Düsseldorf /Bremen Der, der die schier nicht enden wollende Durststrecke seit dem 10. März dieses Jahres zu größten Teilen gar nicht miterlebt hatte, drückte aus, wie viel Anspannung bei Werder Bremen durch den Last-Minute-Sieg bei Fortuna Düsseldorf abfiel. „Man hat gemerkt, was das für ein Brustlöser war. Dieser Sieg war so wichtig“, sagte Trainer Markus Anfang nach dem 3:2 (1:0) am zweiten Zweitliga-Spieltag und betonte: „Es ist wahnsinnig wichtig, dass du das Gefühl des Gewinnens wiederbekommst.“

Kuriose Nachspielzeit

Dieses Gefühl kannte Werder in einem Ligaspiel seit jenem 10. März und einem 2:0 bei Arminia Bielefeld nicht mehr. Es folgte der beispiellose Absturz mit neun Niederlagen und einem Remis, aus dem der Abstieg aus der Fußball-Bundesliga resultierte. Nun, eine Woche nach dem 1:1 gegen Hannover 96, hatten alle Bremer endlich Grund zum Jubeln, weil Maximilian Eggestein in einer verrückten Nachspielzeit in der 96. Minute per Elfmeter zum 3:2 traf. „Ich habe nicht viel überlegt. Einer muss es ja machen. Was die Mentalität angeht, war das überragend“, sagte Eggestein. Erst in der 94. Minute hatte die Fortuna durch Khaled Narey ausgeglichen, doch Werder hatte die passende Antwort in diesem 99-minütigen Krimi noch parat. „Es war ein Wechselbad der Gefühle“, stellte Kapitän Ömer Toprak passend fest.

Sargent trifft doppelt

Mit vier Punkten aus den ersten beiden Spielen gegen zwei namhafte Rivalen ist der Neustart in Liga zwei punktemäßig gelungen. Der Sieg kaschierte aber nicht die vielen Schwächen und Unsicherheiten, die im Bremer Spiel zu sehen sind. Speziell in den ersten 15 Minuten hatte Werder reichlich Glück, dass das Team nicht in Rückstand geriet. Der erste Pflichtspiel-Doppelpack von Joshua Sargent (39./64. Minute) beim zwischenzeitlich Ausgleich durch Torjäger Rouwen Hennings (47.) hätte eigentlich für den Sieg reichen müssen, doch Werder verteidigte bei Nareys Tor schlampig. „Zufrieden sind wir nicht, weil wir gegen Hannover über weite Strecken kein gutes Spiel gemacht haben. Heute war es besser und trotzdem müssen wir uns noch steigern“, bilanzierte Eggestein.

Wer geht, wer kommt?

„Es ist ein Prozess. Wir sind abgestiegen, waren in einem Negativstrudel und haben jetzt ein neues Spielsystem. Auch heute war es lange schwierig, aber wir haben dagegengehalten“, fasste Kapitän Toprak die Situation zusammen. Die Frage, ob die Leistungsträger wie Sargent, Eggestein und eben Toprak tatsächlich bleiben (das Transferfenster schließt erst am 31. August), kreist allerdings weiter über alle Grün-Weißen. Werder bestätigte am Samstag sein Interesse am norwegischen Mittelfeldspieler Fredrik Aursnes (25) von Molde FK. Speziell bei den Abgängen, die aufgrund der finanziellen Situation notwendig sind, ist es aber sehr ruhig.

Fortuna in Oldenburg

Bei der Fortuna saß der Frust nach der späten Niederlage zunächst tief. „Der Zorn ist verraucht. Wir schauen nach vorn und müssen schnell lernen“, sagte dennoch Vorstandsmitglied Klaus Allofs am Sonntag. Der frühere Bremer Sportchef tritt mit den Düsseldorfern nun am kommenden Sonntag, 8. August (15.30 Uhr) in der ersten Runde des DFB-Pokals beim Oberligisten VfL Oldenburg im Marschwegstadion an. Werder gastiert indes bereits am Samstag (15.30 Uhr) an der Bremer Brück beim Neu-Drittligisten VfL Osnabrück.

Lars Blancke Redakteur / Sportredaktion
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