Brake „Ein Rückschritt für die Gleichberechtigung von Kindern mit Förderbedarf“, wie der Sozialverband Deutschland kritisiert, oder eine Chance für eine bessere Inklusion, wie der Kreisbehindertenbeirat Wesermarsch (KBR) meint? Die Pläne der Landesregierung zur Änderung des Schulgesetzes werden unterschiedlich bewertet. Das Land will eine Fortführung der Förderschulen im Bereich Lernen bis zum Schuljahr 2027/28 erlauben, letztmals könnten dann 2022/23 Schüler in die Klasse 5 aufgenommen werden. Zuletzt war dies 2016 möglich.

Norbert Harms hat dazu als Mann aus der Praxis eine ganz klare Meinung: „Das bietet die Möglichkeit, die Bedingungen für die Inklusion in einem längeren Zeitraum zu schaffen“, sagt der Leiter der Pestalozzischule in Brake. Das habe er – gemeinsam mit der Leitung der Schule am Siel (Nordenham) – auch gegenüber dem Landkreis vertreten.

Denn eine Meinung müssen sich auch die Kreistagsabgeordneten bilden. Sie entscheiden, ob der Landkreis einen Antrag stellt, den Förderschwerpunkt Lernen in Brake und Nordenham fortzuführen. Einen solchen Antrag würde Harms „ausdrücklich befürworten“. Allerdings, so der Förderschulleiter, müssten auch die Schulleiter der weiterführenden Schulen mit ins Boot geholt werden.

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Bis zum 31. Juli müsse der Antrag beim Land gestellt werden, sagt Uwe Ritter, beim Landkreis für Schulen zuständig. Noch warte die Kreisverwaltung auf konkrete Hinweise aus dem Ministerium. Inhaltlich soll sich der Schulausschuss mit dem Thema befassen. Der tagt am 15. Mai.

„Zu spät“, meint Harms. „Das muss vorher auf den Weg gebracht werden.“ Anfang August beginnt das neue Schuljahr, Eltern bräuchten Sicherheit. Erste Anfragen lägen bereits vor. Bisher kann Harms nur seine Hoffnung vermitteln, dass es eine fünfte Klasse mit Förderschwerpunkt Lernen geben wird.

Denn am Bedarf gibt es für den Schulleiter keinen Zweifel. In den Wesermarsch-Grundschulen ist Unterstützungsbedarf für 81 Kinder nachgewiesen, mehr als für jeden anderen Förderbereich.

Allerdings weist Harms auch darauf hin, dass „die Mängel in der Umsetzung“ der Inklusion bisher in erster Linie durch Personalmangel begründet seien. „Und die Frage stellt sich, ob diese Mängel behoben werden.“ Allein an seiner Schule fehlten mindestens drei Stellen, um allen Anforderungen gerecht zu werden. Im Zuge der Inklusion sind die Förderschullehrer in zunehmendem Maße in zur Unterstützung in Regelschulen in der gesamten Wesermarsch im Einsatz. „Die gewonnene Zeit muss genutzt werden, um eine Versorgung herzustellen, die dem Bedarf angemessen ist.“

Um die notwendigen Anstrengungen besser zu koordinieren, spricht sich Harms auch für den Aufbau eines „Regionalzentrums Inklusion“ als Koordinierungsstelle im Landkreis aus. Ein Antrag sei gestellt und solle ungeachtet der Diskussion um den Förderschwerpunkt Lernen aufrecht erhalten werden.

Der Kreisbehindertenbeirat sieht durch die Verlängerung für die Förderschule Lernen wieder einen „Schonraum für die Schüler, den sie im derzeitigen Schulsystem nicht finden“. Der Beirat fordert eine „radikale Veränderung des Schulsystems“, um es inklusiv nennen zu dürfen. Dafür brauche es ausgebildete Pädagogen, angemessene Räume, Nachteilsausgleiche und eine Stimmung an Schulen, die die individuellen Stärken und Interessen aller Schüler in den Fokus nimmt, nicht den Leistungsgedanken.

Markus Minten Leitung / Lokalredaktion
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