Bremen Helmut Kohl war Bundeskanzler (und sollte dies auch noch mehr als zehn Jahre bleiben), und die Übertragungsrechte für die Spiele der Fußball-Bundesliga waren gerade erstmals von der ARD zum aufstrebenden Privatsender RTL gewandert. Eine mögliche deutsche Wiedervereinigung war in der breiten Öffentlichkeit wegen der frostigen deutsch-deutschen Beziehungen kein Thema, und Lothar Matthäus erklärte, dass er demnächst von Bayern München zu Inter Mailand wechseln werde. Und auf Schulhöfen tauschten Schülerinnen und Schüler Disketten aus, auf denen sich die neuesten Spiele für den C64 befanden. Ach ja, und auch ohne Smartphone kamen die meisten Menschen im Alltag einigermaßen klar.

In dieser Zeit, die so weit weg erscheint, verloren die Fußballer von Werder Bremen letztmals ein Heimspiel im DFB-Pokal. Am 13. April 1988, einem Mittwoch, unterlagen die damals von Otto Rehhagel trainierten Bremer im Halbfinale vor 20 000 Zuschauern im Weserstadion Eintracht Frankfurt mit 0:1. Torschütze für die Hessen, die später durch einen 1:0-Finalsieg gegen den VfL Bochum im Berliner Olympiastadion auch den Pokal gewannen, war Mittelfeldspieler Frank Schulz in der 45. Minute.

Nach mehr als 31 Jahren droht diese Serie nun zu reißen. An diesem Mittwoch (20.45 Uhr/ARD) empfangen die Bremer zum Halbfinalspiel den Rekord-Pokalsieger und Bundesliga-Tabellenführer Bayern München. Zwar gewann Werder seit der Niederlage gegen Frankfurt alle seine folgenden 37 Heimspiele im DFB-Pokal, ein Heimduell mit dem FC Bayern war aber nicht dabei.

„Wir haben den Vorteil, dass wir zu Hause spielen. Wir glauben, dass wir das schaffen können“, sagt Claudio Pizarro, der für Spiele zwischen Bremen und München der Experte schlechthin ist. Neun Jahre lang stand er insgesamt beim FC Bayern unter Vertrag, am Ende dieser Saison wird der inzwischen 40-Jährige auch neun Werder-Jahre auf dem Buckel haben. Schon im Jahr 2000 zählte er zur Bremer Mannschaft, die das Pokalfinale gegen den FC Bayern in Berlin mit 0:3 verlor. Später spielte er nach seinem Wechsel nach München dort mit Niko Kovac (47) zusammen, der nun als Bayern-Trainer ins Weserstadion kommt.

Die ungewöhnliche Heimbilanz der Bremer im Pokal hat ihre Gründe natürlich auch in der über Jahrzehnte gefestigten Heimstärke. Auf der anderen Seite brachten sich die Bremer durch eine Auswärtsschwäche aber um weitere Heimspiele gegen stärkere Gegner. Zwischen den Spielzeiten 2010/11 und 2014/15 bestritten die Bremer kein einziges Heimspiel im Pokal. Und das lag vor allem daran, dass das Team in drei aufeinanderfolgenden Jahren jeweils in der ersten Runde gegen drittklassige Teams ausschied (2011/12 – 1:2 beim 1. FC Heidenheim; 2012/13 – 2:4 nach Verlängerung bei Preußen Münster; 2013/14 – 1:3 nach Verlängerung beim 1. FC Saarbrücken).

Das Halbfinal-Aus gegen die Frankfurter vor 31 Jahren konnten die Bremer übrigens gut verschmerzen. Nur drei Wochen nach dem Pokalspiel gewann Werder am 3. Mai 1988 am 31. Bundesliga-Spieltag durch ein Tor von Karl-Heinz Riedle mit 1:0 bei der Eintracht und wurde so vorzeitig Meister.

Die bisherigen Pokalspiele zwischen Bremen und München: 15. Dezember 1973 Achtelfinale: Bremen - München 1:2.

20. Februar 1982 Viertelfinale: Bremen - München 1:2 n.V.

12. November 1996 Achtelfinale: München - Bremen 3:1.

12. Juni 1999 Finale: München - Bremen 5:6 n.E.

6. Mai 2000 Finale: München - Bremen 3:0.

15. Mai 2010 Finale: München - Bremen 4:0.

26. Oktober 2010 2. Runde: München - Bremen 2:1.

19. April 2016 Halbfinale: München - Bremen 2:0.

Hauke Richters Leitung / Sportredaktion
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