Hamburg Große Teile des Fußball-Nordens hatten sich schon auf ein Derby zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV gefreut (oder davor gebangt), als der SV Sandhausen dazwischenfunkte. Der Zweitligist HSV verlor am Sonntagnachmittag am letzten Spieltag im eigenen Stadion mit 1:5 gegen Sandhausen, verpasste den Sprung auf Rang drei – dann hätte der Club die Relegationsspiele gegen den Erstliga-Drittletzten Werder Bremen bestritten – und musste somit dem 1. FC Heidenheim diesen Platz überlassen. Kurios: Die Heidenheimer verloren ihre Partie beim Zweitliga-Meister Arminia Bielefeld deutlich mit 0:3, dürfen nun aber trotzdem gegen Werder um einen Platz in der Bundesliga spielen. Nach dem Abstieg aus der Bundesliga im Jahr 2018 und dem zweimal verpassten Wiederaufstieg geht der HSV somit 2020/21 in seine dritte Zweitliga-Spielzeit.

Die desolate Leistung gegen Sandhausen ließ auf Nervenflattern schließen, in der Struktur und Selbstvertrauen zerbröselten. „Die Beine waren schwerer, die Köpfe langsamer“, sagte Vereinspräsident Marcell Jansen: „Es ist durch nichts zu entschuldigen.“

Schon die Spielzeit 2018/19 hatte der HSV auf dem vierten Platz abgeschlossen. In dieser Saison war die Spezialität der Hamburger, in der Nachspielzeit Gegentore zu kassieren. Allein nach der Corona-Pause unterlief ihnen das in neun Partien fünf Mal. Sechs Punkte wurden so verschenkt. Das Abwehrverhalten der Mannschaft war generell nicht da, wo es Trainer Dieter Hecking haben wollte. Insbesondere die Innenverteidigung mit Rick van Drongelen und Timo Letschert, aber auch in Vertretung mit Gideon Jung, Jordan Beyer und Ewerton leistete sich reihenweise Patzer. Die Entwicklung des Teams blieb stehen. Heckings Versuch mit der Dreierkette ging in die Hose, das Umkehrspiel wurde häufig verschleppt. Rückpass ging vor Tempo. Einige Profis wie Bakery Jatta und Adrian Fein erlebten einen rasanten Leistungsschwund.

Trainer Hecking, dessen Vertrag sich nur bei Aufstieg automatisch verlängert hätte, will bleiben. Er will die Mission Aufstieg in der nächsten Saison vollenden. Sportvorstand Jonas Boldt und Jansen tendieren auch dazu. Was über Jahre beim HSV fehlte, ist Kontinuität. Seit 2010 sind 13 Trainer ausprobiert worden, alle hatten ihre eigenen Vorstellungen von Spielsystemen und Spielertypen.

Am Sonntag setzte Dennis Diekmeier den Schlusspunkt. Der Verteidiger, der von 2010 bis 2018 bei den Hamburgern gespielt hatte, markierte in der Nachspielzeit den fünften Treffer der Gäste. Es war erst das zweite Tor in seiner Profikarriere, das erste hatte er Ende Mai erzielt.

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