Nordenham Und plötzlich wummert laute Musik durch die Schulstraße des Nordenhamer Gymnasiums. Aber der junge Mann im Zebrakostüm kann noch so herumzappeln. Niemand nimmt ihn zur Kenntnis. Die Blicke seiner Mitschüler kleben an den Displays ihrer Smartphones. Nach kurzer Zeit bricht der Tänzer sein Buhlen um Aufmerksamkeit ab. Die jüngeren Schüler, die sich um die Gruppe geschart haben, beobachten irritiert, was hier passiert.

Am Donnerstagmorgen in der großen Pause findet ein Flashmob in der Schulstraße statt. Der Begriff ist die neudeutsche Bezeichnung für einen kurzen, scheinbar spontanen Menschenauflauf, zu dem sich die Teilnehmer in der Regel über das Internet verabreden.

Moderne Kunstform

Für Sina Schierloh, die am Gymnasium Kunst unterrichtet, ist ein Flashmob auch eine moderne Kunstform. Vor allem dann, wenn er eine Botschaft vermittelt. Und die Botschaft, die die Schüler ihres Kurses mit ihrer Aktionskunst vermitteln wollen, ist naheliegend: Es geht um den Handykonsum. Sind Smartphones Kommunikationskiller im alltäglichen Umgang miteinander? Die Schüler aus dem 11. und 12. Jahrgang des Gymnasiums geben einen Anstoß zum Nachdenken.

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Sina Schierloh hat das Thema in ihrem Kunstkurs behandelt. Darin geht es in erster Linie um moderne Kunstformen. Die Botschaft haben sich die Schüler selbst ausgesucht. Es gab mehrere Vorschläge: Umweltschutz zum Beispiel. Aber auch ein ganz spezifisches Nordenhamer Anliegen: die ungewisse Zukunft der Wesermarsch-Klinik. Letztlich entschieden sich die Schüler für das Thema Handy-Konsum.

Nach dem Flashmob hängen sie in der Schulstraße selbst gestaltete Plakate auf. Und darin geht es nicht darum, Smartphones zu verteufeln. Die Schüler listen die Vorteile auf: die ständige Erreichbarkeit, die schnelle Verfügbarkeit von Informationen, Spiele, Kamera, MP3-Player, Navigationsgerät. Aber es gibt eben auch Gefahren. Handysucht zum Beispiel. Die Gymnasiasten haben recherchiert, dass in 2012 insgesamt 40 000 Jugendliche davon betroffen waren. Viele mussten sich in Behandlung begeben.

Gibt es auch im Kurs von Sina Schierloh Schüler, die sich für handysüchtig halten? Nein. Aber einige Hände schnellen bei der Frage schon in die Höhe. Avin Ibrahim sagt: „Ich gucke alle zehn Minuten aufs Handy. Ich weiß nicht, ob das eine Sucht ist. Vielleicht ist das eine Gewohnheit.“ Julia Kraulska sagt: „Ich weiß nicht, ob ich süchtig bin. Aber es würde mir schwer fallen, eine Woche auf mein Handy zu verzichten.“

Eine Gruppe des Kurses hat einen Handy-Verhaltenskodex erarbeitet. Wann sollte das Smartphone in der Tasche bleiben? So lautete die Frage. „Bei den Hausaufgaben zum Beispiel“, sagt Stefanie Meyer. Aber natürlich auch bei vielen anderen Gelegenheiten: beim Essen zum Beispiel und grundsätzlich in Gesellschaft.

Nicht abgekoppelt

Auf die Frage, ob jemand im Kunstkurs von Siena Schierloh kein Smartphone besitzt, meldet sich lediglich Natalie Maas. Und sie steht auch dazu: „Ich finde es nervig, wenn man ständig mit dem Handy beschäftigt und nicht mehr ansprechbar ist.“ Natalie Maas fühlt sich deshalb nicht vom allgemeinen Kommunikationsfluss abgekoppelt.


NWZ TV    zeigt einen Beitrag unter   www.nwz.tv/wesermarsch 
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Jens Milde Nordenham / Redaktion Nordenham
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