Bremen Dieter Eilts hat seine Aufgabe gefunden. Während Oliver Bierhoff, Jürgen Klinsmann und viele weitere seiner Teamgefährten der Europameistermannschaft von 1996 ihr Geld nach wie vor im Fußball verdienen, hat sich Eilts vor einiger Zeit für einen anderen Weg entschieden. Der 55-Jährige arbeitet mit Kindern statt mit Profisportlern – und zwar als Betreuer an einer Grundschule.

„Ich wollte mich noch mal verändern, und die Arbeit mit Kindern macht mir sehr viel Spaß“, sagt Eilts. An der Freien Evangelischen Bekenntnisschule in Bremen unterstützt er Schüler bei den Hausaufgaben, macht gemeinsam mit seinen Kollegen Bastel- oder Sportangebote und hilft, Konflikte zu lösen.

„Es gibt mir eine hohe Zufriedenheit, wenn ich Kindern helfen kann, denen es nicht gut geht, so dass es ihnen danach besser geht“, erklärt Eilts seine Motivation. „Wenn die Kinder abgeholt werden und ich merke, sie wollen eigentlich noch da bleiben und es hat ihnen bei uns Spaß gemacht, ist das einfach etwas, was mich zufriedenstellt.“

Als Profisportler brachte Eilts seine klare und robuste Spielweise den Spitznamen „Eisen-Dieter“ ein. Neben dem Platz war der Ostfriese schon immer eher ein ruhiger Typ. Die große Öffentlichkeit, das Rampenlicht, den Promistatus – das alles hat er nie gesucht. Eilts ist jemand, der überlegt, bevor er etwas sagt. Er wählt seine Worte genau. Der Job im Offenen Ganztag passt zu ihm.

„Er ist ein sehr bescheidener Mensch und hat in keiner Weise irgendwelche Starallüren oder so etwas“, beschreibt Schulleiterin Barbara Stangenberg ihren Mitarbeiter. Eilts sei „ruhig und besonnen“, seine Art im Umgang mit Kindern und Kollegen „sehr angenehm“. Durch ihre Eltern wissen die Kinder zwar von Eilts’ Fußballer-Laufbahn. „Das spielt bei meiner Arbeit aber eigentlich keine Rolle“, sagt er.

Nach der Karriere schlug Eilts zunächst einen mehr oder weniger klassischen Weg ein. Über Werder Bremen, für das er 390 Bundesligaspiele bestritt, kam Eilts als Junioren-Trainer zum DFB, betreute die U-19- und die U-21-Nationalmannschaft. Er coachte Hansa Rostock, arbeitete als Jugendkoordinator beim VfL Oldenburg und in der Fußballschule von Werder. Irgendwann hatte er genug.

„Ich wollte noch mal einen anderen Rhythmus bekommen“, sagt Eilts. Er genießt die neue Struktur in seinem Leben: Arbeiten von 12 bis 17 Uhr, die Wochenenden frei. Und Eilts genießt noch etwas.

„Die Kinder sind sehr ehrlich und direkt. Man bekommt sofort ein Feedback für das, was man macht“, sagt er. Im Fußball sei „das offene Wort nicht immer gewünscht“. Oft werde mit „Halbwahrheiten“ gearbeitet. „Das gibt es bei den Kindern eigentlich nicht. Die sagen, was sie denken und was sie empfinden. Das finde ich total angenehm.“

Die Aufgeregtheit, die Getriebenheit im Fußball-Business: Das alles braucht Eilts nicht mehr. Eine Rückkehr als Trainer oder Funktionär auf die große Bühne kann er sich nicht vorstellen. Sollte er noch mal im Fußball arbeiten, „dann vielleicht irgendwo ehrenamtlich in einem kleineren Verein. Aber auch das würde ich momentan ausschließen.“

So völlig aus seinem Leben ist der Sport dann aber doch nicht. Als Kolumnist für den „Weser-Kurier“ analysiert er regelmäßig das Geschehen bei Werder. Ganz in Ruhe, ohne zu hyperventilieren. Die Heimspiele des auf einen Abstiegsrang gerutschten Teams von Trainer Florian Kohfeldt schaut er sich im Stadion an, sagt Eilts – mit der Einschränkung: „Wenn ich Zeit habe.“ Für die Auswärtsauftritte muss die gute alte Radioreportage reichen. „So, wie ich schon als Kind die Bundesliga verfolgt habe“, erklärt Eilts und lächelt zufrieden.

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