Bremen Am 8. Dezember 2019 fand ein Schlüsselspiel in dieser Saison für Werder Bremen statt. Nicht vom Ergebnis her, diese waren schon vorher schlecht gewesen. Aber an jenem Sonntagabend im Weserstadion traf der Paderborner Sven Michel in der 93. Minute jeden Bremer tief ins Mark. Sein Tor zum 1:0 setzte selbst die kühnsten Optimisten unter Fans, Spielern und Verantwortlichen unter Schock und brachte die knallharte Erkenntnis: Diese Bremer Mannschaft ist längst nicht so gut, wie sie sich zuvor geredet hatte. Und bei diesem Bremer Team geht so ziemlich alles schief, was schief gehen kann.

Rund sechs Monate später hat sich die Erkenntnis knallhart bewahrheitet. Waren die Leistungen vor jenem Schlüsselspiel gegen den Aufsteiger noch recht ordentlich, hatte die Blamage gegen die Ostwestfalen deutlich weitreichendere Folgen als nur das Ausbleiben von drei fest eingeplanten Punkten. Fortan saß der Gedanke, dass man sich überschätzt hatte, dass man tiefgehendere Probleme als die zu diesem Zeitpunkt lange Verletztenliste hatte und dass es in dieser Spielzeit gegen den Abstieg gehen würde, fest in jedem Kopf.

Die Leistungen wurden immer schlechter, das Selbstvertrauen geringer, eigene Tore gab es kaum noch, An diesem Samstag (15.30 Uhr) könnte es nach dem zweiten Schlüsselspiel bei den Paderbornern eine nicht weniger einschneidende Gewissheit geben: Gewinnt Werder nicht, dürfte der zweite Abstieg der Clubgeschichte kaum mehr zu verhindern sein.

Holt Werder indes drei Punkte, sind die Chancen auf das Erreichen des Relegationsplatzes weiter intakt. Manager Frank Baumann betonte, dass es „kein Endspiel“ in Ostwestfalen sei. Das Spiel sei „brutal wichtig“, aber es gebe danach noch weitere neun Punkte zu vergeben: „Der Druck ist von ganz alleine sehr hoch, den müssen wir nicht zusätzlich erhöhen.“ Die Partie sei aber ohne Zweifel ein „Schlüsselspiel“, meinte Baumann.

Um in diesem nächsten großen Schlüsselspiel zu bestehen, benötigt Werder vor allem eine bessere Offensive. Zu harmlos, zu ideenlos, zu körperlos – so sahen die Bemühungen häufig aus in dieser Saison. Florian Kohfeldt hat seinen Schlüssel zu einem verbesserten Angriff auch nach 30 Spieltagen mit nur 30 geschossenen Toren nicht gefunden. Deswegen hat der Trainer noch einmal verstärkt die Zielstrebigkeit in der Offensive trainieren lassen. „Wir haben viele Situationen, die gefährlich werden können, die aber nicht gefährlich werden“, sieht Kohfeldt in erster Linie das Problem von schlechten Lösungen im letzten Drittel. „Wie spielen wir drei gegen zwei aus? Wie spielen wir vier gegen zwei aus? Das war im Video ein Thema. Da haben wir gegen Wolfsburg nahezu immer die falsche Entscheidung getroffen“, erklärte der Coach.

Immerhin kehren in Niclas Füllkrug und vielleicht auch Routinier Claudio Pizarro zwei Schlüsselspieler in den Kader zurück, beide zentralen Stürmer werden aber – wenn überhaupt – nur von der Bank aus kommen. Ob die Offensivkräfte Milot Rashica (Schlag auf den Knöchel) und Leonardo Bittencourt (Hüftprellung) helfen können, entscheidet sich erst kurzfristig.

„Jeder kennt die tabellarische Situation. Es ist ein unglaublich bedeutsames Spiel für uns“, sagte auch Kohfeldt. Ein Schlüsselspiel eben. So, wie es am 8. Dezember 2019 eines war. Nur dieses Mal kann der SV Werder sich keinen weiteren Patzer leisten.

NWZ Bundesliga-Tippspiel 20/21
Wer wird Tippspiel-König 20/21? Am besten gleich mittippen und jeden Spieltag um einen 50€-Gutschein von Möbel Weirauch spielen!

Lars Blancke Redakteur / Sportredaktion
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.