Abbehausen „Warenaustausch zwischen den Hansestädten und den Marschen“ – so lautete das Thema des heimatkundlichen Klönabends des Rüstringer Heimatbundes. Zu Gast war Professor Dr. Hansjörg Küster von der Leibniz-Universität Hannover. Er ist auch Präsident des Niedersächsischen Heimatbundes. Knapp anderthalb Stunden dauerte der Vortrag des Biologen im Landhotel Butjadinger Tor in Abbehausen. Er erhellte sowohl viele geschichtliche als auch naturwissenschaftliche Erkenntnisse.

Wenn es nach Hansjörg Küster ginge, wäre das Wattenmeer nicht nur Weltnaturerbe, sondern ebenso Weltkulturerbe. Denn die etwa 20 Marschen an der niederländischen, deutschen und dänischen Nordseeküste seien einzigartig. Vor allem nach dem Bau der Deichlinie entwickelten sich hier intensive Handelsbeziehungen. Exportgüter in die Handelszentren Bremen und Hamburg waren unter anderem Getreide, Obst, Kohle und Ziegel. „Jede Marsch hatte ein anderes Gesicht“, berichtet er.

Obstanbau

Noch heute dominiert beispielsweise im Alten Land der Anbau von Obst, in Dithmarschen dagegen die Kohltradition. In den ersten 60 Jahren nach der Trockenlegung durch den Deichbau waren die Böden der Köge so fruchtbar, dass überhaupt nicht gedüngt werden musste.

Die Erträge auf den Feldern übertrafen dennoch alle Erwartungen der Marschbauern und zogen intensive Handelsströme zu den Hansestädten nach sich. Auf speziellen Frachtschiffen, den so genannten Tjalken und Ewern, wurden die Handelsgüter in die Häfen der Hansestädte transportiert.

Der Handel ab dem 13. Jahrhundert begründete laut Hansjörg Küster den Reichtum in Städten wie Hamburg und Bremen sowie in den Marschen. Der enorme Wohlstand spiegelte sich unter anderem in der Architektur – auch im Kirchenbau – wider. „Wer reich ist, zeigt gerne, dass er reich ist.“

Aber auch zu Zeiten der noch unbedeichten Marschen waren die Handelsbeziehungen schon ausgeprägt. Denn ohne das an der unmittelbaren Küste nicht vorhandene Holz für den Hausbau und das Beheizen wäre ein dauerhaftes Leben auf den Wurten gar nicht möglich gewesen, zumal Korn nur in geringem Maße angepflanzt werden konnte. Folglich mussten Getreide und Bauholz importiert werden. Exportgüter waren dank der salzhaltigen Böden vor allem Felle, Wolle, Leder, Fleisch, Fisch und Milchprodukte. Die Verladung in Geest-Gebiete erfolgte sowohl auf dem Wasser- als auch auf dem Landweg.

Winzige Lebewesen

Letztendlich gehen die Besiedlung und der Reichtum der nährstoffreichen Marschen auf die Kieselalgen zurück. Denn diese winzigen einzelligen Lebewesen, die sich milliardenfach auf der Wattoberfläche bilden, sind quasi die Grundlage der Landgewinnung, weil sie als Primärproduzenten aus Nährstoffen, Wasser und Licht organische Substanz bauen. Und ohne die Kieselalgen würde das Wattenmeer nicht zu den produktivsten Ökosystemen überhaupt gehören.

Der nächste heimatkundliche Klönabend findet am Dienstag, 1. Oktober, im Landhotel Butjadinger Tor statt. Dann wird Theo Köhne aus Blexen über die Festungsinsel Langlütjen referieren.

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