Bremen Ömer Toprak hat mit seinen 32 Jahren viel gesehen im Profifußball. „Ich bin lange dabei, ich habe aber so etwas nicht erlebt“, gab der Kapitän von Werder Bremen einen Einblick, was im Team los gewesen sein muss. Erst die Nachricht am Donnerstagabend, dass gegen Markus Anfang wegen eines angeblich gefälschten Impfpasses ermittelt wird. Am Freitag die Bestätigung der Staatsanwaltschaft sowie der Rückhalt des Fußball-Zweitligisten für den die Vorwürfe bestreitenden Coach. Am Samstag in der Früh der Schock: Anfang tritt nach nur 172 Tagen als Bremer Trainer wegen des Vorwurfs der Impfpassfälschung zurück. „Irre ist nett ausgedrückt. Es war ein richtiger Scheiß-Tag“, meinte Niclas Füllkrug nach dem 1:1 gegen Schalke 04.

Was sagt Werder?

„Der Vorwurf, der im Raum steht, ist massiv“, sagte Frank Baumann. Mit tiefen Augenrändern kommentierte der Sportchef das Aus für Anfang, der mit seinem gemeinsamen Rücktritt mit Co-Trainer Florian Junge einer Freistellung zuvor kam. „Wir hätten uns aufgrund der Indizienlage natürlich auch mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen auseinandergesetzt. Erst einmal mit dem Thema Beurlaubung, aber dann eventuell auch mit einer Verdachtskündigung“, sagte Baumanns Geschäftsführer-Kollege Klaus Filbry.

Wie lief das Drama ab?

Es waren dramatische Stunden rund um den nicht zur Ruhe kommenden SV Werder. Am Freitagabend wurde die Polizei am Weserstadion vorstellig mit einem Durchsuchungsbeschluss für die Wohnung von Anfang. Da dieser kooperierte, seinen Impfausweis und weitere Unterlagen aushändigte, kam es nicht zur Durchsuchung der Wohnung. „Wir haben durch den Besuch der Polizei eine sehr klare Indizienlage präsentiert bekommen. Markus Anfang hat diese auch präsentiert bekommen und daraus dann seine Schlüsse gezogen“, sagte Filbry.

Was sagt Markus Anfang?

Anfangs Vertrag wurde ohne Abfindung sofort aufgelöst. „Damit ist für uns die Akte Markus Anfang geschlossen“, unterstrich Filbry deutlich. Eine Verfehlung eingeräumt hat der 47-Jährige, der am Freitag noch vehement seine Unschuld beteuert und angegeben hatte, geimpft zu sein, bislang nicht. Die Tatsache, dass er seinen Rücktritt einreicht, sagt aber viel. Die Trainerkarriere des Ex-Profis dürfte erst mal beendet sein. „Inwieweit der Impfausweis tatsächlich falsch ist, das werden wir zeitnah klären können“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Bremen, Frank Passade.

Wie reagiert Frank Baumann?

Baumann, der Anfang nach dem Abstieg als Fachmann für Liga zwei verpflichtet hatte, war die Enttäuschung anzusehen: „Es wäre in der heutigen Zeit stark zu verurteilen, wenn jemand während der Pandemie den Impfausweis fälscht. Das muss jetzt nicht heißen, dass Markus das auch getan hat. Aber falls doch, muss man mit aller Härte vorgehen.“

Wie läuft die Trainersuche?

Für Werder beginnt die Trainersuche damit neu. Baumann sprach von einem Vorteil, dass man sich im Sommer ausführlich mit dem Thema beschäftigt hat: „Es hilft, dass wir den Trainermarkt sehr ausführlich gescannt haben.“ Bereits damals galt Ole Werner (33) als Kandidat, er stand aber bei Holstein Kiel unter Vertrag. Nachdem er dort Mitte September freiwillig zurückgetreten war, ist er nun frei und wäre eine logische Lösung. Aus dem Bremer Umfeld ist gleichwohl zu hören, dass die Vereinsführung nach dem nun gescheiterten „Externen“ Anfang gern wieder einen Ex-Werderaner als Coach an der Linie hätten. Torsten Frings (44) könnte so einer sein, agierte zuletzt beim Drittligisten SV Meppen aber glücklos. Tim Borowski (41) passt in diese Liste, war als Co-Trainer von Florian Kohfeldt jedoch Teil des Bremer Abstiegs. Miroslav Klose (43) ist hingegen nach seiner Zeit als Co-Trainer beim FC Bayern laut eigener Aussagen bereit für den ersten Cheftrainerposten. Ein erfahrener, freier Mann mit Werder-Vergangenheit ist zudem Bruno Labbadia (55.). Es sei der Wunsch, eine schnelle Lösung zu finden, „aber es ist auch wichtig, dass wir den Richtigen finden. Das kann ein paar Tage dauern“, sagte Baumann.

Lars Blancke Redakteur / Sportredaktion
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