vorteilsnahme eines Mitarbeiters des Marinearsenals aufgrund von dessen begrenzter Zuständigkeit nicht in Zusammenhang mit den Kostensteigerungen bei der Sanierung der „Gorch Fock“ steht. Die Werft ist einer der wichtigsten Gewerbebetriebe und Arbeitgeber in der Stadt Elsfleth. Wichtig ist, dass die Elsflether Werft schnellstmöglich die Vorwürfe ausräumen kann und die Sanierungsarbeiten der „Gorch Fock“ von der Elsflether Werft durchgeführt werden. Man muss die unabhängige Untersuchung zur Aufklärung der erhobenen Vorwürfe abwarten. Ich hoffe für die Werft und ihre Mitarbeiter, dass die Verwürfe ausgeräumt werden können.
Frage: Mal etwas gänzlich Abwegiges: Was würde Elsfleths Bürgermeisterin, die früher ja auch mal Elsfleths Kämmerin war, mit 10 Millionen Euro außer der Reihe zur freien Verfügung tun?
Fuchs: Spontan fallen mir da ein paar Dinge ein: Schaffung von bezahlbarem Wohnraum für Bürger und Bürgerinnen, Studenten und für Senioren seniorengerechte Wohnungen, die Sanierung von Straßen unter Berücksichtigung der Barrierefreiheit, für den Bereich Jugend der Neubau eines Sportplatzes und der Bau eines Jugendtreffs, aber auch der Bau eines Hortes und von Krippen. Zudem wäre da die Förderung von Kultur, Sport und Musik, Veranstaltungen sowie die Förderung des ehrenamtlichen Engagements und nicht zuletzt die Einrichtung einer Tafel. Und das sind nur Dinge, die mir ganz spontan in den Sinn kommen, ohne Gewähr auf Vollständigkeit.
Frage: Bleiben wir beim Geld. Die 10 Millionen haben Sie nun leider ja nicht. Zwar steht die Stadt derzeit finanziell solide da, hat aber auch noch einen ordentlichen Schuldenberg. Sie haben in einer der letzten Ratssitzungen auch vor finanziellen Gefahren gewarnt. Welche sehen Sie da vor allem?
Fuchs: Mit einmaligen Gewerbesteuererträgen durch Schiffsverkäufe kann die Stadt Elsfleth nicht mehr rechnen. Dieses hatte in den vergangenen Jahren zu einem erheblichen Schuldenabbau geführt. Die Gewerbesteuererträge der Reedereien fehlen der Stadt Elsfleth künftig. Die Sicherheitsmängel in den Feuerwehren müssen beseitigt werden, was zu einer erheblichen Investitionstätigkeit führt und die städtischen Haushalte in den Folgejahren stark belasten wird. Die Übertragung von Aufgaben durch die staatlichen Stellen auf die Kommunen stellt ein großes Problem für die Stadt Elsfleth dar, da die Ausstattung mit den erforderlichen Finanzmitteln nicht erfolgt. Dies trifft insbesondere für Kindergartenplätze und Krippenplätze, Inklusion sowie für die Jugendarbeit zu. Auch wird es immer schwieriger, Handwerksbetriebe zu finden, die die öffentlichen Aufträge bearbeiten. Die Angebote, die abgegeben werden, sind bis zu 50 Prozent teurer als vor einem Jahr.
Frage: Die Stadt hat vor allem mit dem Neubau der katholischen Kindertagesstätte ein ziemlich kostspieliges Projekt zu stemmen. Erhebliche Mittel fließen gerade auch in Sanierung von Hafenstraße und Deichstraße. Wofür ist sonst noch Geld da?
Fuchs: Da ist trotz der begrenzten finanziellen Möglichkeiten noch eine ganze Menge: Breitbandausbau, die schon genannte Beseitigung von Sicherheitsmängeln in den Feuerwehren gemäß Feuerwehrbedarfsplan, die Sanierung der Spundwand Hafen, weitere Maßnahmen im Ortskern aus der Städtebauförderung, die Pflasterung beim Feuerwehrhaus in Sandfeld sowie Anschaffungen für die Freiwillige Feuerwehr und den Baubetriebshof.
Frage: Leerstand ist auch in der Elsflether Innenstadt ein Thema. Trotz malerischer Lage hin zur Hunte stehen Geschäfte leer. Was muss geschehen, um wieder mehr Leben in die Stadt zu kriegen?
Fuchs: Wir sind dabei, mit der Städtebauförderung die Innenstadt zu sanieren. Wir hoffen, damit die Innenstadt wieder attraktiv für Geschäfte zu machen. Wir bemühen uns, wieder Geschäfte in Elsfleth anzusiedeln. Das beinhaltet aber auch, dass die Bürgerinnen und Bürger umdenken und wieder vor Ort einkaufen.
Frage: Was wünschen Sie sich für die Stadt Elsfleth von Landkreis, vom Land Niedersachsen und von der Bundesrepublik Deutschland?
Fuchs: Vom Landkreis wünsche ich mir die Senkung der Kreisumlage, von Land und Bund, dass sie ausreichende Finanzmittel für die Aufgabenerfüllung zur Verfügung stellen.
Frage: Auch wenn Visionäre mitunter belächelt werden: Wie sieht Ihre Vision „Elsfleth 2030“ aus?
Fuchs: Die Stadt Elsfleth ist eine Stadt mit mehr als 1000 Studenten, einer belebten, attraktiven Innenstadt, einer gesunden mittelständig geprägten Industrie und Gewerbebetriebe-Struktur, sie ist schuldenfrei und hat ausreichende Einnahmen sowie glückliche und zufriedene Bürgerinnen und Bürger, die stolz darauf sind, in Elsfleth zu wohnen. Elsfleth ist eine familienfreundliche Stadt, in der man aufwachsen, leben und alt werden kann.
Markus Minten
Redaktionsleitung Brake
Redaktion Brake

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