Bremen Es war auch ein 22. Mai. Der Gegner hieß auch Borussia Mönchengladbach. Der Trainer von Werder Bremen hieß auch Thomas Schaaf – und er war auch angetreten, um den Verein vor dem zweiten Abstieg der Vereinsgeschichte zu bewahren. Die Parallelen zwischen dem Jahr 1999 und dem Jahr 2021 sind schon kurios. Wenn Schaaf an diesem Samstag (15.30 Uhr), dem 22. Mai, Werder wie auf den Tag genau vor 22 Jahren gegen Borussia Mönchengladbach vor dem immer noch zweiten Erstliga-Abstieg des Clubs retten will, werden Erinnerungen an damals wach.

Andere Ausgangslage

Die Ausgangslage war an jenem sommerlichen 22. Mai 1999 im mit 36 000 Zuschauern gefüllten Weserstadion aber doch eine andere. Es war nicht Schaafs erstes Spiel, seit er als Retter (damals war er nicht Interims-, sondern gleich Cheftrainer) eingesprungen war, sondern sein drittes – aber letztlich das entscheidende. Spiel eins nach der Trennung von Felix Magath hatten Schaafs Bremer mit 1:0 gegen

Die Statistik des Spiels

Werder Bremen: Rost - Trares, Wojtala, Dabrowski (61. Eilts), Todt, Wiedener, Frings (88. Flock), Wicky, Maximow, Herzog (63. Brand), Bode. Trainer: Thomas Schaaf. Borussia Mönchengladbach: Albustin - Andersson (65. Schneider), Asanin, Sopic (46. Reiter), Hausweiler, Eberl, Frontzeck, Deisler, Witeczek, Ketelaer (46. Feldhoff), Pettersson. Trainer: Rainer Bonhof.

Tore: 1:0 Albustin (6., Eigentor), 2:0 Todt (12.), 3:0 Wicky (50.), 3:1 Asanin (68.), 4:1 Maximow (84.).

Schalke 04 gewonnen. Spiel zwei unter seiner Regie endete mit einem 3:1-Auswärtserfolg bei 1860 München. So hatte Werder gegen die Gladbacher am vorletzten Spieltag die im Vergleich zu heute komfortablere Ausgangslage, mit einem Sieg den Klassenerhalt bereits perfekt machen zu können.

Klarer Spielverlauf

Diese Chance ließ sich die Schaaf-Elf gegen das bereits abgestiegene Schlusslicht aus Mönchengladbach nicht nehmen. Ein Eigentor von Gäste-Torwart Thorsten Albustin (6. Minute) sorgte früh für das Bremer 1:0. Schnell erhöhte Jens Todt auf 2:0 (12.), sodass die Bremer, angetrieben von Andreas Herzog und Torsten Frings im Mittelfeld, früh aufatmen konnten. Raphael Wicky (50.), der vom Fachmagazin „Kicker“ zum Spieler des Spiels gewählt wurde, und Juri Maximow (84.) schraubten das Ergebnis in der zweiten Halbzeit in die Höhe. Mit drei Siegen aus seinen ersten drei Partien und nun vier Punkten Vorsprung auf Platz 16 (dieser bedeutete damals noch den direkten Abstieg) hatte Schaaf mit Werder den Verbleib in Liga eins gesichert.

Anfang einer Ära

Der geglückte Klassenerhalt war der Anfang einer Ära, die in die Geschichte des Vereins einging. Drei Wochen später gewann Werder überraschend das Pokalfinale gegen Bayern München mit 6:5 im Elfmeterschießen. Schaaf feierte zudem mit dem Double bestehend aus Meisterschaft und Pokal im Jahr 2004 den größten Erfolg der Vereinsgeschichte und legte sein Amt erst nach 14 Jahren nieder.

Und heute ?

Nun kehrt er auf die Bundesliga-Bühne zurück. Als Retter für ein, möglicherweise für drei Spiele, sollte Werder in die Relegation müssen. Die Aufgabe gegen viel stärkere Gladbacher als damals ist kompliziert. Werder kann direkt absteigen, sich aber auch direkt retten. Um seinen guten Ruf, das hat Schaaf betont, fürchtet er nicht. „Ich mache mir weniger Gedanken um meine Person“, sagte der 60-Jährige Anfang der Woche. Gelingt ihm mit Werder am Samstag noch einmal das, was er am 22. Mai 1999 geschafft hat, ist das dieses Mal nicht der Anfang einer Ära – sondern das Ende einer speziellen Erfolgsgeschichte.

Lars Blancke Redakteur / Sportredaktion
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