Nordenham An diesem Dienstag gibt’s Waffeln in der Tagespflegeeinrichtung der Johanniter an der Sophie-Scholl-Straße. Zwischen dem Küchentresen und den voll besetzten Tischen flitzen Schüler hin und her, um die Gäste mit dem leckeren Gebäck zu versorgen und leere Teller abzuräumen. Es sind „hochbegabte Kinder“, die diese Aufgabe übernehmen. Und sie tun das mit einer Begeisterung, die nicht zu übersehen ist.

„Ich bin Wir“

Immer dienstags bekommen die älteren Menschen, die in der Johanniter-Tagespflege ihre Zeit verbringen, Besuch von den Schülern, die ein ganz besonderes Talent haben: Sozialkompetenz. Und deshalb machen sie mit bei einem Projekt, das sich „Ich bin Wir“ nennt. Es ist eines von insgesamt sieben Projekten, die der Kooperationsverbund (KOV) Nordenham auf den Weg gebracht hat. Diesem Verbund gehören alle Nordenhamer Schulen an. Sie können Kinder, die über eine besondere Begabung verfügen, in ein passendes Projekt schicken. Und die richten sich nicht zwangsläufig an schulische Überflieger, die in allen Fächern auf einer Eins stehen. In dem Projekt „Ich bin Wir“ zum Beispiel werden die sozialen Talente gefördert.

Die Lehrerin am Gymnasium, Meike Wassmann, und Melanie Willms von der Johanniter-Tagespflege hatten sich das Projekt ausgedacht. Und sie sind begeistert davon, mit welcher Freude die fünf Schüler immer wieder dienstags in die Einrichtung im Haus Tongern kommen, um dort Tagesgäste zu treffen. Joy Scheffler zum Beispiel. Die Zehnjährige ist an diesem Dienstag erst zum zweiten mal dabei. „Es macht einfach total viel Spaß“, sagt Joy. Und das geht auch Finn Garlichs so. Er ist ebenfalls zehn Jahre alt und von Anfang an dabei. Wenn nicht gerade Waffeln gebacken werden, sucht er sich Spielpartner für „Stadt-Land-Fluss“, „Kniffel“ oder „Mensch-ärgere-Dich-nicht“, den absoluten Renner unter den Gesellschaftsspielen in der Johanniter-Einrichtung.

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Schüler im Rollstuhl

Bevor die Schüler regelmäßig die Tagespflege besuchten, gab es eine Art Sensibilitätstraining. Unter anderem setzten sich die Schüler in den Rollstuhl, sie fuhren damit durch die Stadt, um am eigenen Leib zu erfahren, mit welchen Problemen Rollstuhlfahrer zu kämpfen haben. Zum Abschluss des Projekts, das mit Ende des Schulhalbjahres ausläuft, werden sich die Schüler in einer „Zukunftswerkstatt“ mit der Frage beschäftigen: „Wie will ich selbst alt werden?“

Schulleiter Klaus-Dieter Laske betont, dass die Vermittlung und somit auch die Förderung von Sozialkompetenz eine wichtige Aufgabe der Schule ist. Seine Kollegin Vera Eckermann, die zur Steuerungsgruppe des Kooperationsverbundes gehört, weist darauf hin, dass Sozialkompetenz am Gymnasium einen hohen Stellenwert genießt. Als Beispiele führt sie unter anderem den Schülersanitätsdienst, das Streitschlichter-Programm und das Projekt „Schüler fördern Schüler“ auf.

Nicht nur bei den Kindern und deren Eltern kommen die KOV-Projekte prima an, auch wenn es in einigen Kursen noch freie Plätze gibt. Auch die Politik ist aufmerksam geworden. So hat sich am Dienstag die SPD-Landtagsabgeordnete Karin Logemann davon überzeugt, mit wie viel Freude die Schüler ihr soziales Talent nutzen, um anderen zu helfen. Für sie steht außer Frage: „Auch das ist eine Form von Hochbegabung.“

Jens Milde Nordenham / Redaktion Nordenham
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