Bremen Die Stimmen ähnelten sich am frühen Samstagabend im Weserstadion. „Wir haben vergessen, den Sack zuzumachen. Ein Punkt ist einfach zu wenig, wir treten auf der Stelle“, sagte Leonardo Bittencourt. Sein Teamkollege Maximilian Eggestein dachte bereits an das Saisonziel Europapokal und meinte, „wenn wir das erreichen wollen, müssen wir solche Spiele gewinnen“. Und ihr Trainer, Florian Kohfeldt, war sogar richtig angefressen: „Ich bin sehr sauer, zwei Punkte verschenkt zu haben. Es fühlt sich wie eine Niederlage an.“

Das 1:1 (1:0) von Werder Bremen gegen Hertha BSC stimmte niemanden in Grün-Weiß zufrieden. Waren die beiden 2:2-Remis zuletzt in Dortmund und Frankfurt noch jeweils als Punktgewinne zu werten, hatten die Bremer dieses Mal zwei Zähler leichtfertig hergegeben.

Denn eigentlich, auch da waren sich alle Beteiligten einig, zeigte Werder nach dem frühen 1:0 durch Joshua Sargent (7. Minute) gegen den Tabellennachbarn eine gute Vorstellung. „Fußballerisch war das eine der besten Saisonleistungen. Wir haben uns viele Chancen herausgespielt und guten Kombinationsfußball gezeigt“, lobte Kohfeldt, um dann gefrustet festzustellen: „Darum ärgert es mich umso mehr.“

Die starke Einzelleistung von Herthas Dodi Lukebakio (70.) hatte den Gastgebern so richtig die Laune verhagelt. Zustande kommen konnte sie aber nur, weil Werders Theodor Gebre Selassie sowie Torschütze Sargent ihren Gegenspieler viel zu passiv attackierten – sie ließen den Berliner Rekordeinkauf (20 Millionen Euro) einfach ziehen.

Dass Werder in den ersten acht Saisonpartien immer mindestens ein Gegentor bekommen hat, ist eines der Hauptprobleme in der frühen Saisonphase. Ein anderes ist, dass die vorhandenen Chancen effektiver genutzt werden müssen. Das Fehlen der beiden treffsichersten Angreifer Niclas Füllkrug (Kreuzbandriss) und Yuya Osako (Muskelverletzung) machte sich bei den guten Tormöglichkeiten gegen die Berliner besonders bemerkbar.

Es hätte, das darf man bei allem Frust über den vergebenen Erfolg nicht vergessen, sogar noch schlimmer kommen können. Denn in der 12. Minute holte Werder-Torwart Jiri Pavlenka Hertha-Stürmer Vedad Ibisevic eindeutig im Strafraum von den Beinen – warum weder Schiedsrichter Felix Brych noch der Video-Referee in Köln eingriffen, bleibt bei Betrachtung der TV-Bilder ein Rätsel. „Ich spiele seit über zehn Jahren Fußball in Deutschland und werde immer wieder überrascht. Ich habe das Gefühl, dass gepfiffen worden wäre, wenn ich ein anderer Spieler wäre“, glaubte Ibisevic, dass sein schlechter Ruf entscheidend für den Nicht-Pfiff war.

Mit neun Punkten aus acht Spielen droht Werder indes, sich in der unteren Hälfte der Tabelle einzunisten. Fünf Zähler Rückstand sind es auf die neuntplatzierten Leverkusener, bei denen auf die Bremer am kommenden Samstag (18.30 Uhr) einen schwierige Aufgabe wartet. Danach geht es für Werder gegen Freiburg, nach Mönchengladbach, gegen Schalke und nach Wolfsburg – ebenfalls ausschließlich Teams aus der Spitzengruppe der Bundesliga. „Wenn wir im April auf Tuchfühlung sind, dann ist Crunch-Time. Bis dahin ist Warm-up“, hofft Kohfeldt, dass Werder zunächst einmal nicht den Anschluss an die vorderen Plätze verliert – und dann mit der Rückkehr mehrerer Stammkräfte eine Serie starten kann.

Lars Blancke Redakteur / Sportredaktion
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