Bremen /Barsinghausen Thomas Schaaf wollte keine Zeit verlieren. Schon um kurz vor zehn Uhr stand die Werder-Legende am Montagmorgen in Barsinghausen auf dem Trainingsplatz und bereitete das erste Training seiner schweren Rettungsmission vor. Fast auf den Tag genau acht Jahre nach dem Ende seiner Double-Ära an der Weser muss der 60-Jährige nun in kürzester Zeit versuchen, eine völlig verunsicherte und leblose Mannschaft mit überschaubaren sportlichen Fähigkeiten so wieder aufzurichten, dass sie am Samstag gegen Gladbach oder über den erneuten Umweg der Relegation doch noch den ersten Abstieg seit 41 Jahren verhindert.

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Sorgen, dass sein in Bremen guter Ruf im Falle eines Abstiegs aus der Fußball-Bundesliga leiden könnte, macht sich die Werder-Legende keine. „Ich mache mir weniger Gedanken um meine Person. Das ist nicht wichtig. Es ist viel entscheidender, das Gefühl zu haben, vielleicht noch etwas leisten und helfen zu können“, sagte Schaaf. Werder hatte sich am Sonntag von Chefcoach Florian Kohfeldt getrennt. Die Bremer stehen aktuell auf dem Relegationsplatz 16 und haben nur einen Punkt Vorsprung auf den 1. FC Köln auf Rang 17.

Als Geschäftsführer Frank Baumann ihn am Samstagabend angerufen habe, habe er nur kurz überlegt, sagte Schaaf, der als Technischer Direktor eh schon für Werder tätig ist. „Weil ich mit dem Verein so verbunden bin und so eine Historie habe. Es ist eine Herzensangelegenheit“, sagte Schaaf.

Am Montag war Schaaf zusammen mit seinem Langzeit-Co-Trainer Wolfgang Rolff bereits in seinem Element. Egal, ob an der Taktiktafel oder beim Beobachten des Torschuss-Trainings - Schaaf schaute ganz genau hin und griff immer wieder ein. „Natürlich hat man bestimmte Positionen für Samstag schon im Kopf, die sich nun verfestigen oder ändern können“, sagte Schaaf, der am Sonntagmorgen auch mit Kohfeldt telefoniert hatte. „Ich hätte mir gewünscht, dass Florian Kohfeldt die Saison zu Ende bringt und vielleicht auch noch viele Jahre Trainer in Bremen ist.“

Doch nun ist es Schaaf, der in der Verantwortung steht und seinen Herzensclub vor dem Absturz retten muss. Wie 1999, als der Ex-Profi seine Trainerkarriere an der Weser begann und Werder im Schlussspurt erst zum Klassenerhalt und wenig später zum Pokalsieg führte. Zwar sei die Gesamtsituation des Vereins auch damals nicht gut gewesen. „Ich würde das aber nicht miteinander vergleichen“, sagte Schaaf.

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Ein bisschen in der Historie kramen will er aber doch. Wenn auch in der jüngeren Vergangenheit. „Wir haben ja Spieler, die schon gezeigt haben, was sie für Potenzial haben. Jetzt müssen wir es schaffen, dass sie dieses Potenzial auch wieder auf den Platz bringen“, sagte Schaaf, der den zuletzt harmlosen Stürmern Niclas Füllkrug, Davie Selke, Milot Rashica und Josh Sargent daher ein paar Videos mit alten Treffern zeigen wird.

„Und dann geht es darum, gegen Gladbach aktiv zu sein.“ Tritt Werder gegen die Borussia so aktiv auf wie Schaaf am Montag, kann es mit der Rettung tatsächlich noch etwas werden. Und Schaaf hätte seinem Ruf als Double-Coach noch den des erfolgreichen Retters hinzugefügt.

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