München Sechs Siege aus sechs Spielen, und das mit 24:5 Toren – diese Bilanz muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Und das Ganze hat der FC Bayern auch noch in der Champions League geschafft. Das ist Rekord: Ohne Punktverlust hat noch nie eine deutsche Mannschaft die Vorrunde der Königsklasse abgeschlossen – und die sechs Teams, denen das überhaupt schon gelang, hatten kein so starkes Torverhältnis. Und bei diesen Bayern soll Werder an diesem Samstag (15.30 Uhr) eine Chance haben? Absolut!

Denn es gibt nicht nur die Champions-League-Bayern – es gibt auch die Bundesliga-Bayern! Und die sind so schwach und harmlos wie schon lange nicht mehr. Platz sieben ist für die Münchner indiskutabel. Vor diesen Bundesliga-Bayern müssen die Bremer keine Angst haben – da hat Werder in dieser Saison schon gegen stärkere Teams zumindest einen Punkt geholt: Dortmund (3.), Freiburg (5.) und Leverkusen (6.).

Die Statistik spricht zwar eindeutig für die Münchner. Doch auch wenn der letzte Sieg gegen den Rekordmeister mehr als elf Jahre zurückliegt und unter den zuletzt 20 Niederlagen in Serie (17 in der Liga, drei im DFB-Pokal) einige Packungen (0:7, 0:6, 0:5) dabei waren – das ist alles Schnee von gestern, meint Werder-Trainer Florian Kohfeldt: „Spielt keine Rolle. Die letzten zehn Jahre sind mir egal.“

Der Grund ist klar: Die Bremer stecken gerade selbst in einer akuten Krise, da muss der Blick im Hier und Jetzt bleiben – oder zumindest der näheren Vergangenheit. Denn die 0:1-Pleite gegen den SC Paderborn vom Sonntag steckt immer noch in den Bremer Köpfen: „Wir müssen, wir wollen, wir sind wütend über die Leistung gegen Paderborn“, erklärte Kohfeldt, der gegen die derzeitige Schwächephase des SVW, der mit 14 Punkten aus 14 Spielen nur auf dem 14. Platz steht, angehen möchte. Dafür sieht er zwei Wege: „Wir warten, bis die Phase irgendwie vorbei ist“ – oder „Aktiv dagegen wehren“. Er entschied sich für letzteren, und hat dafür auch ein Rezept: „Wütend sein und dies in Energie umwandeln.“

Zwar meinte er auch, dass die Münchner nach den beiden Niederlagen zuletzt gegen Mönchengladbach und Leverkusen „noch wütender als wir“ sein dürften – doch darin sieht Kohfeldt eine Chance.

Einen Vorteil haben die Bremer gegenüber den Bayern: Keine Trainerdiskussion. Die gibt es an der Weser trotz Krise nämlich nicht. „Es ist positiv, dass diese Frage nicht im Raum steht. Es ist etwas, was uns auch auszeichnet“, sagte Kohfeldt – den der Tabellenstand und der große Rückstand auf die eigentlich anvisierten Europapokalplätze aber dennoch beschäftigt: „Die Gesamtsituation nagt an uns allen.“ Deshalb sollen in den drei Spielen bis Weihnachten unbedingt Punkte her, sechs hat sich Sportchef Frank Baumann auf den Wunschzettel geschrieben.

Der Hinrunden-Endspurt startet jedoch bei der „stärksten deutschen Mannschaft“ (Kohfeldt). Gut, dass Werder wenigstens nicht bei den Champions-League-Bayern antritt, sondern bei den Bundesliga-Bayern.

Mathias Freese Redakteur / Sportredaktion
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