Rodenkirchen Das Thema Inklusion an Schulen trifft bei Lehrern, Eltern und Kommunalpolitikern einen empfindlichen Nerv. Das zeigte die Podiumsdiskussion, zu der die Grünen-Landtagsabgeordnete Ina Korter (Nordenham) für Donnerstagnachmittag in die Markthalle eingeladen hatte. Mehr als 100 Interessierte kamen – und fast alle Äußerungen außerhalb des Podiums waren kritisch.

Inklusion bedeutet, dass Eltern mit Beginn des neuen Schuljahres das Recht haben, ihr behindertes Kind an einer Schule ihrer Wahl anzumelden – auch einer allgemeinbildenden. Diese Schule muss dann gewährleisten, dass dieses Kind nach einem individuellen Entwicklungsplan unterrichtet wird. Das Angebot gilt ab August für die Klassen 1 und 5 und wird dann Jahr für Jahr ausgeweitet.

Zunächst betrifft es lern- und sprachbehinderte Kinder; in den Folgejahren wird es für Kinder mit Störungen der emotional-sozialen Entwicklung, der geistigen Entwicklung, der körperlich-motorischen Entwicklung sowie des Sehens und Hörens ausgeweitet. Die Förderschulen Lernen und Sprache werden bis 2018 abgeschafft, die übrigen Förderschulen sollen erhalten bleiben.

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Fahrstühle kein Problem

Ina Korter bezeichnete die Inklusion als ihre Herzensangelegenheit. Und auch Dr. Peter Wachtel, seit 15 Jahren Referent für sonderpädagogische Förderung im Kultusministerium, machte deutlich, dass er hinter der Inklusion steht. Das gilt auch für den dritten Gast auf dem Podium, den Leiter der Oberschule Rodenkirchen, Jürgen Janssen. Er verwies darauf, dass Stadland bei der Inklusion Vorreiter ist – von der Krippe bis zur Oberschule.

Jürgen Janssen machte deutlich, dass es nicht vor allem darum geht, für teures Geld Fahrstühle in Schulen einzubauen. Denn es gibt fast keine Schüler im Rollstuhl. Insgesamt dürfen alle fünften Klassen in der Wesermarsch zum August 35 behinderte Schüler erwarten.

Im Publikum sprachen sich mehrere Teilnehmer klar für die Inklusion aus, andere ließen ihre Haltung offen. Kritik hagelte es aber von beiden Seiten. Elke Kuik-Janssen, Leiterin der Grundschule Rodenkirchen und unbedingte Befürworterin der Inklusion, schilderte die aberwitzigen bürokratischen Hürden auf dem Weg zu staatlichen Zuweisungen. Lehrer müssen Gutachten über Schüler schreiben – an ihrer Schule 16 –, dazu mehrere Gesprächstermine wahrnehmen, dann monatelang auf eine Entscheidung warten, und bei emotional-sozial gestörten Schülern erleben, dass ihr Gutachten nicht gewertet wird. Das erste Problem sei schon, überhaupt an die siebenseitigen Formulare für die Gutachten heranzukommen, die dann auch noch handschriftlich ausgefüllt werden müssten.

Lehrkraft bleibt fremd

„Wenn Sie fair zu den Kindern sein wollen, müssen Sie auch fair zu den Lehrern sein“, mahnte Margret Janssen von der Nordenhamer Südschule, die schon seit zwei Jahren Inklusion betreibt. Die Förderlehrkraft, die für zwei Stunden in der Woche in die Klasse komme, bleibe den Kindern fremd. Besser wäre es, der Schule eine ständige Förderlehrkraft zur Verfügung zu stellen. Zudem sei es für die zu fördernden Schüler eine Verschlechterung, wenn sie jetzt statt ständiger Förderung nur noch zwei Stunden Förderunterricht hätten. Und auch um die schwächeren Schüler, die keinen Förderbedarf haben, müsse sie sich weiter kümmern können.

Robert Ringwelski, der Leiter der Haupt- und Realschule Brake, sagte, es fehle nicht nur an Förderlehrern. Sein Personalplaner habe ihm gesagt, dass für die Wesermarsch überhaupt keine Lehrerstelle ausgeschrieben sei, obwohl allein in seiner Schule rechnerisch drei Stellen durch Pensionierung wegfielen.

Der bürokratische Aufwand powere die Eltern vollkommen aus, sie fühlten sich wie in einem Hamsterrad, ergänzte Martina Geberzahn, die Leiterin des städtischen Kindergartens Friedrich-August-Hütte. „Eltern werden allein gelassen“, bestätigte die Mutter Uta Elb. „Ich könnte ein Buch darüber schreiben.“


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Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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