Einswarden Noch bis zum 4. September läuft die Befragung von Eltern von Grundschulkindern in Nordenham, Butjadingen und Stadland über eine Integrierte Gesamtschule (IGS) in Nordenham. Die Oberschule I an der Pestalozzistraße möchte zum Schuljahr 2018/19 als IGS starten. Das ist aber nur möglich, wenn so viele Eltern für die IGS stimmen, dass mit mindestens 96 Schülern pro Jahrgang in einer IGS zu rechnen ist – und dies für einen Zeitraum von zehn Jahren.

Bei dieser Entscheidung stellt sich auch die Frage, was aus der zweiten Nordenhamer Oberschule, der Luisenhofschule in Einswarden wird. Was macht diese Oberschule aus? Welche Auswirkungen hätte eine IGS an der bisherigen Oberschule I an der Pestalozzistraße auf die Oberschule am Luisenhof in Einswarden?

In einem Gespräch mit der NWZ haben dazu Luisenhof-Schulleiter Rainer Janßen, didaktische Leiterin Julia Lettau und Melanie Willms (1. Vorsitzende des Schulelternrates) sowie Sabine Schmidt (2. Vorsitzende) Stellung genommen. Hier ihre zusammengefassten Antworten:

Was ist das Besondere an der Luisenhofschule?

Alle Schüler, Lehrer und Mitarbeiter gehen hier gern zur Schule. Es gibt ein gutes soziales Miteinander. Die Klassengemeinschaften sind stark, weil es eine schulzweigbezogene Oberschule ist. Völlig zu Unrecht wird mitunter von einem sozialen Brennpunkt gesprochen. Das Gegenteil ist der Fall. Das zeigt sich auch darin: In den vergangenen Jahren war kein einziger Einsatz des Mobbing-Interventionsteams nötig. Streitschlichter sind selten gefordert. Probleme mit Drogen oder Gewalt gibt es gar nicht.

Zu den Besonderheiten gehört die hervorragend aufgestellte und erfolgreiche Berufsorientierung – von der Porsche-AG bis zur Kreativwerkstatt für Mädchen. Die Teilnahme am Ganztagsangebot von montags bis donnerstags ist auf Wunsch der Eltern freiwillig. Die Hausaufgabenbetreuung boomt. Außergewöhnlich ist auch: Turnhalle, Schwimmhalle und Sportplatz liegen direkt vor der Schultür. Es gibt sehr gut ausgestattete Fachräume und auch einen Kletterwald.

Welche Bedeutung hat sie für den Stadtnorden?

Die Oberschule am Luisenhof ist für den Stadtnorden ein strukturpolitischer Anker. Ohne diese Schule würde der Stadtnorden ausbluten.

Warum sollte diese Schule eigenständig bleiben?

Wegen der genannten Besonderheiten des Schulangebotes und der Bedeutung dieser Oberschule für den Stadtnorden. Zudem ist laut Schulleitung und Elternvertreter dies zu bedenken: In Brake gibt es eine IGS, aber keine Oberschule mehr. Schüler, die eine Oberschule besuchen wollen, müssen nach Jaderberg ausweichen. Ähnliches müssten Nordenhamer Schüler bei einer Schließung der Luisenhofschule und Umwandlung der Oberschule I in eine IGS in Kauf nehmen. Sie müssten zur Zinzendorfschule in Tossens oder nach Jaderberg auswichen – so lange es dort noch Oberschulen gibt.

Würde eine IGS die Luisenhofschule gefährden?

Schulleiter Rainer Janßen sagt: „Ängste haben wir nicht. Wir setzen darauf, dass die Eltern unser stabiles System wie bisher schätzen und annehmen.“ Ebenso wie die Schulleitung bedauern aber auch die Elternvertreter des Luisenhofes, dass bei den Informationsveranstaltungen zur Elternbefragung nur die Oberschule I ihr IGS-Konzept vorstellt. Nähere Informationen über die Alternativen der anderen weiterführenden Schulen seien leider nicht möglich.

Nicht zuletzt weisen Schulleitung und Elternvertreter des Luisenhofes darauf hin, dass die Schülerzahlen voraussichtlich nicht steigen werden. Eine IGS benötigt mindestens 96 Schüler pro Jahrgang. Zu erwarten sei eine IGS mit 96 bis 120 Schülern bei der angestrebten Vierzügigkeit. Zudem müsse damit gerechnet werden, dass die Zahl der Gymnasiasten weiter steigen wird.

So könnte es dazu kommen, dass die Zahl der Oberschüler am Luisenhof nicht ausreichen wird, um diesen Schulstandort längerfristig zu erhalten. Ähnlich könnten die Oberschulen in Tossens und Rodenkirchen gefährdet werden.

Wie steht’s um Wechsler vom und zum Gymnasium ?

Nach Ansicht von Schulleitung und Elternvertreter des Luisenhofes sind die Möglichkeiten an der Oberschule genauso gut wie an einer IGS. Realschüler können vorzeitig aufs Gymnasium wechseln. Hauptschüler können nach einem erweiterten Abschluss wechseln. Sogenannte Rückläufer vom Gymnasium haben es an der Oberschule keineswegs schwerer als an einer IGS. Im Gegenteil: Das soziale Miteinander in den Klassengemeinschaften trägt dazu bei, dass sie integriert und motiviert werden.

Warum könnte auf eine IGS verzichtet werden ?

Weil es, so meinen Schulleitung und Elternvertreter des Luisenhofes, zwei gut aufgestellte und sehr erfolgreiche Oberschulen in Nordenham gibt – mit zwei unterschiedlichen Konzepten: jahrgangsbezogener und damit sehr integrativer Unterricht an der Pestalozzistraße sowie schulzweigbezogener Unterricht ab Klasse 7 in Einswarden. Daraus ergeben sich optimale Möglichkeiten für alle Kinder.

Zudem würden Schüler und Eltern davon profitieren, wenn nach vielen Diskussionen über Schulstandorte und Schulformen Ruhe in den Schulalltag einkehren könnte.

Horst Lohe Nordenham / Redaktion Nordenham
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