Auf einer Hochebene Zu Hause

Goiânia ist die Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Goiás. Sie liegt in Zentralbrasilien auf einer Hochebene etwa 750 Meter über dem Meeresspiegel. Sie hat 1,2 Millionen Einwohner, das Stadtgebiet umfasst 750 Quadratkilometer.

Die 17-jährige Schülerin wohnt bei Familie Krippner. Sie hat sich gut eingelebt.

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Von Ulrich Schlüter

Nordenham Durch ihren Garten laufen Emus. Einige Schlangen haben sich auch schon einmal in das Haus ihrer Familie verirrt. Und im nahen Fluss leben Stachelrochen. Dass in ihrer Heimatstadt Goiânia, die hierzulande kaum jemand kennt, mehr als eine Million Menschen leben, erzählt Larissa Machado e Silva Gomide. Nach den Worten der 17-jährigen Schülerin liegt die brasilianische Hauptstadt Brasilia rund 200 Kilometer Luftlinie weit entfernt.

Ins Herz geschlossen

Seit einem halben Jahr lebt die sympathische Brasilianerin nun schon bei Familie Krippner in Nordenham. Und sie fühlt sich wohl und geborgen in ihrem neuen Zuhause. „Ich bin toll aufgenommen worden“, sagt Larissa, die in der elfjährigen Phyllis Krippner eine gute Freundin gefunden hat. Auch Heike Stahl-Krippner, ihr Mann Raoul Krippner sowie Sohn Victor (13) haben das Mädchen ins Herz geschlossen. Ihre natürlich und offene Art springt sogleich auf den Gesprächspartner über. Sie spricht mit Bedacht, hin und wieder blitzt ihr Temperament auf.

Dass die 17-Jährige im frostigen Nordenham zur Schule geht, ist einem Zufall geschuldet. Der älteste Sohn Leonard (16) der Gastfamilie lebt zurzeit in Plattville bei Chicago. Und weil sein Zimmer für ein Jahr vakant ist, dachte Familie Krippner, nun ihrerseits einen ausländischen Schüler aufzunehmen. Über die brasilianische Organisation „Ayosa“ kam schließlich der Kontakt mit Larissa zustande, die bereits zwei Jahre lang Deutsch lernte. Eine Freundin hatte ihr erzählt, dass sie zum Sprachaufenthalt nach Deutschland wolle. Das hielt Larissa gleichfalls für eine gute Idee, um Erfahrungen zu sammeln. Sie beschloss, die Sprache zu lernen.

Ihre Eltern waren verwundert. Mit Deutschland brachten sie unwillkürlich Bratwurst, Trachten, Bayern, Oktoberfest und Bier in Verbindung. Was also zog ihre Tochter in dieses Land? Die deutsche Geschichte und der Kontrast von Moderne und Tradition interessiere sie, erwiderte Larissa.

Über São Paulo und Paris traf Larissa schließlich Ende Juni in Hamburg ein. Weil sie Fotos per E-Mail miteinander ausgetauscht hatten, erkannten sich alle sogleich in der Ankunftshalle. „Ich war doch sehr nervös“, erinnert sich Larissa an das erste Zusammentreffen. Und auch daran, dass das Wetter okay war. In ihrer Heimat herrschen im Durchschnitt 25 Grad, von denen man jetzt im deutschen Winter weit entfernt ist.

Doch Larissa ist unkompliziert, kommt mit jeder Situation zurecht. Sie habe Schlittschuhlaufen gelernt, sagt Heike Stahl-Krippner, und Larissa nickt begeistert. Eine weitere Fähigkeit, die sie sich angeeignet hat, klingt eher banal: Larissa kann jetzt Fahrrad fahren. Das sei in Goiânia viel zu gefährlich, erzählt die 17-Jährige. Die Autofahrer rasten wie verrückt und rücksichtslos umher. Ihre Mutter habe ihr daher verboten, ein Fahrrad zu benutzen. Sie genieße es daher in Nordenham, mit dem Rad zur Schule zu fahren.

Interesse an Sprachen

Larissa geht aufs Gymnasium. Was sie vermisst, ist eine Schuluniform wie an ihrer Privatschule. „Zu Hause müssen wir nicht überlegen, was wir anziehen wollen“, sagt sie. In ihrer Heimat werden auch die Klassengemeinschaften bis zum Abitur beibehalten. Das eine Jahr in der Oberstufe möchte sie anrechnen lassen. Sie hegt den Wunsch, Internationale Beziehungen zu studieren. Da sei es wichtig, mehrere Sprachen zu sprechen und andere Länder kennen gelernt zu haben.

Ihren Sprachenschatz hat sie um das „Moin“ erweitert. Sie trinkt mittlerweile gern Tee – in Brasilien gibt es meist Mineralwasser und Saft. Ein großes Fest steht im Mai an. Dann feiert Larissa ihren 18. Geburtstag. Per Telefon werden dann ihre Eltern sowie die 20-jährige Schwester und der Bruder (14) gratulieren.

Wenn sich der einjährige Aufenthalt bei Familie Krippner dem Ende zuneigt, wollen Larissas Eltern nach Deutschland kommen und ihre Tochter abholen. Larissa wird sie mit einem freudigen „Moin“ begrüßen können.

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