TOSSENS In ihrem Wahlpflichtunterricht der 8. Klassen von Haupt- und Realschule lernen einige Schülerinnen und Schüler der Zinzendorfschule nicht das Übliche: Sie spielen Theater. Unter Anleitung der Theater-Pädagogin Conny Howell, die den Welt-Bestseller „Die Welle” dafür bearbeitet hatte, studierten sie das Stück über ein fragwürdiges pädagogisches Experiment ein.

Schule wird zur Kulisse

Als Kulisse diente mit der Zinzendorfschule eine echte Schule und als Lehrer Wenger trat ein tatsächlicher Pädagoge: der Religionslehrer Matthias Stöckermann. Das Publikum der ersten Vorstellung am Donnerstagabend – eine zweite fand am Freitag statt -, wurde vor Haus Spangenberg von Schulleiterin Melanie Rummel begrüßt, bevor Sarah Conrady sie als Moderatorin in das Stück mitnahm.

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In der Pausenhalle des früheren Hauptschulgebäudes halten sich unterschiedliche Gruppen von Schülern auf, die miteinander sprechen, sich gegenseitig provozieren oder einfach auf den Beginn der Projektwoche warten. Im Zentrum steht ein Liebespaar, das Zukunftspläne schmiedet. Die Schüler werden beim beliebten Lehrer Wenger am Thema „Autokratie” arbeiten.

Der erste Szenenwechsel führt in einen Klassenraum, in dem – kaum dass sich das Publikum eingefunden hat – jener Wenger die Schüler in der üblichen legeren Form begrüßt. Bald merkt er, dass eine trockene, rein theoretische Auseinandersetzung wenig ertragreich sein wird. Zu fragwürdig erscheint ihm die einhellige Meinung der Schüler, dass in Deutschland eine Diktatur nicht mehr möglich sei.

Lehrer als Anführer

Das Experiment beginnt. Der Unterrichtsstil wird autoritärer, mit Strammstehen und Namensangabe vor dem Reden, es werden Elemente autoritärer Bewegungen eingeführt. Wenger erzeugt ein Gemeinschaftsgefühl durch Rituale, Symbolik und Ausgrenzung nicht konformer Schüler. Er übernimmt die Rolle des Anführers, die Schüler uniformieren sich, entwickeln ein Logo sowie eine Homepage, und das Ganze nennt sich „Die Welle“.

Szenenwechsel: In der Pausenhalle gibt es Auseinandersetzungen zwischen Mitgliedern der Welle und anderen. Als Tim, ein besonders labiler, stark nach Anerkennung durch Wenger und die Gemeinschaft strebender Junge, bedrängt wird, helfen ihm Welle-Kumpels. Wer allerdings nicht das verabredete weiße Hemd trägt, wird ausgeschlossen.

Szenenwechsel: Vor dem Schulgebäude stehen Hauswände, die von begeisterten Welle-Jugendlichen mit deren Graffiti besprüht werden. Als Punks auf der Szene erscheinen, löst Tim die Situation mit Hilfe einer Pistole, die er zu Hause gefunden hat. Anschließend geht die aufgedrehte Gemeinschaft zum Strand – hier: der Eingang zum Schulkomplex –, wo gegrillt und gefeiert wird. Jetzt hält der nun voll integrierte Jugendliche „mit Migrationshintergrund“ eine Lobrede auf die Welle. Hier denkt man mit Abscheu über Abtrünnige.

Mit weißen Hemden

Die letzte Szene führt Publikum und Akteure in die Aula der Schule. Wenger hat die Welle zu einer Versammlung gerufen. Viele Weiß-Hemden sind gekommen. Marco möchte, dass das Experiment beendet wird, weil es zu Gewalt gekommen ist, er selbst gar seine „Nicht-Welle“ Freundin geschlagen hat.

Wenger treibt das Experiment auf die Spitze, lässt Marco als Verräter auf die Bühne bringen, verlangt nach Bestrafung des Verräters – und will nun seinerseits „Die Welle“ beenden. Er weist daraufhin, wie schnell die Jugendlichen sich in ein diktatorisches Regime haben einspannen lassen. Doch viele sind enttäuscht, haben sich in der Gemeinschaft ungeahnt wohl gefühlt und aufgehoben. Ganz besonders Tim. Er bedroht Wenger mit der Pistole, schießt auf einen Mitschüler und richtet sich selbst, als er einsehen muss, dass es die „Die Welle“ für ihn nicht mehr gibt, sondern nur noch sein eigenes Unglück.

Das Publikum belohnte die Theater-Gruppe für die mit einer Stunde kompakte und dennoch sehr eindrucksvolle Vorstellung mit anhaltendem Applaus.

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