Bremen Am Ende gab es Pfiffe von den Rängen. Was als stimmungsvoller, für 14 000 nach langer Corona-Auszeit zugelassene Fans im Weserstadion feierlicher Abend begann, endete mit einem weiteren enttäuschenden Auftritt von Werder Bremen. Neue Liga, neuer Trainer – aber das zu großen Teilen aus Spielern der Abstiegssaison besetzte Team zeigte beim 1:1 (0:0) gegen Hannover 96 alte Probleme. Es legte mit seinem „durchwachsenen Spiel“, wie es Keeper Michael Zetterer geschönt ausdrückte, vielmehr schonungslos offen, wie weit der Weg zu einem Wiederaufstieg für den Neu-Zweitligisten sein wird.

Das sagt Anfang

„Das ist die 2. Liga. So ist die 2. Liga. Daran müssen wir uns leider gewöhnen“, sagte Trainer Markus Anfang nach dem Remis in seinem ersten Pflichtspiel. Er wisse, wie schwer diese Klasse sei, und dass jeder jeden schlagen könne. Anfang, der engagiert an der Seitenlinie coachte und vor allem in der Schlussphase, in der Hannover nahe am Siegtor war, immer wieder lautstark versuchte, sein Team zu ordnen, dämpfte abermals die Erwartungen: „Insgesamt merkt man, dass das Team aus einer schweren Saison kommt. Es ist ein Prozess, das sind Menschen und keine Maschinen, das darf man nicht vergessen. Es kann nicht gleich alles funktionieren.“

Werder Bremen - Hannover 96 1:1

Werder Bremen M. Zetterer - Mbom, Mai, Toprak, A. Jung - M. Eggestein - Nik. Schmidt (89. Groß), Osako (82. Woltemade) - Sargent, Agu (74. Schmid) - Füllkrug (82. J. Eggestein). Hannover 96 Zieler - Muroya, M. Franke, Falette, Hult - Do. Kaiser, Ernst - Stolze (78. Ochs), Kerk (67. Weydandt), Muslija (67. Maina) - Ducksch. Schiedsrichter Robert Kampka (Mainz). Zuschauer: 14 000. Tore: 1:0 Falette (49./Eigentor), 1:1 Ducksch (55.)

Anfangs neue Ideen

Das tat es auch bei weitem nicht. Der für Angriffsfußball bekannte Coach setzte auf ein 4-3-3-System. In Anthony Jung (unauffällig), Lars Lukas Mai (solide) und Niklas Schmidt (gute Akzente und Torvorlage) standen drei Zugänge in der Startelf. Vor allem im Mittelfeld überraschte Anfang: Vor Maximilian Eggestein spielten Schmidt und Yuya Osako auf den Halbpositionen – eine sehr offensive Ausrichtung. Die beiden Außenangreifer waren ebenfalls unerwartet Felix Agu auf links und Joshua Sargent auf rechts. Zentral stürmte Niclas Füllkrug.

Werders alte Probleme

Das Spiel ist schnell erzählt: Werder begann, angetrieben von den Fans, in beiden Halbzeiten gut – und wurde in der 49. Minute durch ein Eigentor von Simon Falette (im Kopfballduell mit Ömer Toprak) mit dem 1:0 belohnt. Werder baute aber in beiden Halbzeiten stark ab – und wurde mit dem 1:1 durch Marvin Duksch (55.) nur leicht bestraft. Speziell in der Endphase hatten die Gäste drei, vier große Siegchancen. Die Bremer besaßen zwar deutlich mehr den Ball als in der Abstiegssaison und versuchten mit scharfen Flachpässen ihr Spiel aufzubauen. Vorne tauchten aber Füllkrug, Sargent, Agu oder auch Osako immer mehr ab, je länger das Spiel dauerte. „Hinten raus haben wir den Faden verloren, sind unruhig geworden“, erkannte Anfang. Sein Team habe ordentliche Phasen gehabt, „aber wir sind nicht aus den Zwischenräumen in die Tiefe gekommen.“ Ein Problem, das Werder nicht erst seit der vergangenen Spielzeit mit sich herumträgt.

Werders neue Probleme

Ein neues Problem ist, das Anfang sein Team einfach nicht einspielen kann. Schon am kommenden Samstag (20.30 Uhr/Sport  1) bei Fortuna Düsseldorf könnte es einige Veränderungen geben. Spieler wie Ludwig Augustinsson (gegen Hannover nach EM noch nicht im Kader) drängen auf einen Abgang. Andere, wie der erst spät eingewechselte Johannes Eggestein, passen nicht in Anfangs Spielidee mit zwei echten Flügelstürmern und sollen noch bis zum 31. August verkauft werden. Eben jene Außenstürmer stehen stattdessen noch auf der Wunschliste des Trainers, der untermauerte: „Das Ziel ist der Wiederaufbau und diesen Prozess begleiten wir Woche für Woche, um eine Stabilität ins Spiel zu bekommen.“

Lars Blancke Redakteur / Sportredaktion
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.