Brake Eigentlich schreibt Ursula Jädtke nur für sich alleine. Mit den zu Papier gebrachten Worten will sie Erlebtes verarbeiten. „Das Schreiben hilft mir, mit dem Sterben und dem Tod umzugehen.“

Die 62-Jährige aus Golzwarden ist ehrenamtliche Hospizbegleiterin. 2011 hat sie bei der Diakonie einen Kursus gemacht, der sie auf die anspruchsvolle Aufgabe vorbereitet hat. Seitdem hat sie Sterbende viele Stunden begleitet, ist bei ihnen und ihren Angehörigen, spricht, streichelt, hört zu oder ist manchmal auch einfach nur da: „Auch der Tod gehört zum Leben.“ Aber auch vorher schon hatte sie einen unverkrampften Zugang zu einem Thema, das oft noch tabubehaftet ist. „Eigentlich hat mich das Thema immer schon begleitet.“

Weil Ursula Jädtke auch anderen die Angst vor dem Sterben nehmen möchte – dem eigenen Sterben und dem naher Angehöriger – hat sie sich entschlossen, einen Teil ihrer privaten Gedichte öffentlich zu machen: Anlässlich des Welthospiztages organisieren der ambulante Hospizdienst der Diakonie Wesermarsch sowie die Musikschule Wesermarsch einen Musik- und Lyrikabend.

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„Das Schreiben hilft mir, Erlebtes auszuhalten“, sagt Ursula Jädtke. Und nachdem zufällig jemand anderes einen Text gelesen habe, sei die Idee entstanden, dass die Texte auch anderen helfen könnten. Für Diakonie-Kreisgeschäftsführerin Karin Schelling-Carstens sind die Texte „Schätze, die sonst unbekannt bleiben würden“.

Vier bis fünf Gedichte – allesamt anonym und ohne Rückschlüsse auf Personen – wird Ursula Jädtke lesen. Untermalt werden sie mit Musik aus verschiedenen Epochen. Mitwirken werden Ömer Yakup Sayan (Klavier), Zhiar Amini (Violine) Heinrich Wedemeyer (Gitarre) sowie das Flötenensemble „Wood Tunes“ aus Jaderberg, allesamt Musiker der Musikschule Wesermarsch. Der besondere Abend beginnt am Freitag, 25. Oktober, um 19 Uhr in der Aula der Musikschule, Bürgermeister-Müller-Straße 35. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten.

„Es wird nicht tief traurig“, kündigt Musikschulleiter Thomas Schröder an, „aber seriös.“ Denn auch Ursula Jädtke betont: „Auch der Umgang mit Tod und Sterben muss nicht tief traurig machen. Er schenkt einem auch viele schöne Momente. Ja, es tut weh, Abschied zu nehmen. Aber das können auch ganz innige Momente sein.“

„Hospizarbeit ist auch Lachen und Humor“, sagt auch Monika Spiegelberg, seit einem Jahr Koordinatorin des ambulanten Hospizdienstes beim Diakonischen Werk. Sie vermittelt passende ehrenamtliche Begleitung, wenn ein Mensch lebensverkürzend erkrankt ist. „Man bekommt ganz viel vom Sterbenden und von den Angehörigen zurück. Das kann sehr bereichernd sein.“ Für sie geht es auch darum, „Sterben und Tod wieder in das eigene Haus zu lassen“. Heutzutage sei dies leider „total outgesourct“. Dabei könne einem Sterbenden nirgendwo die Atmosphäre geboten werden, die ihm von zu Hause aus vertraut sei.

Regelmäßig bildet die Diakonie ehrenamtliche Hospizbegleiter aus. 35 Ehrenamtliche sind derzeit in der Öffentlichkeitsarbeit und der hospizlichen Begleitung tätig. Vorbereitet werden sie in einem 95 Stunden umfassenden Kursus. Auch im kommenden Jahr will die Diakonie einen solchen wieder anbieten. „Hospizarbeit ist eine wunderbare Arbeit“, betont Monika Spiegelberg.

Der Welthospiztag wird jährlich am zweiten Samstag im Oktober begangen, in diesem Jahr demnach am 12. Oktober. Sein Ziel ist es, die Themen Sterben, Tod und Trauer in der Gesellschaft zu verankern und die gesellschaftliche Unterstützung der Hospiz- und Palliative Care-Bewegung auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene zu erhöhen. Der „Welt Hospiz- und Palliative Care Tag“, wie er offiziell heißt, wird von der Worldwide Palliative Care Alliance (WPCA) als Netzwerk von nationalen Hospiz- und Palliative Care Organisationen und weiteren Partnern veranstaltet und durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterstützt.

Markus Minten Leitung / Lokalredaktion
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