Hannover Der Pokal hat im Fußball ja bekanntlich seine eigenen Gesetze. Und auch seine eigenen Geschichten. Selten wurde das deutlicher als beim Landespokal-Finale am Samstag im Eilenriede-Stadion in Hannover. Beim 3:2-Erfolg von Atlas Delmenhorst gegen den TuS Bersenbrück, der den Oberligisten in die erste Runde des DFB-Pokals in der kommenden Saison hievt, stand vor 1877 Zuschauern ein Spieler im Mittelpunkt, der sonst eher in der zweiten Reihe zu finden ist.

Thade Hein hat bisher während zwei Spielzeiten in der Oberligamannschaft insgesamt 30 Spiele absolviert. Lediglich neun davon gingen über die volle Distanz. Dabei erzielte er „nur“ drei Treffer. Das Delmenhorster Eigengewächs, das aus der SG JDH Delmenhorst zum SV Atlas gewechselt war, entpuppte sich in Hannover aber als einer der spielentscheidenden Faktoren im Endspiel.

In der zwölften Spielminute reagierte Hein nach einem Freistoß und einer Kopfballverlängerung des starken Karlis Plendiskis am schnellsten und jagte den Ball aus kurzer Entfernung zum 1:0 in die Maschen. Auch beim zweiten Treffer waren beide Akteure beteiligt. In der 40. Minute bekam die Bersenbrücker Hintermannschaft den Ball im Anschluss an eine Ecke nicht geklärt, der zweite Ball wurde von Plendiskis auf das Tor geköpft. Bersenbrücks Torwart konnte den Ball nur abklatschen, Hein bedankte sich mit dem 2:0.

In der Halbzeitpause war die Partie für Hein dann vorzeitig beendet, aufgrund einer Bänderdehnung musste er seinen starken Auftritt beenden. Nach Spielende erfuhr er dann eine besondere Würdigung: Der 1. Vorsitzende des SV Atlas, Manfred Engelbart, putzte ihm persönlich noch auf dem Platz die Schuhe. „Ich freue mich wahnsinnig. An diesem Spiel hing ganz viel dran“, sagte Engelbart. Die Teilnehmer an der ersten DFB-Pokalrunde dürfen nämlich nicht nur auf das große Los hoffen, sondern haben auch ein TV-Geld von 115 000 Euro bereits sicher.

Der Rest des Spiels ist indes schnell erzählt. Atlas dominierte über eine Stunde, traf durch Marco Priessner nach schöner Flanke von Patrick Degen sogar zum 3:0 (49.), dann schwanden aber die Kräfte. Nach Aaron Goldmanns Treffer zum 1:3 durch einen abgefälschten Freistoß (64.) war der TuS das bessere Team. In der 85. Minute klatschte der Ball an die Latte des Delmenhorst Gehäuses, 60 Sekunden später gelang dann Goldmann der Anschlusstreffer zum 2:3.

Atlas kämpfte nun aufopferungsvoll und warf sich in jeden Ball. Immer wieder mussten Spieler aus Delmenhorst wegen Krämpfen behandelt werden. Zu allem Überfluss prallten Plendiskis und Bersenbrücks Abwehrspieler David Leinweber in der Nachspielzeit noch unglücklich mit den Köpfen zusammen, spielten aber nach kurzer Behandlungspause mit einem Turban weiter. Mit Glück und Geschick überstand Delmenhorst die Schlussoffensive und feierte nach dem Schlusspfiff ausgelassen mit den rund 1100 mitgereisten Fans den Einzug in den DFB-Pokal.

Noch offen ist, wo Atlas die Partie austragen wird. Das eigene Stadion an der Düsternortstraße dürfte die Auflagen kaum erfüllen. Als Ausweichmöglichkeiten gelten das Weserstadion, der Platz 11 am Weserstadion, auf dem normalerweise die Reserve von Werder Bremen spielt, oder das Oldenburger Marschwegstadion – entscheidend ist natürlich, wie groß der Name des Gegners ist, der bereits am 15. Juni ausgelost wird.

Volkhard Patten Nordwest-Fußball / Redakteur
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