Nordenham Zurück in den Kosovo? Der Gedanke daran ist für Bora (Name von der Redaktion geändert) nur schwer zu ertragen. Für ihre Mitschüler aus der 7a des Nordenhamer Gymnasiums ebenfalls. Sie wollen, dass Bora in Deutschland bleiben kann. Sie haben Unterschriften für das Mädchen gesammelt, das vor 19 Monaten mit ihren Eltern und ihrem jüngeren Bruder nach Nordenham gekommen ist. Ein Anwalt kämpft für die Interessen der Familie. Die Schule tut das ebenfalls. Für Klassenlehrer Markus Scharrer sind Bora und ihre Familie ein Musterbeispiel für erfolgreiche Integration. „Es wäre fahrlässig, sie wieder zurück in den Kosovo zu schicken“, sagt er.

Asylantrag abgelehnt

Aber genau dieses Schicksal droht dem zwölfjährigen Mädchen und ihrer Familie. Ihr Asylantrag ist abgelehnt worden. Im Juni hatten sie Bescheid bekommen, dass sie Deutschland innerhalb von einer Woche verlassen müssen. Der Anwalt der Familie hat zwar einen Aufschub bewirkt. Aber damit ist die Entscheidung nicht vom Tisch. Ihre ganze Hoffnung setzten Bora, ihr Bruder und ihre Eltern nun auf einen Antrag, den sie bei der Härtefallkommission des Landes Niedersachsen gestellt haben. Diese Kommission kann in Einzelfällen aus humanitären Gründen ein Aufenthaltsrecht gewähren.

Boras Eltern hatten in ihrem Asylantrag wirtschaftliche Gründe für ihre Flucht angegeben. Beide Eltern konnten trotz Vollzeitbeschäftigung ihre Familie nicht ernähren, berichtet Vera Eckermann. Die Leiterin der Sekundarstufe I am Gymnasiums steht in engem Kontakt mit der Familie und deren Anwalt. Sie möchte die öffentliche Meinung über so genannte Wirtschaftsflüchtlinge zurechtrücken. Sie verweist darauf, dass beide Elternteile inzwischen eine Arbeitsstelle gefunden haben und keinerlei Unterstützung vom Staat bekommen. Die Kinder haben feste Freundschaften geschlossen. Boras jüngerer Bruder besucht die fünfte Klasse des Gymnasiums. Aus Sicht des Anwalts sind das optimale Voraussetzungen, den Antrag auf ein Aufenthaltsrecht in Deutschland zu bewilligen.

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Bora lebt nicht einmal zwei Jahre in Nordenham, spricht aber inzwischen so gut Deutsch, als wäre sie hier geboten. Sie steht in allen Fächern auf einer Zwei oder Drei. Deutsch und Englisch sind ihre Lieblingsfächer in der Schule. Markus Scharrer beschreibt sie als sehr eifrig und engagiert. Im Klassenraum neben Bora sitzt ihre Freundin Daniela Wiesiolek. „Mit Bora kann man viel Spaß haben“, sagt die Zwölfjährige. Klassensprecher Erik Calzoni sagt über Bora, dass sie sehr nett und hilfsbereit ist. Für die Klasse 7a war es deshalb eine Selbstverständlichkeit, Unterschriften für den Verbleib von Bora zu sammeln. Die Schüler hoffen, dass sie damit etwas bewirken.

Lesen, Tanzen, Fußball

Bora selbst bleibt ebenfalls nur die Hoffnung auf ein besseres Leben in Deutschland. Sie will später einmal Lehrerin werden. Sie liest gerne und geht regelmäßig zum Tanzen beim SV Nordenham. Außerdem spielt sie Fußball und lernt seit drei Wochen erste Griffe auf der Gitarre. Ihre Mutter habe einen Job als Reinigungskraft, und ihr Vater arbeite im Hafen, sagt die Zwölfjährige.

Markus Scharrer, der eine Theater-AG am Gymnasium leitet, freut sich, dass Bora auch Interesse an der Schauspielerei hat. Im Weihnachtsmärchen, das er zurzeit mit Schülern einstudiert, spielt sie den Geist der zukünftigen Weihnachten. Markus Scharrer sagt: „Menschen, die sich so vorbildlich integrieren, sollten wir nicht wieder zurückschicken.“ Auch Schulleiter Klaus-Dieter Laske setzt sich für das Mädchen ein: „Aus pädagogischer Verantwortung und aus Fürsorge für eine gelungene Integration verbietet es sich, dieses Kind aus der Bundesrepublik Deutschland auszuweisen.“

Jens Milde Nordenham / Redaktion Nordenham
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