Bremen Es wirkte so, als ob die Beine der Spieler von Werder Bremen aufgrund des Wintereinbruchs taub vor Kälte gewesen wären. Im Tiefkühlschrank Weserstadion waren die Fußballer von der Weser 45 Minuten lang gegen Schalke 04 zu steif, zu passiv, immer einen Schritt zu langsam. Erstarrt von der Möglichkeit, sich in wärmere Tabellengefilde abzusetzen, zeigte Werder eine Leistung zum Abgewöhnen. Nach der Halbzeitpause aber waren die Bremer endlich aufgetaut, liefen sogar richtig heiß und verhinderten mit dem 1:1 (0:1) gegen das Schlusslicht, dass die Stimmung in den kommenden Tagen unterkühlt gewesen wäre.

Eiskalt verzockt

Zur Analyse dieses wechselhaften Auftritts gehört gleichwohl, dass sich Trainer Florian Kohfeldt mit seiner Taktik eiskalt verzockt hatte. Werder stellte sich mit einer Fünferkette ganz tief in die eigene Defensive, tat nahezu nichts für das Spiel nach vorne – dieser Plan war im letzten Heimspiel gegen den FC Augsburg (2:0) aufgegangen. Kohfeldt aber muss sich die Frage stellen: Ist so ein destruktiver Ansatz gegen völlig verunsicherte Schalker, die nun 20 Auswärtsspiele in Serie nicht gewonnen haben, richtig? Müsste Werder mit dem Selbstvertrauen aus zwei Siegen in den letzten drei Partien in einem Heimspiel gegen den Tabellenletzten nicht viel mutiger agieren, um die Schwächen des Gegners zu bespielen?

Werder tat dies nicht – und mit jedem Querpass, jeder Ballstafette wurden die Schalker selbstbewusster und fanden besser ins Spiel. Die Führung durch Omar Mascarell in der 38. Minute war die logische Konsequenz aus Werders Passivität. „Wir haben überhaupt nicht das gespielt, was wir wollten. Wir wollten stabil stehen, aber nicht tief“, rechtfertigte Kohfeldt, der mehrfach lautstark sowie erfolglos versucht hatte, seinem Team während der ersten 45 Minuten einzuheizen. Die erste Halbzeit, so der Coach, sei „kollektiv und individuell sehr schlecht“ gewesen.

Kühl korrigiert

Hatte der Trainer mit seiner Taktik seinen Anteil an der sicherlich eisigen Atmosphäre in der Kabine, so zog er dann aber die richtigen Schlüsse. Felix Agu, Romano Schmid und Jean-Manuel Mbom waren überfordert, der Coach zeigte sich kühl zu seinen zuletzt herzerwärmend spielenden Talenten und wechselte das Trio aus. „Die Jungs waren nicht an ihrem Leistungslimit. Das ist normal, sie haben zuletzt richtig gute Leistungen gezeigt“, ordnete Kohfeldt ein. Die erfahrenen Ludwig Augustinsson, Milot Rashica und Kevin Möhwald ersetzten sie – und hatten einen maßgeblichen Anteil daran, dass der Bremer Motor richtig heiß lief.

Heiße Schlussphase

Denn auf einmal spielte Werder so, wie das Team in dieser Saison noch überhaupt nicht gespielt hatte. Die Gastgeber ließen Ball und Gegner laufen, waren kreativ und energisch, spielten sich etliche gute Torchancen heraus. Schalke wirkte wie erstarrt und bettelte um die nächste Niederlage. Der Ausgleich von Möhwald nach Vorarbeit von Rashica war in der 77. Minute überfällig – und danach hatte Werder noch fünf gute Chancen auf den Erfolg. Gekrönt wurde die heiße Schlussphase durch das vermeintliche Siegtor von Maximilian Eggestein in der 93. Minute, doch der Videobeweis zeigte, dass Theodor Gebre Selassie bei seinem Assist knapp im Abseits gestanden hatte. „Wir haben dann eine der besten Halbzeiten gespielt. Den Gegner eingeschnürt, nichts zugelassen, viele Chancen herausgespielt, ein super Tor gemacht“, lobte Kohfeldt – und muss dennoch darüber nachdenken, ob sein destruktiver Ansatz in der ersten Halbzeit das Bremer Team unnötig zum Erstarren gebracht hatte.

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Lars Blancke Redakteur / Sportredaktion
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