Brake /Oldenburg /Ovelgönne Auf Spurensuche zu theologischen Fragestellungen haben sich Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Schulen im Oldenburger Land gemacht. Der Grund: Die Nachwuchsförderung der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg hatte erstmals den Wettbewerb „Spurenelemente 17/18“ für Jugendliche in der Region ausgeschrieben. Aus den Facharbeiten, die eingereicht worden waren, hatte eine Jury anschließend vier Preisträgerinnen und Preisträger ermittelt. Zusätzlich zu den ersten drei Preisen wurde noch ein Sonderpreis vergeben. Ende Oktober fand dann die Preisverleihung im Lambertisaal der Oldenburger Lambertikirche statt.

In einer kleinen Feierstunde wurden die vier Preisträgerinnen und Preisträger geehrt. Musikalisch begleitet wurde dieser Abend von Popkantor Steffen Schöps und Verstärkung. Zur Jury des Wettbewerbs, die die eingereichten Arbeiten zu beurteilen hatte, gehörten: Pfarrerin Kerstin Hochartz (Leiterin der Arbeitsstelle für Religionspädagogik), Pfarrer Nico Szameitat (Referent für Theologische Grundsatzfragen und Gottesdienst) und Pfarrer Hartmut Lübben (Nachwuchsförderung der oldenburgischen Kirche). Die Wahl sei insgesamt schwergefallen, wie Oberkirchenrätin Annette-Christine Lenk in ihrer Ansprache betonte. Und die behandelten Themen waren nicht eben typisch für das, mit dem sich Jugendliche normalerweise beschäftigen: Da wurde sich mit der ersten Baptistengemeinde in Deutschland ebenso auseinandergesetzt wie mit der Auswanderung der Pilgerväter oder der Reformation in England.

Facharbeiten überzeugen

Letztendlich überzeugte die Jury die Arbeit von Frederik Ohlenbusch, der sich mit dem christlichen Sozialismus von Leonhard Ragaz und seiner Bibelinterpretation am Beispiel der Gleichnisse Jesu auseinandersetzte. Ohlenbusch hat im Sommer sein Abitur bestanden und studiert jetzt Ev. Theologie in Münster. „Sie haben es vollbracht, in ihrer zwölfseitigen Arbeit gleich zwei große Systeme zu beschreiben: die Theologie und den Sozialismus“, lobte Laudator Hartmut Lübben. „Wir haben beim Lesen einfach ihre Lust, ihre Neugier gespürt und im Übrigen eine Menge über Leonhard Ragaz gelernt.“ Dotiert ist der erste Preis mit 300 Euro.

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Der zweite Preis (200 Euro) ging an Annika Niewald vom Gymnasium Antonianum Vechta, die sich unter dem Thema „Zwischen Kreuz und Ährenkranz“ mit der Kirche in der DDR beschäftigte.

Der dritte Preis (100 Euro) ging an Miriam Rüther vom Oldenburger Graf-Anton-Günther-Gymnasium. Sie hatte sich mit Luther und der Musik der Reformationszeit beschäftigt.

Einen Sonderpreis gab es für Wiebke Uebachs vom Gymnasium Brake, die anhand konkreter Beispiele die Kindheit und Jugend zur Zeit des Nationalsozialismus in der Gemeinde Ovelgönne beleuchtete.

Die Themen der eingereichten Facharbeiten lauten:

• Wer diese Kunst kann, der ist von guter Art: Luther und die Musik der Reformationszeit. Recherchen und Untersuchungen (Graf-Anton-Günther-Schule Oldenburg)

• Zwischen Kreuz und Ährenkranz. Die Kirche in der DDR (Gymnasium Antonianum Vechta)

• Kindheit und Jugend zur Zeit des Nationalsozialismus in der Gemeinde Ovelgönne (Gymnasium Brake)

• Der christliche Sozialismus von Leonhard Ragas und seine Bibelinterpretation am Beispiel der Gleichnisse Jesu (KGS Rastede)

• „Non omnis moriar“ – Ich sterbe nie ganz. [zu: Bruno Frank, Chamfort erzählt seinen Tod] (Zinzendorfschule Tossens)

• Protestantismus und Bildung (Zinzendorfschule Tossens)

Johann Gerhard Oncken, der Gründer der ersten deutschen Baptistengemeinde (Zinzendorfschule Tossens)

• Die Reformation in England (Zinzendorfschule Tossens)

• Auswanderung um des Glaubens willen am Beispiel der Pilgerväter (Zinzendorfschule Tossens)

Ziel des Wettbewerbs war die Ermutigung zur Wahrnehmung und Reflexion theologischer Fragestellungen über die Grenze des Faches Evangelische Religion hinaus, so die Kirche. Die Beschäftigung mit Spurenelementen – Gedanken, Fragestellungen, Anmerkungen oder Einsichten – die nur in geringer Konzentration vorkommen und die nur bei genauem Hinsehen zu entdecken sind.

Nachwuchsprobleme

„Nicht selten kommen theologische Fragestellungen als so ein ‚Spurenelement’ in den unterschiedlichsten Lebensbereichen vor: in der populären Musik, in der Malerei, in der Literatur. Sie können den kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Diskurs begleiten und sogar prägen, ohne dabei selbst zu Tage zu treten. Theologische Fragen und Perspektiven wirken nicht selten latent: Sie sind da, aber treten nicht auf den ersten Blick in Erscheinung“, erklärt Initiator Pfarrer Hartmut Lübben, der in der oldenburgischen Kirche für die Nachwuchsförderung verantwortlich ist.

Für Lübben war der Wettbewerb ein Erfolg. Gleichwohl sieht er große Probleme auf die Kirchen zukommen: „Ähnlich wie in anderen Berufen hat auch die Kirche mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen. Und auch bei uns werden in den kommenden Jahren zahlreiche Pfarrer fehlen“, befürchtet er. Das erklärt Lübben einerseits mit dem demografischen Wandel und andererseits mit gesellschaftlichen Fragestellungen, wie den Stellenwert der Kirche in der Gesellschaft. Dabei seien Frömmigkeit oder eine christliche Erziehung weder Voraussetzung noch Normalität bei der Wahl eines Theologiestudiums, so Lübben. „Die meisten Studierenden wählen das Studium, weil sie sich mit religiösen Themen auseinandersetzen möchten.“

Für etwaige Nachfragen ist Lübben auch unter Telefon 0441/7701134 oder per Email unter hartmut.luebben@kirche-oldenburg.de erreichbar.

Neele Körner Redakteurin / Kanalmanagement
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