London Mesut Özil ist Weltmeister. Er ist spanischer Meister, DFB-Pokalsieger, dreimal englischer Pokalchampion, einmal spanischer Pokaltriumphator. Er ist U-21-Europameister, deutscher A-Jugendmeister. Kurzum: Özil ist einer der besten und erfolgreichsten Weltfußballer des vergangenen Jahrzehnts.

Zu viele Kapriolen

Seit einiger Zeit aber ist er mehr für seine Kapriolen abseits des Platzes statt für seine genialen Pässe auf dem Rasen bekannt. Es klang wie ein Hilferuf, als der Edelreservist von Arsenal London am Dienstag auf Instagram schrieb: „Ich bin bereit.“ Beim 2:1-Sieg seines Clubs am Mittwochabend gegen den englischen Meister FC Liverpool tauchte der 31-Jährige aber einmal mehr nicht im Kader auf – Rückenprobleme nannte der Club offiziell als Grund.

Mit Schirm auf Tribüne

Seit der Wiederaufnahme nach der Corona-Pause hat der Ex-Nationalspieler, obwohl er mehrmals geäußert hatte, bereit zu sein, keine Einsatzminute bekommen – und erregte nur Aufmerksamkeit, als er während des 2:0-Erfolgs beim FC Southampton mit einem roten Schirm als Ersatzspieler Schutz vor der Sonne suchte. Danach wurde der Weltmeister von 2014 von Trainer Mikel Arteta nicht mehr berufen.

Knapp zwei Jahre nach seinem spektakulären Rücktritt aus der deutschen Nationalmannschaft droht Özils Zeit bei den „Gunners“ ebenfalls nicht geräuschlos zu Ende zu gehen. Özil ist Arsenals Topverdiener, sein Ruf in England inzwischen desaströs. Immer wieder wird ihm, wie auch zum Ende seiner Zeit in der Nationalmannschaft, mangelnde Einstellung vorgeworfen. „Ich setze auf Spieler, die sich unserer Kultur zu 100 Prozent verpflichtet fühlen. Und auf Spieler, die jeden Tag dem gerecht werden, was wir von ihnen erwarten“, sagte Arteta undurchsichtig, als er auf Özil angesprochen wurde.

Scharfe Kritik der Medien

In Englands bekannt harten Medien wird der 31-Jährige indes regelrecht zerlegt. Sky-Experte und Ex-Arsenal-Profi Paul Merson bezeichnete den früheren Star von Real Madrid als „einen der schlechtesten Spieler der Welt“, wenn er den Ball nicht an den Füßen habe. „Nennt mir einen Schlechteren“, fragte der ehemalige englische Nationalspieler: „Wenn dein Team den Ball gerade nicht hat, wird Mesut Özil ihn ganz sicher nicht für dich zurückerobern. Weder für Liebe noch für Geld. Ich habe noch nie einen Spieler gesehen, der dann so wenig Interesse zeigt.“

Den Wirbel, den er bei Schalke 04, Werder Bremen (Özil erzielte das Siegtor bei Werders letztem Pokalsieg im Jahr 2009 zum 1: 0 gegen Bayer Leverkusen), Real Madrid und in der Nationalelf im offensiven Mittelfeld entfachte, hat man lange nicht mehr gesehen. Nur ein Tor und zwei Vorlagen bei lediglich 18 Einsätzen in dieser Premier-League-Saison sind für ein Talent wie Özil ein Debakel.

Beeindruckende Zahlen

Dabei war Özil eigentlich immer der Mann für den letzten oder vorletzten Pass. Zum Vergleich: In Bremen kam er zwischen 2008 und 2010 auf 54 Vorlagen und 16 Tore in 108 Pflichtspielen. In Madrid lieferte Özil von 2010 bis 2013 mit 80 Vorlagen und 27 Toren in 159 Pflichtspielen beeindruckende Zahlen ab. Dazu kommen 40 Vorlagen und 23 Treffer in 92 Länderspielen. Auch in London (seit 2013) sind seine Werte mit 77 Vorlagen und 44 Toren in 254 Pflichtspielen durchaus gut – nur sie werden von Saison zu Saison immer schlechter.

Für noch mehr Wirbel als auf dem Platz sorgte Özil am 22. Juli 2018, als er mit einer dreiteiligen Bekanntmachung seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft über die sozialen Netzwerke veröffentlichte. Rassistische Anfeindungen und fehlende Rückendeckung durch den Deutschen Fußball-Bund nach den Fotos mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan nannte er als Hauptgründe dafür. Für sportliche Schlagzeilen sorgte er danach kaum noch.

Zukunft offen

Der langjährige Mittelfeldzauberer tauchte bei den Heimspielen zuletzt nur noch auf, weil der Ex-Bremer das neue Trainingsshirt des FC Arsenal am Spielfeldrand auf der Werbebande präsentierte. Ob er es allerdings jemals tragen wird, ist völlig offen. Özils Vertrag läuft 2021 aus. Arsenal würde seinen bestbezahlten Spieler gern abgeben. Ein Abschied aus London, erklärte der Deutsch-Türke in der Vergangenheit mehrmals, war bislang aber kein Thema.

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Lars Blancke Redakteur / Sportredaktion
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