Zell Am Ziller Applaus und Gejohle brandete von einem Balkon im Zillertaler Team-Hotel des Fußball-Bundesligisten Werder Bremen herunter, als Milot Rashica am Donnerstag seine Gesprächsrunde mit den Medien-Vertretern beendete. Davy Klaassen hatte offenbar großen Spaß daran, dass sein eher zurückhaltender Mitspieler diesen Presse-Termin wahrnehmen musste. Rashica nahm Klaassens Neckerei mit Humor. „Es ist doch schön, dass wir uns anders als vor einem Jahr jetzt alle besser kennen.“

Kennen tut man Rashica allerdings inzwischen ganz generell im Fußball-Zirkus. Schließlich ist der Angreifer in der Rückrunde der vergangenen Saison regelrecht aufgeblüht. Einem Treffer sowie einer Tor-Vorlage gleich an den ersten beiden Spieltagen folgte eine lange Durststrecke, seit dem 7. Dezember aber stand er mit Ausnahme der wegen Rückenproblemen verpassten Partie gegen Eintracht Frankfurt stets auf dem Platz und zwar nahezu immer in der Start-Elf. In diesen 23 Spielen von Bundesliga und DFB-Pokal erzielte Rashica elf Treffer und bereitete fünf weitere Tore der Grün-Weißen direkt vor.

Erst Reservist oder Joker, dann Leistungsträger der Bremer Offensive. Ein rasanter Aufstieg für den jungen Kosovaren. Dazu die Wertschätzung von Trainer Florian Kohfeldt, der seinen Außenstürmer wegen dessen Schnelligkeit „Rakete“ nennt. Meistens ist Rashica mit Ball schneller als seine ihn erfolglos verfolgenden Gegenspieler ohne. „Am Anfang war mir der Spitzname etwas befremdlich, ich habe den Trainer erstaunt angeschaut. Inzwischen aber ist das okay für mich“, sagt Rashica.

Für jemanden aus einem sich immer noch von den Folgen eines brutalen Krieges erholenden Landes kommt der Begriff „Rakete“ natürlich zunächst einmal anders herüber. „Für unsere Freiheit sind viele gestorben“, sagt Rashica. Inzwischen aber versteht er die Bedeutung des Spitznamens so wie er auch die Ideen seines Trainers immer besser versteht. „Weil ich in der Rückrunde oft gespielt habe, kann ich die Taktik besser umsetzen.“ Die Adaption hat erstaunlich schnell Früchte getragen. „Je mehr ich mich zeigen konnte, desto mehr habe ich mich verbessert und desto mehr Tore habe ich erzielt“, meint Rashica.

Eine Entwicklung, die natürlich nicht im Verborgenen geblieben ist. Angebote, Rashica aus seinem bis 2022 laufenden Kontrakt herauszukaufen, sind Werder ins Haus geflattert. So hat Benfica Lissabon wohl rund 18 Millionen Euro geboten, ist jedoch bei Sportdirektor Frank Baumann abgeblitzt und auch Rashica selbst sieht aktuell keinen Anlass, dem Osterdeich den Rücken zu kehren. „Es gibt derzeit keinen Grund zu gehen und ich habe auch keinen Plan für einen Zeitpunkt zum Wechsel im Kopf“, so der Kosovare. Wenn überhaupt, dann hat diesen sowieso sein Berater Altin Lala im Kopf. Glücklicherweise ist der frühere Profi von Hannover 96 in dieser Branche einer der Seriösen. Lala könnte seinem Klienten daher sogar eine Vertragsverlängerung in Bremen zur Winterpause empfehlen. „Ich bin der Meinung, dass Milots Entwicklung am besten bei Werder voranschreiten kann“, sagt Lala.

Sollte bis zum 2. September jedoch noch ein Angebot jenseits von 25 Millionen Euro eingehen, müsste sich Werder damit beschäftigen. Zu klein ist aktuell der finanzielle Spielraum – auch wenn Rashica bei Werder jetzt alle und alles besser kennt.

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