Butjadingen Manchmal haben Luca und Fynn Thevißen Glück. Dann treffen sie auf dem Weg zur Bushaltestelle ihre Oma, die gerade vom Brötchenholen aus den „Nah & frisch“-Markt kommt. Und wenn es richtig gut läuft, hat die Oma Gummibärchen für ihre Enkel dabei. Da fängt der Schultag gut an.

Das tut er für Luca und Fynn aber in der Regel auch ohne Oma und Gummibärchen. Der Zehnjährige und sein drei Jahre jüngerer Bruder wohnen in Eckwarden und gehören damit zu den vielen Kindern, die jeden Morgen mit dem Bus zur Schule fahren müssen – und mittags wieder zurück. Das macht den beiden Jungs aber nichts aus.

Davon abgesehen, dass die Busse nicht selten überfüllt seien und sich die Kinder an Bord gelegentlich in die Haare kriegen, gebe es auch ansonsten keine Probleme, ist Christine Thaden-Decken froh. Sie ist die Leiterin der Grundschule Burhave, die nach der Schließung der Schule in Stollhamm die einzig verbliebene in der Gemeinde ist.

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Viel Häuser, kurze Wege

Das Landesamt für Statistik hat vor Kurzem eine Erhebung veröffentlicht, nach der in Niedersachsen 61,7 Prozent der Grundschulen binnen fünf Minuten und 35,5 Prozent binnen zehn Minuten per Auto erreichbar sind. Laut einer dazugehörigen Karte wohnen die Kinder in Ballungsräumen in aller Regel weniger als 1500 Meter von ihrer Grundschule entfernt. Für das Gros der Landstriche in Niedersachsen gelten Entfernungen von zwischen 1500 und 3500 Metern.

Davon können Butjadinger Kinder nur träumen. Luca und Fynn etwa haben einen fast elf Kilometer langen Schulweg, und das auch nur, wenn man den schmalen und teils holperigen Mitteldeich in die Route mit einbezieht. Über Seeverns, Kampen und Iggewarden kämen weitere zwei Kilometer dazu. Über Tossens oder Stollhamm wäre es ein noch erheblich weiterer Weg.

So wie Luca und Fynn geht es auch vielen anderen Kindern, die die Grundschule in Burhave besuchen. Sie wohnen weit weg und sind auf Beförderung angewiesen. Das lässt sich auch mit Zahlen belegen.

144 Jungen und Mädchen zählt aktuell die Grundschule. 88 der Kinder – das sind 61 Prozent der gesamten Schülerschaft – wohnen laut Christine Thaden-Decken außerhalb von Burhave und haben einen Anspruch auf Beförderung mit dem Bus. Immerhin 19 Kinder (13 Prozent) wohnen so weit ab vom Schuss, dass ihnen auch der Weg zur Bushaltestelle nicht zuzumuten ist; sie werden auf Kosten des Landkreises mit dem Taxi befördert.

Eltern-Taxi

Nur 37 Schülerinnen und Schüler der 144 Kinder (26 Prozent) wohnen im Umkreis der Schule und haben keinen Anspruch auf Beförderung. Sie können mit dem Fahrrad oder zu Fuß zur Schule gelangen – was aber zum Bedauern der Schulleiterin in vielen Fällen nicht geschieht. Statt dessen werden die Jungen und Mädchen von ihren Eltern mit dem Auto gebracht und geholt.

Zuständig für die Schülerbeförderung ist der Landkreis Wesermarsch, der dieses Thema in einer im April 2016 verabschiedeten Schülerbeförderungssatzung regelt. Darin heißt es, dass Grundschüler einen Anspruch auf Beförderung haben, wenn sie mindestens zwei Kilometer von der Schule entfernt wohnen. Bei den weiterführenden Schulen – in Butjadingen die Zinzendorfschule – gelten mindestens 3,5 Kilometer Abstand.

Luca und Fynn macht es zwar nichts aus, mit dem Bus zu fahren, zumal es Bord nach ihren Erfahrungen nur selten Stress mit anderen Kindern gibt. Einer langer Tag ist es für sie aber doch. Um spätestens 7.30 Uhr verlassen sie das Haus, um morgens den Bus zu erwischen. Haben sie bis zur 6. Stunde Unterricht, fährt der Bus erst um 13.45 Uhr an der Schule ab und erreicht um 14.25 Uhr Eckwarden.

Detlef Glückselig Butjadingen / Redaktion Nordenham
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